Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Museen streichen "Cowboy" und "Indianer"
Nachrichten Panorama Museen streichen "Cowboy" und "Indianer"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 17.12.2015
Koloniale Vergangenheit nicht verherrlichen: Der Cowboy (Symbolbild) kommt in den Niederlanden auf den Index. Quelle: EPA/LARRY W. SMITH/Symbolbild
Anzeige
Amsterdam

Mohrenköpfe und Negerküsse sind schon tabu – rein sprachlich. Nun aber darf man in den Niederlanden auch nicht mehr von Eskimos, Indianern, Buschnegern, Mongolen, Mohren, Cowboys oder Hottentotten reden. All diese Worte sollen aus dem Sprachschatz gestrichen werden, weil sie nicht mehr politisch korrekt sind. Die koloniale Vergangenheit des Landes, so heißt es, soll nicht verherrlicht werden. Außerdem wolle man die Einwohner der einstigen Kolonien nicht beleidigen.

Worte wie Cowboy sind angeblich rassistisch

Was dem Zwarte Piet (Schwarzer Peter), dem Knecht von St. Nikolaus, widerfahren ist, das kommt nun auch auf viele Kunstwerke in niederländischen Museen und deren Beschreibung zu. So darf beispielsweise das aus dem Jahr 1594 stammende Bild des Malers Cornelis Haarlem, Titel: "Das Bad der Bathseba", nicht mehr die Bildunterschrift tragen, dass Bathseba von einer Negerdienerin gewaschen wird. Künftig muss es heißen: Sie wird von einer schwarzen Dienerin gewaschen. Auch so harmlose Worte wie Indianer oder Cowboy sollen aus dem Vokabular in niederländischen Museen verschwinden, weil sie angeblich rassistisch sind.

Begriffe sollen aus den Museen entfernt werden

Das Amsterdamer Rijksmuseum, das viele Werke der bekanntesten niederländischen Maler aus dem 17. Jahrhundert besitzt und zeigt, darunter die weltberühmte Nachtwache von Rembrandt, setzte sogar eine eigene Sprachkommission ein. Die Zensurbehörde hat zur Aufgabe, alle diskriminierenden Begriffe oder solche, die als diskriminierend empfunden werden könnten, aus den Bildunterschriften der Gemälde zu entfernen. "Die Sprache verändert sich, wie die Gesellschaft sich auch verändert", sagt die Sprachwissenschaftlerin Vivien Waszink. "Es gibt zu verschiedenen Zeiten immer wieder Worte, die tabuisiert werden."

Auch wachse der internationale Druck, die Sprache anzupassen. Weil eine UN-Kommission dies empfohlen hat, waren jetzt während des St.-Nikolaus-Festes immer weniger Schwarze Peter zu sehen. Und in der Karnevalssaison wird es wohl kaum noch Cowboys und Indianer geben, die im närrischen Treiben mitmischen. Schließlich sind auch diese Figuren nach der Lehre der politischen Korrektheit diskriminierend und kolonialistisch.

Von Helmut Hetzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Panorama Nach Vorwurf des sexuellen Missbrauchs - Bill Cosby verklagt Frauen wegen Rufmords

Der US-Schauspieler Bill Cosby hat sieben Frauen wegen Verleumdung verklagt, die ihm sexuellen Missbrauch vorwerfen. Sie wollten sich finanziell an ihm bereichern, behauptet der 78 Jahre alte Mann.

14.12.2015
Panorama Kampf um knappen Wohnraum - Berlin drängt Kiez-Touristen zurück

Harter Kampf um knappen Wohnraum: In Berlin sind gewerblich vermietete Ferienwohnungen ab Mai illegal. Wer die Räume anschließend heimlich an Touristen vermietet, macht sich strafbar.

17.12.2015
Panorama Polizei stoppt Lieferdienst - Pizza-Bote rast mit 130 durch die Stadt

Ofenfrisch auf den Tisch: Pizza-Lieferdienste werben mit einer schnellen Lieferung. In Bayern hat es ein Fahrer allerdings übertrieben. Sein Pech: Die Polizei hatte kein Verständnis dafür.

14.12.2015
Anzeige