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Panorama Nächstes Terrorziel: Deutschland?
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00:15 26.03.2016
Zeichen der Solidarität: Das Brandenburger Tor erstrahlte am Dienstagabend in den belgischen Nationalfarben. Quelle: dpa
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Berlin/Washington

Niemand weiß, wer „abo omar 170“ ist. Westliche Geheimdienste glauben, es könnte ein Terrorist gewesen sein, der am Dienstag nach den Anschlägen unter diesem Namen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter verdächtige Botschaften in die Welt sandte.  „Ihr bombardiert uns im Orient, also bombardieren wir euch im Westen“, hieß es da. Und weiter: „Macht euch auf noch mehr Bomben und Tote gefasst, demnächst auch in Deutschland!“

Was wir bisher über die Anschläge wissen – und was nicht: Das lesen Sie hier.

Terror in Belgien: Eine Zusammenfassung der Ereignisse finden Sie hier.

Der Tag, an dem ich einen guten Freund verlor: Ein Bericht unseres Korrespondenten Detlef Drewes.

Die Sicherheitsbehörden halten solche Botschaften automatisch fest. Algorithmen erkennen bedrohliche Inhalte, Maschinen schlagen Alarm. Will dann ein Beamter den Ursprung erforschen, ist es oft schon zu spät: Der komplette Account von „abo omar 170“ wurde nach Versenden der Botschaft gelöscht.

Warnsignale aus Moskau

Der Vorfall passt zu einer Vielzahl von Zeichen, die darauf deuten, dass nach den Attacken auf Paris und Brüssel das nächste Ziel in der Tat Deutschland heißen könnte.

Oft sind es die ausländischen Dienste, die in jüngster Zeit die Deutschen warnen. Als in Hannover Ende vorigen Jahres ein Stadion evakuiert wurde, soll der israelische Geheimdienst den entscheidenden Hinweis gegeben haben.

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ISTANBUL - Januar 2016:Ein Selbstmordattentäter der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reißt im historischen Zentrum Istanbuls zwölf Deutsche mit in den Tod. Der Angreifer zündet die Bombe mitten in einer deutschen Reisegruppe nahe der Hagia Sophia und der Blauen Moschee.

Auch aus Moskau kommen Warnsignale. Der russische Politiker Sergej Markow, ein Putin-Vertrauter, riet Berlin auf Facebook, es möge dringend enger mit Moskau zusammenarbeiten, der deutsche Geheimdienst sei schwach. „Ich denke, dass der ,Islamische Staat‘ noch in diesem Jahr eine weitere Serie von Terrorakten in einer europäischen Hauptstadt verüben wird. Wahrscheinlich – leider – in Berlin.“

Ein eigenartiger Zufall: Zwei Tage vor den Anschlägen in Brüssel veröffentlichte die „New York Times“ Hinweise auf eine wachsende Terrorgefahr in Europa. Ermittler befürchteten, hieß es da, dass die blutigen Attacken auf Paris vor vier Monaten „nur der Auftakt einer größeren Angriffswelle“ gewesen seien.

Die Beklommenheit wächst

Man mag es sich nicht vorstellen: War der Terror in Paris, wo durch Bomben und Schüssen aus automatischen Gewehren nach und nach 130 Menschen hingemetzelt wurden, nur das grausige Vorspiel zu etwas viel Größerem? Die Beklommenheit wächst, auch in Kreisen von Sicherheitsprofis, die sich eigentlich cool zeigen müssten.

Als Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Dienstag in Berlin vor die Presse trat, zeigte er wieder das gleiche grimmige Gesicht, das man im November 2015 sah, als er die Evakuierung des Fußballstadions in Hannover veranlasst hatte. Unvergessen bleibt, wie er damals ausweichend auf eine Frage zu den Hintergründen seiner Entscheidung reagierte: „Teile der Antwort würden Sie verunsichern.“

In Berlin fallen jetzt bange Blicke auf ein für Sonnabend geplantes Großereignis. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier sagt: „Das Länderspiel zwischen Deutschland und England könnte ein Problem werden.“ Vieles hänge jetzt davon ab, wie groß die Unruhe werde, die nach den Anschlägen von Brüssel entstehe.

Laut DFB-Sicherheitschef Hendrik Große Lefert gibt es „zum aktuellen Zeitpunkt keine konkreten Erkenntnisse für eine Gefährdung“. Doch die Vorhersagen der Dienste können sich, siehe Hannover, stündlich ändern.

Ein besonderes Problem

Amerikanische Stellen sind seit Langem in höherem Alarmzustand. Oft stieß die National Security Agency auf Hinweise darauf, dass führende Köpfe des „Islamischen Staates“ Anschläge in den Bevölkerungszentren Europas nicht nur fördern, sondern auch dringend fordern: Ein Zeichen solle gesetzt werden, dass man sich den Luftkrieg gegen IS-Kämpfer in Syrien, an dem Frankreich beteiligt ist und zu dem Deutschland beiträgt, nicht einfach bieten lässt.

Die US-Dienste sehen ein besonderes Problem im Zusammenwachsen zwischen kriegserfahrenen Kämpfern aus Syrien und Angehörigen der Islamistenszene in europäischen Großstädten. Nie zuvor, kontern deutsche Sicherheitskreise, habe man diese Szene so intensiv unter Bewachung gestellt wie jetzt.

Von Jörg Köpke und Stefan Koch

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