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Panorama Nach Missbrauchsfall stellt sich Weihbischof Fragen der Gemeinde
Nachrichten Panorama Nach Missbrauchsfall stellt sich Weihbischof Fragen der Gemeinde
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15:13 24.07.2011
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Salzgitter

Nach der Verhaftung eines Priesters wegen des Missbrauchs von Kindern hat Weihbischof Heinz-Günter Bongartz am Sonntag einen Gottesdienst in der katholischen Pfarrgemeinde St. Joseph in Salzgitter geleitet. „Unsere erste Sorge gilt den Opfern, um die wir uns nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft kümmern werden“, sagte der Hildesheimer Weihbischof in seiner Predigt. Das Geschehene zerstöre alle Bilder, die Bestürzung sei abgrundtief. Der 46 Jahre alte Gemeindepfarrer hatte den Missbrauch dreier Jungen gestanden und sitzt in Untersuchungshaft.

„Wir haben gehofft, dass es nach der Aufklärungswelle im vergangenen Jahr ruhiger werden würde und wir uns der Prävention widmen können“, sagte Bongartz in der mit mehr als 500 Menschen nahezu überfüllten Kirche. Und nun gebe es erneut Missbrauchsfälle. „Wir spüren eine große Bestürzung und Ohnmacht, uns fehlen die Worte für das, was geschehen ist“, betonte Bongartz. Aber: Die katholische Kirche werde eindeutig Position beziehen, es dürfe keinen sexuellen Missbrauch geben.

Bei einem Kirchenfrühstück nach dem Gottesdienst schlugen die Emotionen hoch. Im völlig überfüllten Saal im Pfarrhaus standen die Menschen stehen dicht gedrängt. Der Weihbischof begrüßte einige Teilnehmer persönlich und stellte sich dann den Fragen der Gemeinde. „Wann bekommen wir einen neuen Priester in unserer Gemeinde“, wollte eine Frau wissen. „Wieso hat die Diözese nicht vorher eingegriffen, es hat doch schon früher einen Verdacht gegen den Pfarrer gegeben“, fragte ein Mann aufgebracht. „Das ist alles schlimm, das durfte nicht passieren“, sagte eine ältere Frau leise, während andere lautstark diskutierten. „Ich wünsche mir jetzt einfach einen netten, gemütlichen Pfarrer“, sagte eine andere Frau.

Der Weihbischof betonte, dass es keine Hinweise auf einen sexuellen Übergriff gegeben habe. Der Priester war 2006 ins Visier des Bistums gerückt, weil er mit einem Jungen gemeinsam in einem Bett übernachtet hatte. Nach einem Protest der Familie war dem Geistlichen ein Kontaktverbot auferlegt worden, das dieser vor wenigen Wochen durchbrochen hatte. Das Bistum hatte im vergangenen Jahr die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Diese konnte den Verdacht gegen den Mann aber nicht erhärten und stellte die Ermittlungen ein.

Nun ermittelt die Sonderkommission „Peccantia“ (lateinisch für Sünde) in dem Fall und wertet Akten, Bilder und CDs aus, die in der Wohnung des Pfarrers beschlagnahmt wurden. Er hatte gestanden, sich jahrelang an drei Jungen vergangen zu haben. Da der Pfarrer vielfältigen Kontakt zu Kindern - beispielsweise im Kommunionsunterricht - gehabt hat, prüft die Staatsanwaltschaft, ob es weitere Opfer gibt. Bislang gibt es laut Polizei dafür jedoch keine Hinweise.

Der Pfarrgemeinderat St. Joseph hat mit dem Kirchenvorstand und dem Pfarrteam signalisiert, dass es „keine Option ist, hinzuschmeißen“. „Wir fordern alle Gemeindemitglieder auf, unser Gemeindeleben weiter mitzugestalten und zu unterstützen“, heißt es in einer Erklärung, die im Gottesdienst verlesen wurde.

dpa

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