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Ermittler: Mann schoss aus Ärger über Böller

Mädchen getötet Ermittler: Mann schoss aus Ärger über Böller

In der Silvesternacht ist in Bayern ein elfjähriges Mädchen erschossen worden. Der mutmaßliche Schütze sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Seine Erklärung für die Tat macht fassungslos.

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In Oberauchrach gedachten Bewohner Anfang Januar des Mädchens, das in der Silvesternacht durch einen Kopfschuß getötet worden war.

Quelle: Nicolas Armer/dpa

Oberauchrach. Einerseits sind die Menschen in Unterschleichach erleichtert. Nachdem in der Silvesternacht ein elfjähriges Mädchen in ihrem Ort erschossen wurde, hat die Polizei den mutmaßlichen Täter gefasst. Aber er kommt ebenfalls aus der Gemeinde, und deshalb ist auch die Bestürzung groß. Zumal der Mann den tödlichen Schuss mit Ärger über die Silvesterböllerei und persönlichen Frust erklärt, wie der Bamberger Oberstaatsanwalt Erik Ohlenschlager am Mittwoch sagte.

Durch Böller geweckt

Der Mann habe eingeräumt, in der Silvesternacht auf eine Menschengruppe geschossen zu haben, erklärte Ohlenschlager. Eine Tötungsabsicht habe er zwar bestritten. Die Staatsanwaltschaft gehe aber dennoch davon aus, "dass der Beschuldigte bewusst in Richtung der Personengruppe geschossen hat", sagte Ohlenschlager.

Der Beschuldigte wohnt nur wenige Meter vom Tatort entfernt. Er sei in der Silvesternacht allein in seinem Haus und aufgrund einer Trennung von seiner Familie psychisch angeschlagen gewesen. Weil er gegen 1.00 Uhr durch Böller aufgeweckt worden sei, habe er "aus Wut und Ärger über diese Störung und Ärger über seine persönliche Situation" aus seinem Keller eine seiner Kleinkaliberwaffen geholt und aus dem Garten heraus drei- bis viermal in Richtung einer Menschengruppe geschossen. Dabei traf er das elfjährige Mädchen, das kurze Zeit später starb.

Durch falsche Aussage verraten

Bereits am 1. Januar stellte die Polizei in dem etwa 450 Einwohner zählenden Ort rund 60 Kleinkaliberwaffen sicher und überprüfte alle Waffenbesitzer in der Nähe des Tatorts. Bei seinen Vernehmungen – damals noch als Zeuge – machte der 53-Jährige dann Angaben, die sich später durch andere Zeugenaussagen als falsch herausstellten.

"Dass seine Angaben in wesentlichen Dingen nicht stimmten, hat den Fokus auf ihn gelegt", sagte Ohlenschlager. Außerdem passe eine seiner Waffen zu einem gefundenen Projektil. Der Mann habe auch angegeben, mit dieser Waffe in der Silvesternacht geschossen zu haben. Das Ergebnis der ballistischen Untersuchung der Waffe steht noch aus.

Im Besitz von vier Waffen

Der nicht verheiratete Vater eines Kindes habe sich nicht selbst gestellt, sondern sei an seinem Arbeitsplatz festgenommen worden, betonte Ohlenschlager. "Er stand deutlich unter psychischem Druck und war sichtlich erleichtert, dass man ihm auf die Spur kam", sagte Oberstaatsanwalt Christopher Rosenbusch. Wegen seiner psychischen Probleme sei der Mann seit längerem in Behandlung gewesen. Betrunken war er nach eigener Aussage zur Tatzeit nicht.

Gegen den Ex-Sportschützen wurde Haftbefehl wegen Mordes erlassen, er sitzt nun in Untersuchungshaft. Der 53-Jährige sei Kraftfahrer in der Justizvollzugsanstalt im oberfränkischen Ebrach (Landkreis Bamberg) und habe die Waffe aufgrund einer früheren Mitgliedschaft im Schützenverein legal besessen, sagte Ohlenschlager. Insgesamt habe er vier Waffen besessen, zwei davon Kleinkaliberwaffen.

Nun könne allmählich wieder etwas Normalität in dem Ort einkehren, sagt Evelyn Müller, die seit einigen Jahren in Unterschleichach wohnt. "Es hat sich ja seitdem keiner mehr raus getraut", erzählt die 50-Jährige. "Da war kein Kind mehr auf der Straße."

dpa/wer

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