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Peta: Vorrang für Hunde und Heuschrecken

Organisation Peta: Vorrang für Hunde und Heuschrecken

Ihre Aktionen richten sich gegen Mediziner, Pharmazeuten, Zoologen, gegen Fleischereien, Angler, Pelzhändler oder Zirkusbetriebe – kurz gegen alle, die mit Tieren arbeiten oder von ihnen leben. Sogar Barack Obama ist schon ins Visier der Tierrechtler gerückt.

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Die harmlose Seite: Peta-Werbung mit viel nackter Haut.

Quelle: AFP (Archiv)

Als er vor laufenden Kameras eine Fliege erschlug, meldeten sich sofort Anhänger der Organisation Peta und forderten vom US-Präsidenten mehr Herz für Fliegen. „Wir wollen Mitgefühl sogar mit den neugierigsten, kleinsten und unsympathischsten Tieren“, sagte ein Peta-Sprecher.

Nicht selten greifen Tierrechtler allerdings zu härteren Methoden, wenn es um die Verteidigung der Rechte der Kreatur geht. Dann werden die Scheiben von Fleischerläden zertrümmert, gehen Versuchslabore in Flammen auf, erhalten Forscher unverhohlene Morddrohungen. In Großbritannien gelang es Tierrechtlern Anfang 2002 sogar eines der weltgrößten Unternehmen für unabhängige Tierversuche, die Forschungsfirma Huntingdon Life Sciences, aus dem Land zu vertreiben.

Beobachter der Szene registrieren eine Radikalisierung. Da spricht der Chefideologe von Peta Deutschland, Edmund Haferbeck, von „Täterbranchen“, die die Menschen über ihren Umgang mit Tieren „belügen und betrügen“. Gegen sie gehe Peta knallhart vor, weil diese „Tiernutzer“ ihrerseits knallhart gegen Angriffe auf ihre ökonomischen Interessen reagierten. „Ein Leben wird für uns immer mehr wert sein als eine aufgebrochene Tür, ein zerstörtes Versuchslabor oder ein in Brand gesteckter Fleischlaster“, schreiben Haferbeck und Frank Wieding in ihrem 1998 erschienenen Buch „Operation Tierbefreiung – ein Plädoyer für radikale Tierrechtsaktionen“. „Der militante Kampf für die Tiere ist ein Eintreten für Gerechtigkeit.“ „Tiernutzer“ sind in den Augen von Tierrechtlern „Tiermörder“. Wissenschaftler, die Medikamente an Tieren testen, werden als Verbrecher angeprangert.

Den Tierrechtlern von Peta fliegen trotz dieser fragwürdigen, teils kriminellen Einstellung die Sympathien zu. Sie haben wachsenden gesellschaftlichen Einfluss. Vor allem das gekonnte Spiel mit den Medien hilft Peta dabei, das „tierausbeuterische Establishment“ wirkungsvoll an den Pranger zu stellen. Die Organisation trifft auch bei Journalisten oft auf Verständnis. Schließlich befördert sie eine vermeintlich gute Sache. Die tierquälerische Haltung von Legehennen, Rindern oder Schweinen kann man mit gutem Gewissen scharf kritisieren. Das deutsche Tierschutzgesetz besagt, dass niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf. Der Profit aus zu engen Ställen ohne Tageslicht und Auslauf ist sicherlich kein vernünftiger Grund.

Doch den Tierrechtlern geht es in erster Linie gar nicht darum, die Lebensbedingungen gequälter Tiere zu verbessern. Sie sind auch keine Naturschützer, die sich um den Erhalt der Artenvielfalt sorgen. Ihr Ziel ist grundsätzlicher. Sie streben einen Wertewandel an: Militante Tierrechtler stellen Mensch und Tier auf eine Stufe. Für Peta gibt es keinen Grund, Menschen rechtlich besser zu stellen als Hunde oder Heuschrecken. Der Mensch habe keine Sonderrechte, erklärt die Gründerin und Präsidentin der radikalen Tierrechtsorganisation, die US-Amerikanerin Ingrid Newkirk: „Eine Ratte ist ein Schwein ist ein Hund ist ein Junge.“

Newkirks Vasallen in Deutschland sind nicht weniger fanatisch. Peta-Anhänger halten es sogar für verwerflich, mit einem Lederball Fußball zu spielen oder Lederschuhe zu tragen. Alle Menschen sollten nach ihrer Ansicht vegetarisch, besser noch vegan leben, also komplett ohne tierische Erzeugnisse. „Toleranz gegenüber Fleischessern zu fordern, ist ebenso absurd und obszön, wie Toleranz gegenüber Vergewaltigern und Mördern zu fordern“, erklärt etwa der Salzburger Tierrechtsphilosoph Helmut F. Kaplan.

