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Mutter spritzte ihrem Sohn Speichel und Kot

Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom Mutter spritzte ihrem Sohn Speichel und Kot

In Hamburg steht ab heute eine Mutter vor Gericht, die ihren Sohn grausam misshandelte. Immer wieder spritzte sie ihm Speichel und Kot, um ihn krank zu halten. Die Frau tat das, um Zuwendung zu erhalten. Sie leidet unter dem Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom. Nun geht es auch um ihre Schuldfähigkeit.

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Mitarbeiter einer Hamburger Klinik überführten die Mutter. Sie fanden mit Bakterien verseuchte Lösungen im Krankenzimmer ihres Sohnes.

Quelle: Christian Charisius/dpa

Hamburg. Eine Mutter soll ihr Kind über Monate hinweg mit verseuchten Spritzen gequält haben und steht deswegen seit Montag vor dem Hamburger Landgericht. Die 30-Jährige habe ihrem dreijährigen Sohn im Jahr 2013 über Monate mit Fäkalien, Speichel oder Blumenwasser vermischte Substanzen unter die Haut oder in die Blutbahn gespritzt, hieß es in der Anklageschrift.

Der Junge bekam demnach heftige Schmerzen, Fieberschübe und Abszesse, sein Blutdruck fiel ab und die Sauerstoffsättigung seines Blutes sank. Er lag mehrfach im Krankenhaus, zeitweise befand er sich in Lebensgefahr auf der Intensivstation.

Ärzte vermuteten Krebserkrankung

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagte unter dem sogenannten Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom leidet. Dabei macht ein Mensch einen anderen bewusst krank oder täuscht eine Krankheit vor, um Zuwendung zu erreichen. Die Mutter war stets an der Seite ihres Kindes. Wenn sich sein Zustand besserte und es nach Hause entlassen wurde, gab ihm die Mutter nach Darstellung der Staatsanwaltschaft erneut eine verseuchte Injektion.

Die Ärzte gingen schließlich von einer Krebserkrankung aus und planten eine Knochenmarkstransplantation mit Chemotherapie. Dann aber fiel das Verhalten der 30-Jährigen auf, die Ärzte stellten sie zur Rede und trennten sie von dem Kind. Zwei Wochen später war das Kind wieder zu Hause, mit normalen Blutwerten.

Angeklagte vermutlich schuldfähig

Nach Verlesung der Anklage schloss das Gericht am Montag die Öffentlichkeit von dem Verfahren aus. Zur Begründung der Kammerentscheidung erklärte das Gericht, in dem Verfahren werde auch die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung erörtert werden. Dabei könnten intime Details aus dem absoluten Kernbereich der Persönlichkeit zur Sprache kommen.

Ob die 30-Jährige vermindert schuldfähig ist, muss das Gericht aufgrund von Gutachten feststellen. "Wir gehen davon aus, dass sie nicht schuldunfähig ist", hatte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft vor Prozessbeginn erklärt. Die zierliche Frau mit langen braunen Haaren verbarg sich vor den Blicken der Zuschauer und Pressevertreter.

Sollte die Mutter schuldig gesprochen werden, drohen ihr wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Verletzung der Erziehungspflicht zwischen einem und 15 Jahren Haft. Das Gericht hat vier weitere Verhandlungstermine angesetzt. Mit einer Urteilsverkündung wird Anfang Oktober gerechnet.

dpa

Das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom

Beim Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom (Munchausen syndrome by proxy) macht jemand einen anderen Menschen bewusst krank oder täuscht eine Krankheit vor. Anschließend verlangt der psychisch kranke Täter dann eine fachkundige Behandlung für sein Opfer. Häufig sind es Mütter, die ihr Kind auf diese Weise schwer misshandeln. In der Regel wollen die Frauen so Zuwendung für sich und ihre Kinder erreichen. Bisweilen gehen die psychisch kranken Mütter so weit, dass ihr Kind an der Misshandlung stirbt. Beim Münchhausen-Syndrom fügen Menschen sich selbst Schaden zu. Ihren Namen haben Münchhausen- und Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom von dem als Lügenbaron bekanntgewordenen Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen (1720-1797).

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