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Reker verärgert Frauen mit Verhaltenstipps

Nach Angriffen in Köln Reker verärgert Frauen mit Verhaltenstipps

Wie können sich Frauen vor Übergriffen wie in Köln schützen? Oberbürgermeisterin Henriette Reker empfiehlt ihnen mindestens "eine Armlänge" Abstand zu Fremden – dafür erntet sie Spott und Kritik. Gibt Reker Frauen eine Mitschuld?

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Verhaltensregeln für Frauen: Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker wird dafür scharf kritisiert.

Quelle: Oliver Berg/dpa

Köln. In Köln schlossen sich Männer zu Gruppen zusammen, sie bedrängten und belästigten Frauen sexuell, sie raubten ihnen Geld und Handys. Welche Konsequenzen hat das? Die Polizei will mehr Präsenz zeigen, die Stadt mehr Kameras aufstellen, um öffentliche Plätze zu überwachen. Und Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) gibt Frauen Empfehlungen, wie sie sich vor einer Vergewaltigung schützen können.

Eine Armlänge Abstand zu Fremden

Aber wie sehen solche Verhaltensregeln aus? "Es ist immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft", erläuterte Reker am Dienstag nach einem Krisentreffen mit der Polizei (im Youtube-Video ab Minute 16:20).

"Also von sich aus schon gar nicht eine große Nähe zu suchen zu Menschen, die einem fremd sind, zu denen man kein gutes Vertrauensverhältnis hat." Reker sagte auch: "Sich in Gruppen zusammen zu finden, sich nicht trennen zu lassen." Diese und solche Empfehlungen könnten auf der Internetseite der Stadt nachgelesen werden. Dort gibt Köln schon jetzt Tipps.

Gibt Reker Frauen eine Mitschuld?

Reker erntet dafür Spott und Kritik, vor allem auf Twitter unter dem Hashtag #einearmlaenge. "Ich könnte platzen! Bekommen Frauen jetzt eine Mitschuld, wenn sie sich nicht an die Verhaltensregeln halten?", schrieb ein Nutzer. Der Politiker Christopher Lauer schrieb: "Mann so: 'Eigentlich wollte ich diese Frau ausrauben und belästigen, aber Mist! Sie ist eine Armlänge entfernt."  Eine Nutzerin meinte: "Wenn ich die eine Armlänge also nicht einhalte, bin ich dann quasi selbst schuld. Ja da dann ist ja alles gut!"

Auch Medien kritisierten Rekers Empfehlungen. "Ein Mob junger Männer macht Jagd auf Frauen, und Frauen bekommen daraufhin Verhaltenstipps? Das ist keine Prävention, das ist eine Unverschämtheit", schrieb Ursula Scheer in der Frankfurter Allgemeine Zeitung. In der Süddeutschen Zeitung dagegen verteidigte Esther Widmann Reker. Die Empfehlung, Abstand zu Fremden zu halten, habe sich nicht Reker ausgedacht – sondern andere.

Tatsächlich rät zum Beispiel der Frauennotruf Koblenz unter anderem: "Halten Sie Abstand! Am besten drei Körperlängen." Andreas Mayer, Leiter der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes, empfahl Frauen, dass sie solche Situationen am besten von vorneherein zu vermeiden versuchten. Wer eine Gruppe – womöglich betrunkener – pöbelnder Männer beobachte und ein ungutes Gefühl habe, mache besser einen großen Bogen um sie herum, sagte Mayer. Er riet außerdem, dass Frauen nicht alleine unterwegs sein sollten. "Die Gruppe schützt."

Reker reagiert auf Kritiker

Am Mittwoch verteidigte sich Reker gegen die Kritik. "Durch die verkürzte Darstellung in einzelnen Medien ist teilweise der Eindruck entstanden, meine Präventionsinitiativen würden sich ausschließlich auf Verhaltenstipps für Frauen und Mädchen beschränken", erklärte sie. Davon könne gar keine Rede sein. Vielmehr habe sie auf eine gezielte Nachfrage hin versucht, auf bereits vorhandene Präventions- und Beratungsangebote in Köln hinzuweisen.

wer/dpa

Dokumentation

Auf die Frage, ob sie näher erklären könne, was es mit Verhaltenshinweisen für Frauen auf sich habe, antwortete Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker: "Wir haben schon ohnehin solche Hinweise, die eben Frauen oder jungen Mädchen helfen sollen, sich in Situationen, mit denen sie konfrontiert werden, zu bewegen, sich sicherer zu fühlen. Und das werden wir auch in dem Fall noch mal tun, wir werden das aktualisieren, diese Verhaltenshinweise, damit die Frauen und jungen Mädchen auch gut vorbereitet übers (sic) Karnevalsfeiern gehen können, und damit sie jetzt nicht einem Unsicherheitsgefühl unterliegen, weil das wollen wir nicht, wir wollen ja auch keine unkontrollierbaren Orte in Köln, wir wollen eine Stadt, die sicher ist und die lebenswert ist und in der jeder auch feiern kann. Es wird vielleicht dazu gehören - das haben wir heute Morgen überlegt - dass wir unseren Karneval und die Zuwendung, die im Karneval ja einmal erfolgt, auch den Menschen aus anderen Kulturkreisen vielleicht besser erklären müssen, dass sie nicht sofort als Einladung verstanden werden können. Das wird auch dazu gehören."

Auf die Frage, wie man sich als Frau besser schützen könne, antwortete Reker: "Es ist immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft. Also von sich aus schon gar nicht eine große Nähe zu suchen zu Menschen, die einem fremd sind, zu denen man kein gutes Vertrauensverhältnis hat. Aber es gibt viele andere Möglichkeiten (...), sich in Gruppen zusammen zu finden, sich nicht trennen zu lassen, auch nicht in Feierlaune zu sagen, ich gehe jetzt mal mit diesem oder jenem mit, sondern in der Gruppe, in der man losgegangen ist, zu bleiben. Also es gibt da Möglichkeiten, die auch bei uns bei der Stadt Köln dann auf der Internetseite nachzulesen sind."

dpa

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