Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Polizei ermittelt drei Verdächtige

Übergriffe auf Frauen in Köln Polizei ermittelt drei Verdächtige

Nach den massiven Übergriffen auf Frauen am Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht hat die Polizei drei Verdächtige ermittelt. Außerdem geht sie dem Verdacht nach, dass die Attacken dort und in Hamburg abgesprochen waren.

Voriger Artikel
Weitere Übergriffe auf Frauen befürchtet
Nächster Artikel
Frau ruft Polizei – weil's ihr nicht schmeckt

Nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht verstärkt die Polizei die Präsenz am Hauptbahnhof Köln.

Quelle: Oliver Berg/dpa

Köln. Nach den Übergriffen auf Dutzende Frauen in Köln und Hamburg hat die Polizei eine erste Spur. Drei mutmaßliche Täter wurden nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers Ralf Jäger (SPD) ermittelt. Die Männer könnten zu einer größeren Gruppe gehören, die in der Silvesternacht vor dem Kölner Hauptbahnhof Frauen belästigt, misshandelt und ausgeraubt haben soll.

Details wollte Jäger aber noch nicht nennen, weil dies die schwierigen Ermittlungen gefährden könnte. "Manchmal braucht der Rechtsstaat Zeit. Diese Zeit müssen wir ihm geben", sagte der SPD-Politiker. Festgenommen wurde bisher niemand. Zunächst hatte die Nachrichtenagentur dpa von drei Festnahmen berichtet.

In der Silvesternacht sind in Köln Dutzende Frauen am Hauptbahnhof sexuell belästigt und bestohlen worden. Die Kölner Polizei steht deshalb in der Kritik. Sie schilderte daraufhin, wie der Einsatz aus ihrer Sicht abgelaufen ist. Wir dokumentieren Auszüge aus der Mitteilung der Polizei.

Zur Bildergalerie

Übergriffe auch in Hamburg

Die Polizei prüft eine mögliche Absprache vor den Übergriffen in Köln und ähnlichen Vorfällen in Hamburg. "Das Ganze scheint abgesprochen gewesen zu sein," sagte Bundesjustizminister Heiko Maas am Mittwoch im ZDF-"Morgenmagazin". "Es wäre schön, wenn das keine Organisierte Kriminalität wäre, aber ich würde das gerne mal überprüfen, ob es im Hintergrund Leute gibt, die so etwas organisieren." So etwas geschehe nicht aus dem Nichts, es müsse jemand dahinterstecken.

Nicht nur in Köln wurden etliche Anzeigen registriert, sexuelle Übergriffe gab es an Silvester auch in Hamburg. Auf der Reeperbahn wurden Frauen nach Polizeiangaben jeweils von mehreren Männern umringt und an der Brust oder im Intimbereich begrapscht.

Zwei Anzeigen wegen Vergewaltigung

Inzwischen gingen nach Polizeiangaben in Köln mehr als 100 Anzeigen von mutmaßlichen Opfern ein, davon haben drei Viertel einen sexuellen Hintergrund. "Viele Frauen geben in den Gesprächen an, dass sie auch angefasst wurden", sagte eine Polizeisprecherin. Zwei Betroffene hätten Anzeige wegen Vergewaltigung erstattet, sagte der Kölner Polizeipräsident Wolfgang Albers am Mittwoch dem Radiosender WDR 5. Zwei Drittel der Opfer seien zum Feiern in die Domstadt gereist, hieß es.

Augenzeugen und Opfer hatten nach den Übergriffen ausgesagt, die Täter seien dem Aussehen nach größtenteils nordafrikanischer oder arabischer Herkunft. Die Polizei spricht von einer sehr schwierigen Beweisführung. Das liege vor allem an der "Gemengelage" in der Silvesternacht.

De Maizière kritisiert Polizei

Vor allem Polizei und Stadtspitze standen auch am Mittwoch in der Kritik. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bemängelte in den ARD-"Tagesthemen" den Einsatz der Kölner Beamten: "Da wird der Platz geräumt – und später finden diese Ereignisse statt, und man wartet auf Anzeigen. So kann die Polizei nicht arbeiten."

