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Heilige Bescheidenheit

Weihnachten im Vatikan Heilige Bescheidenheit

Weihnachten im Vatikan galt einst als prunkvolles Fest, doch dann kam Papst Franziskus und schaffte die Feierlichkeiten ab. Seitdem gibt es Essen aus der Mikrowelle.

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Papst Franziskus bricht mit den Traditionen im Vatikan und feiert Weihnachten sehr bescheiden.

Quelle: EPA/CLAUDIO PERI

Vatikanstadt. Er hat den Luxus aus den heiligen Hallen des Vatikans verbannt, die Ferien gestrichen und mit jahrhundertealten Traditionen gebrochen. Papst Franziskus stellt sogar die Weihnachtszeit auf den Kopf. Auch über zwei Jahre nach der Wahl von Jorge Mario Bergoglio zum Oberhaupt der Katholiken kommen die Kirchenmänner in Rom aus dem Staunen nicht heraus.

Franziskus bricht mit der Tradition

Die Weihnachtszeit verlief stets nach dem gleichen Ritual. Die Päpste ließen sich im Apostolischen Palast von den Ordensfrauen mit leckeren Spezialitäten verwöhnen. Die Sekretäre des Papstes feierten mit ihm, ebenso wie seine Kammerdiener und der Präfekt im päpstlichen Haushalt.

Papst Franziskus, der an diesem Donnerstag seinen 79. Geburtstag feiert, hat von dieser Tradition nichts übrig gelassen. Es gibt keinen päpstlichen Haushalt mehr. Es gibt keine Ordensfrauen mehr, die ihn bedienen, keine Kammerdiener, ja,  nicht einmal der Präfekt wohnt noch in seiner Wohnung.

Landstreicher sind seine neuen Freunde

Stattdessen dreht sich in diesen Tagen im knapp bemessenen Privatleben des Papstes alles nur um ein Thema: seine neuen Freunde, die Landstreicher auf dem Petersplatz. Fast jede Stunde seiner Freizeit verbringt der Papst mit dem Mann, der sich um die Obdachlosen kümmert, um jedes Detail mit ihm zu besprechen. Es ist Bischof Konrad Krajewski, den schon Papst Johannes Paul II. aus Polen nach Rom holte.

Heute versorgt er im Auftrag des Papstes die Obdachlosen rund um den Vatikan mit ausgesuchten Speisen – und muss Franziskus detailliert Bericht darüber erstatten. Der Papst will  genau wissen, was der Frau serviert wird, die auf Pappkartons in jenem Hauseingang des vatikanischen Palastes schläft, in dem Joseph Ratzinger einst als Kardinal wohnte. Er fragt nach den Männern, die unter den Arkaden am Pressesaal des Heiligen Stuhles schlafen und im Winter besonders kräftigende Nahrung brauchen.

Ordensfrauen sind verzweifelt

An seinem Geburtstag lädt das Kirchenoberhaupt die Bettler in das Wohnhaus des Vatikans, um gemeinsam mit ihnen zu feiern. Bischof Krajewski kümmert sich um das Essen und hat einen klaren Auftrag: "Die Armen sind für uns das Abbild Christi, das Beste ist für sie gerade gut genug", sagt der Pontifex. Feinkostladen statt Discounter.

Franziskus selbst gönnt sich von diesem Luxus nichts – und treibt die zuständigen Ordensfrauen damit schier zur Verzweiflung. Im Vatikan trauern viele den guten alten Zeiten nach, als noch ganze Orchester zur Erbauung der Kardinäle in den Gärten des Vatikans aufspielten und erlesene Spezialitäten gereicht wurden.

Vorgänger bestellten Spezialitäten

Seitdem Franziskus im spartanisch eingerichteten Gästehaus der heiligen Martha wohnt, gibt es nur noch ein Selbstbedienungsrestaurant. Statt der guten italienischen Salami gibt es Formfleischwürstchen. Weil die meisten Speisen kalt sind, müssen die Gäste der Mensa im Haus der Heiligen Martha ihr Mahl in einer Mikrowelle aufwärmen. Auch der Teller des Papstes dreht sich in dem Gerät. Wenn er sich etwas Besonderes gönnt, gibt es mit Käse überbackenes Brot.

Das alles ist kein Vergleich zu seinen Vorgängern. Für Johannes Paul II. wurden in der Vorweihnachtszeit Spezialitäten aus Polen herangeschafft. Für Benedikt XVI. gab es Deftiges aus Bayern. Franziskus lässt höchstens mal Tomaten mit Mozzarella servieren. Das war’s an Opulenz.

Kein Urlaub an Weihnachten

Die Weihnachtsfeiern im Vatikan sind somit Geschichte, dabei hatte Johannes Paul II. der Stadt eine spektakuläre Attraktion beschert. Als eine der exklusivsten Veranstaltungen der Welt galt das Treffen an der Urbaniana Universität hoch über dem Petersplatz. Dort wartete am Heiligen Abend eine elitäre Gemeinschaft, bis der Pontifex am Fenster auftauchte. Sobald er Sterne am Himmel leuchten sah, zündete er eine Kerze an und wünschte allen frohe Weihnachten.

Franziskus hingegen wird mit einer anderen Gewohnheit in die Geschichte eingehen. Er ist der erste Papst, der keinen Urlaub an Weihnachten macht. Statt im Landschloss in Castel Gandolfo zu entspannen, bleibt der 79-Jährige im Vatikan. Er arbeitet einfach lieber.

Von Andreas Englisch

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