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Polizei legt maroden Reisebus auf A 7 still

Massive technische Mängel Polizei legt maroden Reisebus auf A 7 still

Von Hamburg bis Lloret de Mar sind es 1760 Kilometer. Weit sind die 35 Jugendlichen also nicht gekommen, als sie vergangenen Freitag in Göttingen strandeten. Statt vor dem Hotel an der Costa Brava wurden sie vorerst bei McDonald's, Burger King und Co. in Grone entlassen. Die Polizei hatte ihren Doppeldeckerbus wegen massiver technischer Mängel aus dem Verkehr gezogen.

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Reparatur am Straßenrand: Der in Göttingen gestrandete Reisebus-Doppeldecker wird vom Chef repariert.

Quelle: Jürgen Gückel

Göttingen. Am Dienstagmorgen steht der beanstandete Reisebus noch immer vor MAN im Groner Industriegebiet. Davor mit ölverschmierten Armen Fahrer und Beifahrer des kleinen Busunternehmens aus Bad Segeberg (Schleswig-Holstein). Der Chef hadert mit seinem Schicksal, denn die Sache wird teuer. Er wird jetzt nicht nur die Reparatur bezahlen müssen, sondern auch die Kosten für den Ersatzbus und die Entschädigung der Reisenden. Eine Versicherung gibt es für solche Pannen-Folgen nicht.

Bei der Bahn und auf jedem Flughafen, schimpft er, seien Verspätungen wegen technischer Defekte normal. Das nehme jeder hin – ohne oder mit minimaler Entschädigung. Wenn aber ein kleiner Busunternehmer eine Panne habe, könne das existenzbedrohende Folgen haben. Richtig sauer ist er auf den Fahrzeughersteller, dessen Notdienst nicht einmal einfachste Ersatzteile auf Lager habe. Am Freitag habe man nicht helfen können. Erst am Dienstag waren Ersatzteile da.

Sein Pech: Er war schon auf dem Weg zur Werkstatt, als ihn die Autobahnpolizei gegen 14 Uhr bei Göttingen stoppte. Den Beamten war aufgefallen, dass der nur langsam fahrende Bus hinten rechts merkwürdige Geräusche machte. Ein Dekra-Sachverständiger stellte später fest: mehrere Radbolzen der hinteren Antriebsachse waren locker oder fehlten ganz. Weil die losen Bolzen an der Nabe gerissen hatten, waren die Verschraubungen schon zu Langlöchern ausgefranst. Außerdem war ein Lenkungsdämpfer verschlissen, ein Spurstangengelenk war beschädigt.

Die Polizei untersagte dem 58 Jahre alten Firmeninhaber und seinem 38-jährigen Beifahrer die Weiterfahrt. Nicht einmal zur Werkstatt durften sie weiterfahren. Die Tüv-Plakette wurde von einem Dekra-Mitarbeiter wegen der massiven Sicherheitsmängel noch vor Ort entfernt. Dabei, so der 58-Jährige, sei sein Bus noch am Montag vergangener Woche durch den Tüv gekommen.

Die 35 Jugendlichen aus Hamburg und Hannover – weitere aus Göttingen hätten hier zusteigen sollen –, vertrieben sich unterdessen in den Schnellimbissen rund um den Kaufpark die Zeit, ehe in der Nacht zu Sonnabend der Ersatzbus vorfuhr und die restlichen 1600 Kilometer Richtung Spanien unter die Räder nahm.

Radbolzen fehlen

Nicht genügend fest gezogene, wackelnde oder gar fehlende Radbolzen können zu Beschädigungen an der Radnabe, an der die Felge befestigt ist, führen. Das erklärt ein Bus-Sachverständiger. Das Rad kann während der Fahrt abspringen. Unfälle in denen das Rad ins Businnere oder in den fließenden Verkehr springt und Unfälle auslöst, sind bekannt. Der Bus selbst kann sich querstellen. Da die Festigkeit der Radbolzen bei einer Tüv-Abnahme nicht geprüft wird, ist die Kontrolle Aufgabe des Fahrers.

Großzügig entschädigt

Dem Reiseveranstalter, Rainbow-Tours aus Hamburg, ist die Panne eines angemieteten Reisebusses peinlich. Die Reisenden seien noch vor Ort großzügig entschädigt worden. Jeder Gast habe 50 Euro erhalten, damit er sich in Göttingen verpflegen konnte. Die Gruppe sei zudem von Reisebegleitern betreut worden.

Weil die Fahrt erst gegen 21 Uhr mit einem Ersatzbus fortgesetzt wurde, das Ersatzfahrzeug aber nicht alle Gepäckstücke mitnehmen konnte, sei das Gepäck teilweise nachgeliefert worden und Sonntagnacht angekommen. Auch für „den verfallenen Urlaubstag“ sollen die Gäste entschädigt werden. Bei den Kunden habe man sich schriftlich entschuldigt und auch die Eltern über die Panne informiert.

Im Gespräch mit dem Tageblatt verriet Rainbow-Tours-Sprecherin Anika Dannenberg: „Die Jugendlichen haben zwar eine Nacht zum Feiern verloren, nehmen solche Pannen aber gelassen. Anders ist das mit den Eltern, die sich naturgemäß sorgen. Deshalb informieren wir sie in solchen Fällen sofort.“

Jürgen Gückel

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