Die Kölner Polizei sei mit größerer Präsenz als in den Vorjahren vor Ort gewesen, habe aber mit diesen massiven Übergriffen nicht gerechnet, sagte NRW-Innenminister Jäger. "Die Polizei in Köln, aber auch die Bundespolizei, müssen im Detail erklären, wie es zu diesen Taten kommen konnte. Ich erwarte einen Bericht noch in dieser Woche. So etwas darf nicht wieder vorkommen."

Jäger attackiert den Bundesinnenminister

Jäger reagierte auf die Kritik des Bundesinnenministers und erinnerte Thomas de Maizière an dessen eigene Verantwortung: "Es gab Übergriffe sowohl im Zuständigkeitsbereich der Kölner Polizei, aber auch der Bundespolizei. Es ist eine Frage des Stils, ob man ohne Detailkenntnisse, bei eigener Verantwortung, Polizeieinsätze in anderer Zuständigkeit beurteilt. Wie ich dies empfinde, habe ich Herrn de Maizière schon mitgeteilt." Die Bundespolizei untersteht dem Bundesinnenminister.

De Maizière wies Vorwürfe zurück, die Bundespolizei sei unterbesetzt. Die Personalstärke der Bundespolizei an Bahnhöfen und Flughäfen und bei sonstigen Einsätzen der Bereitschaftspolizei sei sichergestellt, sagte er am Mittwoch in Berlin. Das gelte trotz des verstärkten Einsatzes von Bundespolizisten an der Grenze zu Österreich.

Albers schließt Rücktritt aus

Die Kölner Polizeiführung räumte zwar ein, am Neujahrsmorgen falsch über die Ereignisse der Nacht berichtet zu haben. In einer Erklärung hatte sie die Lage zunächst als recht entspannt beschrieben und sich selbst gelobt. Kritik am Einsatz wies sie allerdings zurück.

"Wir waren nicht überfordert", sagte Polizeipräsident Wolfgang Albers. Das ganze Ausmaß der Vorfälle sei erst später klar geworden. Einen Rücktritt schließt Albers aus. Auf die Frage, ob er im Amt bleibe, sagte er am Mittwoch in einem Interview auf WDR 5: "Aber natürlich. Gerade jetzt bin ich, glaube ich, hier gefragt."

Reker wehrt sich gegen Kritik

Auch Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) muss sich gegen Vorwürfe wehren. Sie zog mit einer Verhaltensempfehlung an Frauen Spott im Internet auf sich. "Es ist immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft", hatte sie vor Journalisten auf die Frage geantwortet, wie man sich als Frau besser schützen könne.

Unter dem Hashtag #einearmlaenge häuften sich daraufhin spöttische Kommentare. Justizminister Maas schrieb auf Twitter: "Nicht Frauen tragen Verantwortung, sondern Täter." Jäger ging auf Distanz zu Rekers Empfehlungen. "Das verkehrt ein bisschen die Rolle von Opfer und Täter." Es sei nicht Aufgabe der Frauen, solche Taten zu verhindern. Frauen hätten einen Anspruch darauf, sich sicher in der Öffentlichkeit zu bewegen.

Reker verteidigte sich gegen die Kritik. "Durch die verkürzte Darstellung in einzelnen Medien ist teilweise der Eindruck entstanden, meine Präventionsinitiativen würden sich ausschließlich auf Verhaltenstipps für Frauen und Mädchen beschränken", erklärte sie am Mittwoch. Davon könne gar keine Rede sein. Vielmehr habe sie auf eine gezielte Nachfrage hin versucht, auf bereits vorhandene Präventions- und Beratungsangebote in Köln hinzuweisen.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Panorama
Zitate zum Tod von Schimon Peres

Zahlreiche Prominente haben sich zum Tod des ehemaligen israelischen Poltikers und Friedensnobelpreisträgers Schimon Peres geäußert.