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Panorama Mörder von Dennis zehn Jahre nach der Tat gefasst
Nachrichten Panorama Mörder von Dennis zehn Jahre nach der Tat gefasst
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21:49 15.04.2011
Von Heinrich Thies
Die Phantombildzeichnung des Täters wurde 2001 erstellt. Quelle: dpa

Zuvor hatte der gebürtige Bremer seinem Geständnis zufolge bereits zwei weitere Jungen ermordet: Im März 1992 entführte er den 13-jährigen Stefan aus einem Internat in Scheeßel und im Juli 1995 den achtjährigen Dennis aus einem Zeltlager in Schleswig. Beide Jungen missbrauchte der Serientäter und tötete sie später.

Zusätzlich zu den drei Morden soll der Festgenommene, dessen Name mit Martin N. abgekürzt wird, weitere 40 Missbrauchsdelikte begangen haben – immer nach dem gleichen Muster. Jedes Mal holte sich der Mann seine Opfer – ausschließlich Jungen – aus dem geschützten Bereich von Schullandheimen, Zeltlagern oder Wohnungen im gesamten norddeutschen Raum.

Der alleinlebende Pädagoge, der ein Lehramtsstudium absolvierte, war zuletzt in Hamburg in der Erwachsenenbildung tätig, betreute aber zudem seit vielen Jahren Jugendfreizeiten. Auf diese Weise lernte er Schullandheime und Zeltlager kennen und konnte Kontakt zu Jungen seiner Opfergruppe aufbauen. Schon in der Vergangenheit war der Mann im Zusammenhang mit etlichen Sexualdelikten aufgefallen, aber nicht überführt worden. „Wir haben ihn schon 2007 überprüft“, teilte der Leiter der Soko Dennis, Martin Erftenbeck, am Freitag in Verden mit. „Aber damals konnte er sich durch unrichtige und ausweichende Antworten aus der Affäre ziehen.“ Jetzt konnte der Beschuldigte durch Belastungsmaterial überführt werden – unter anderem stellte die Polizei Datenmaterial seines Computers sicher. Auf die Spur gekommen waren die Fahnder dem Mann durch den Hinweis eines Opfers aus Bremen, das bereits im Jahr 1995 von dem Täter in der elterlichen Wohnung missbraucht worden war.

Im Wohnort der Eltern von Dennis K. herrschte Erleichterung. „Solange man den Täter nicht hat, schwingt immer die Befürchtung mit, der läuft noch frei herum, da kann wieder was passieren“, sagt Bürgermeister Martin Wagener in Osterholz-Scharmbeck. Am wichtigsten sei die Nachricht aber für die Familien. „Die können jetzt ihren Frieden finden.“

Ein 40-jähriger Pädagoge hat zehn Jahre nach dem Mord an dem neunjährigen Dennis gestanden, ihn und zwei weitere Jungen getötet zu haben. Dennis war aus dem niedersächsischen Osterholz-Scharmbeck nachts aus einem Schullandheim im Kreis Cuxhaven verschwunden und zwei Wochen später tot aufgefunden worden.

Der Mann hinter der Maske

Die Rede war vom „schwarzen Mann“, von einer „maskierten Bestie“. Doch hinter der Maske, die dieser Täter üblicherweise trug, verbarg sich kein Monster. Nachbarn, Freunde und Kollegen beschreiben den Mann, der mindestens drei Jungen ermordet und weitere 40 sexuell missbraucht haben soll, als nett, unauffällig, hilfsbereit, zurückhaltend und intelligent. Niemand hätte Martin N. derart Böses zugetraut.

„Er hat nach außen hin ein ganz normales Leben geführt“, sagt Alexander Horn. Der Experte für operative Fallanalyse aus Bayern, der die Sonderkommission Dennis beraten hat, sieht sich durch den Fahndungserfolg mit seinem Täterprofil bestätigt. „Es war ganz wichtig, dass wir der Öffentlichkeit vermittelt haben, dass wir nicht nach dem landläufigen Monster suchen“, sagt der Fallanalytiker. „Wir wissen, dass sich gerade Mehrfachtäter durch sozial angepasstes Verhalten auszeichnen. Es hätte auch der Familienvater sein können.“

