Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Der Mann, der angeblich schon tot ist

Begegnung mit Tom Hanks Der Mann, der angeblich schon tot ist

Im Internet wurde er neulich für tot erklärt. Aber Tom Hanks lebt. Bald wird er 60 und ist richtig gut drauf. Mit Stefan Stosch sprach Hanks über Gerüchte, seinen angeblichen Umzug nach Berlin und seinen neuen Film "Ein Hologramm für den König".

Voriger Artikel
Ermittlungen im Fall Fabian eingestellt
Nächster Artikel
"Die Toten Hosen" trauern um Wölli

"Machen Sie sich mal keine Sorgen um Amerika: Wir hatten schon viele Idioten im Weißen Haus, und Amerika ging es trotzdem gut": Tom Hanks.

Quelle: Jörg Carstensen/dpa

Berlin. Verkniffenes Lächeln? Spröder Auftritt? Gar ein Anflug von Spießigkeit? Nichts von alledem: Tom Hanks stürmt ins Berliner Hotelzimmer und legt los wie ein Stand-up-Comedian, der süchtig ist nach Applaus. Hier will einer für gute Stimmung sorgen – und macht nebenbei klar: Er ist keineswegs so ein biederer Typ, wie er sie immer wieder brillant auf der Leinwand verkörpert.

Hanks, der im Juli 60 wird, ist einer der letzten Erfolgsgaranten Hollywoods. Als aidskranker Anwalt in "Philadelphia" (1993) gewann er den ersten Oscar, als Dauerläufer durch die US-Geschichte in  "Forrest Gump" (1994) den zweiten. In Umfragen ist er stets Publikumsliebling Nummer eins. Vermutlich könnte er sich sofort als Präsidentschaftskandidat aufstellen lassen und würde ad hoc all die überdrehten Politprofis abhängen.

Hanks dementiert Umzug nach Berlin

Keine Frage, Hanks spielt in seiner eigenen Liga: Er lästert lustvoll über die 3-D-Abzocke der Filmstudios ("So viel besser ist 'Avatar' in 3-D auch nicht") oder überhaupt über die Zumutungen der digitalen Welt. Wie soll jemand auch darauf reagieren, wenn das Internet vermeldet, er sei ums Leben gekommen, wie jüngst geschehen?

"Ach tatsächlich? Wie bin ich denn gestorben? Habe ich mich zu Tode geschämt? Oder nein, warten Sie: Diabetes Typ 2 hat mich umgebracht, richtig?" Und was ist an der Geschichte dran, dass er sich in Berlin – wo er gern dreht, jüngst den Spielberg-Film "Bridge of Spies" – eine Wohnung zulegen will? "Berlin ist jeden Aufenthalt wert, aber da würden meine Frau Rita und meine Kinder wohl kaum mitspielen."

Darum geht es in seinem neuen Film

Die PR-Eskapaden um seine Person nimmt Hanks gelassen, seine Filme dagegen ernst. Er ist auf Werbetour für "Ein Hologramm für den König" (Kinostart: übermorgen), den zweiten Film nach "Cloud Atlas" (2012), den er mit dem Berliner Regisseur Tom Tykwer unter anderem im Studio Babelsberg gedreht hat.

In der Verfilmung des Dave-Eggers-Romans spielt er einen US-Geschäftsmann, den es nach bösem Karriereknick in die saudi-arabische Wüste verschlagen hat. "Klar ist das eine Geschichte über den ökonomischen Niedergang Amerikas, aber das Besondere ist, dass der Geschäftsmann diesen mitbetrieben hat. Der Mann ist kein Opfer."

Die Stereotypen der Amerikaner

Ohne erkennbare Scheu vor Fallstricken begibt sich Hanks nun auf politisches Terrain. Er macht sich lustig über die stereotypen Ansichten seiner Landsleute, die seinen Worten zufolge in der arabischen Welt entweder immer noch den kamelreitenden Lawrence von Arabien, an jeder Ecke Ölmillionäre oder alternativ Terroristen vermuten.

Religiösen Fundamentalismus kann er weder unter Muslimen noch unter Christen leiden. Und er hat Parallelen registriert: "In Saudi-Arabien übernehmen Filipinos die schlecht bezahlten Jobs, bei uns die Mexikaner."

Das denkt Hanks über Donald Trump

Offenbar zählt Hanks zu jenen Amerikanern, die mit Distanz auf die teils absonderlich anmutenden Zustände im eigenen Land blicken. Da müsste ihm doch bei einem möglichen US-Präsidenten Donald Trump angst und bange werden. Oder etwa nicht? "Machen Sie sich mal keine Sorgen: Wir hatten schon viele Idioten im Weißen Haus, und Amerika ging es trotzdem gut", sagt Hanks.

"Gerade ist ein ziemlich wilder Politzirkus in der Stadt. Der Trapezkünstler ist durchs Netz gerutscht, der Bär ist entwischt. Aber Sie können sicher sein: Im November verlässt der Zirkus die Stadt und jeder macht so weiter wie bisher. Manche Dinge werden erledigt, andere nicht."

Ein bekennender Demokrat

Also wird Hillary Clinton ins Oval Office einziehen? Da spielt Hanks, bekennender Anhänger der Demokratischen Partei, einen Personalchef, der im Namen des Volkes die Bewerbungsschreiben der Kandidaten begutachtet.

Keinen Zweifel lässt er daran, dass nur eine Person genügend Erfahrung für den Job mitbringt. Festlegen aber mag er sich nicht, lieber lästert er gegen deutsche Journalisten, die ihn zu politischen Statements verleiten wollen.

Spielt in diesem Moment etwa doch ein verkniffenes Tom-Hanks-Lächeln um seine Mundwinkel? Nein, eher ein breites Grinsen. Er ist auch jenseits der Leinwand ein echter Showman.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Panorama
Familiendrama mit sechs Toten in Österreich

Ein Familiendrama erschüttert Österreich. Eine Frau soll mehrere Angehörige erschossen haben.