Doch damit geraten Tierrechtler in eine moralische Sackgasse. Denn fast alles, was Menschen tun, tötet oder vertreibt irgendwelche Tiere. Was passiert zum Beispiel, wenn Schädlinge sich ungehindert ausbreiten könnten und die Ernten vernichten? Missernten und Hungersnöte wären die Folge, sie würden zum Tod Tausender Menschen führen. Viele Peta-Sympathisanten glauben vermutlich, sie würden etwas für den Tierschutz tun. Sie haben sich entweder nicht besonders intensiv mit den Absichten der Organisation befasst oder nicht hinreichend über die zerstörerischen Konsequenzen dieser Philosophie nachgedacht.

Tierrechtler sind weltweit auf dem Vormarsch. Ihre Kampagnen richten sich vor allem gegen große Nahrungsmittel-, Mode- oder Pharmakonzerne. Ihr Erfolg und ihre ständige Medienpräsenz setzt die traditionellen Tierschutzorganisationen offenbar unter Zugzwang. Deren Forderungen nähern sich immer häufiger den radikalen Peta-Positionen an.

Peta: klein, aber erfolgreich

Peta erfreut sich auch in Deutschland wachsender Beliebtheit. Ihre aufsehenerregenden Kampagnen gegen Pelze – etwa mit der attraktiven Che-Guevara-Enkelin – provozieren, aber kommen an. Viele denken, es handele sich bei den Tierrechtlern um eine große Organisation. In Deutschland hat Peta zwar rund 20. 000 Mitglieder (weltweit sind es rund zwei Millionen), betreibt aber nur ein kleines Büro mit etwa 25 Mitarbeitern in Gerlingen bei Stuttgart. Der eingetragene, gemeinnützige Verein Peta Deutschland wurde 1994 gegründet und ist eine Schwesterorganisation von Peta USA (gegründet 1980).

Peta finanziert sich ausschließlich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen und erhält keine staatliche Unterstützung. 2008 wurden insgesamt rund 1,5 Millionen Euro eingesammelt. Rund 390. 000 Euro entfallen davon auf Personalkosten und Verwaltung, der Rest von knapp 1,2 Millionen Euro wird nach Angaben von Peta-Mitarbeiter Edmund Haferbeck für Programme und Projekte verwendet. Es werde mehr politische Arbeit für die Durchsetzung von Tierrechten gemacht als konkreter Tierschutz, erklärt Haferbeck. Die Arbeit von Peta stützt sich auf vier Säulen: die Bekämpfung der Intensivtierhaltung, die Abschaffung von Zoos, Zirkussen oder Delfinarien, den Kampf gegen das Tragen von Pelzen und die Abschaffung von Tierversuchen. Kampagnen richten sich vor allem gegen große Unternehmen, darunter Fast-Food-Ketten wie McDonalds, Modefirmen und Pharmakonzerne.

Peta beteiligt sich selbst nicht an Einbrüchen zur Befreiung von Tieren, arbeitet aber mit militanten Gruppen wie der Animal Liberation Front zusammen und veröffentlicht deren Filmmaterial. Peta spricht gezielt Jugendliche an, Mitarbeiter halten Vorträge vor Schülern und Studenten. Kritiker werfen der Organisation Heuchelei vor. Nach Angaben des Zentrums für Konsumentenfreiheit hat Peta USA zwischen 1998 und 2005 ausgesetzte Haustiere töten lassen – offenbar um Geld für deren Ernährung zu sparen. Während Peta von Einzelfällen spricht, berichten Kritiker von rund 14. 000 getöteten Tieren.

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