Doch bei dem Serientäter, der jetzt wegen dreifachen Mordes und sexuellen Missbrauchs von Kindern in Untersuchungshaft sitzt, handelt es sich um einen ledigen Mann, der bereits seit Anfang der neunziger Jahre allein lebt. Im Umgang mit Kindern indessen ist der 40 Jahre alte Pädagoge erfahren, wie bei der Polizei-Pressekonferenz am Freitag deutlich wurde. Als Betreuer bei Jugendfreizeiten gewann N. nicht nur Zugang zu seinen potenziellen Opfern, sondern spähte auch die Aufenthaltsorte der Kinder aus: Schullandheime, Internate, Zeltplätze.

Der Drang, Jungen in seine Gewalt zu bringen, muss so stark gewesen sein, dass er nicht davor zurückschreckte, mehrmals die gleiche Einrichtung aufzusuchen. Schon zwei Jahre vor dem Mord an Dennis K. zum Beispiel drang der bullige, großgewachsene Mann mit der schwarzen Maske nachts in das Schullandheim im Kreis Cuxhaven ein, holte einen Achtjährigen aus dem Bett und zwang ihn, sich zu entkleiden und fotografieren zu lassen. Möglicherweise überlebte der Junge in diesem Fall nur, weil sein Peiniger gestört wurde.

Manches deutet darauf hin, dass Martin N. äußerst planmäßig vorging. „Er hat sich die Objekte vorher genau angeguckt, besonders Fenster und Türen“, sagt Soko-Chef Erftenbeck. Im Fall des achtjährigen Dennis R., den er aus einem Zeltlager bei Schleswig entführte, habe er zwei Tage vorher schon das Ferienhaus in Dänemark angemietet, wo er den Jungen dann missbraucht und schließlich getötet hatte.

Vieles liegt noch im Dunkeln, viele Details hielt die Polizei bei ihrer Pressekonferenz noch aus ermittlungstaktischen Gründen zurück. Soko-Chef Martin Erftenbeck weist zwar darauf hin, dass es „objektives Beweismaterial“ gibt, das den Täter überführt – darunter vermutlich Fotos der Opfer, die im Computer des „Maskenmannes“ gespeichert waren. Doch DNA-Spuren, die mit Sicherheit vom Täter stammen, gibt es bisher nicht. Damit hat die Polizei bisher auch nichts in der Hand, um N. den Mord an dem elfjährigen Jonathan C. aus Frankreich und dem elfjährigen Nicky V. aus den Niederlanden nachzuweisen, die beide auf ähnliche Weise ums Leben kamen wie die drei deutschen Jungen. „Wir wissen, dass er sich oft im Ausland aufgehalten hat“, sagt Erftenbeck, will dazu aber nicht mehr verraten. „Wir wollen feststellen, ob er noch weitere Straftaten begangen hat. Dazu entwickeln wir ein dezidiertes Bewegungsbild.“

Der Festgenommene war kein unbeschriebenes Blatt. Die Fahnder hatten ihn bereits 2007 vernommen, da er zu den rund 1000 Männern in der Region gehörte, die durch Sexualdelikte aufgefallen waren. „Er stand im Verdacht, sich an Jungen aus seinem Umfeld vergangen zu haben“, räumt der Soko-Chef ein, betont aber, dass dies auf viele Männer zutraf. „Wir konnten ihm nichts nachweisen.“ Über Vorstrafen wegen anderer Vergehen will sich der Kriminalhauptkommissar nicht äußern.

Neuen Schwung bekam die zehnjährige Fahndung durch die Aussage eines Joggers, der erst im vergangenen Jahr berichtet hatte, er habe Dennis K. in der Nacht nach seiner Entführung frühmorgens in einem Opel Omega mit einem Mann am Steuer gesehen, auf den die Täterbeschreibung zutraf. Die Polizei berief daraufhin vor zwei Monaten eine Pressekonferenz ein. Doch bisher hat sich die Aussage nicht bestätigt. „Der Beschuldigte bestreitet die Szene“, sagt Erftenbeck.

Im Übrigen habe sich Martrin N. „kooperativ“ gezeigt. „Auf die Festnahme hat er natürlich überrascht reagiert“, fügt Erftenbeck an. „Aber das ist ja auch kein Wunder.“

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