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Protest gegen Hähnchenställe und Schlachthof wird zum Alltag Windhorst: „Landwirte, seid 
vorsichtig!“

Nachgefragt

Windhorst: „Landwirte, seid 
vorsichtig!“

Vor etwa vier Jahren riet Prof. Hans-Wilhelm Windhorst dem Geflügelproduzenten Rothkötter zum Schlachthof in Wietze. Heute sieht er den Neubau kritisch. HAZ-Redakteurin Gabriele Schulte sprach mit dem Geflügelexperte von der Universität Vechta.

Prof. Hans-Wilhelm Windhorst

Prof. Hans-Wilhelm Windhorst

© HAZ

Sie haben dem Geflügelproduzenten Rothkötter zu einem weiteren Schlachthof geraten. Inzwischen sehen Sie den Neubau in Wietze kritisch.
Die Beratung liegt drei, vier Jahre zurück. Für Rothkötter ist ein zweiter Standort aber immer noch sinnvoll, vor allem im Seuchenfall, wenn die Ställe im Emsland gesperrt werden. Er hat auch recht, dass es einen Zusatzbedarf an Hähnchenfleisch gibt. Da aber Wiesenhof und die übrige Konkurrenz ebenfalls umfangreiche Investitionen angekündigt haben und ihrerseits auch neue Mäster anwerben, wird bald weit über den deutschen und den EU-Bedarf hinaus produziert werden.

Das niedersächsische Landwirtschafts­ministerium spricht vom Bedarf auf dem Weltmarkt.
Wenn wir da über den Preis mit den Amerikanern, Brasilianern und Thailändern konkurrieren müssen, kann das zu ruinösen Bedingungen führen. Viele Landwirte, die im Moment mit guten Gewinnen rechnen, werden in wirtschaftliche Schieflagen geraten und das nicht überstehen. Die bittere Erfahrung, wie Preissenkungen an die Mäster weitergegeben werden, haben in den letzten Jahren schon die dänischen Schweinemäster machen müssen, den deutschen Mastbetrieben steht das noch bevor. Ich habe lange mit mir gerungen, aber jetzt sage ich: Landwirte, seid vorsichtig mit den Investitionen! Die Wissenschaft ist schließlich auch dazu da, Gefahren aufzuzeigen. Keiner soll hinterher sagen können, er habe es nicht gewusst. Gerade Neulinge, die im Moment vielleicht Kartoffeln oder Getreide anbauen und keine Erfahrung mit Tieren haben, sollten sich die Investition von 500 000 Euro pro Stall sehr gut überlegen.

Im Emsland sind schon Geflügelmäster auf Legehennen umgestiegen.
Ja, das war im Frühjahr, als die Eierpreise stark angestiegen waren und mit den Legehennen vorübergehend guter Profit erzielt werden konnte. Statt zehn bis zwölf Cent wie im März bekommt der Erzeuger pro Ei mittlerweile aber wieder höchstens sechs. So kurzlebig sind in der Landwirtschaft die Gewinnerwartungen. Das wird mit Geflügelfleisch genauso sein.

Ist in der traditionellen Geflügelmast­region im Nordwesten die Grenze des Stallwachstums erreicht?
Der Landkreis Emsland hat tatsächlich alle Großprojekte erst einmal angehalten. Bürger dort hatten auf eine Brandschutzbestimmung im niedersächsischen Baugesetz hingewiesen. Im Fall eines Brandes müssen demnach Menschen und Tiere gerettet werden können. Wo wie im Emsland fünf, sechs Ställe mit zigtausend Tieren dicht nebeneinander stehen, ist das aber schwer möglich. Das wird für die Genehmigungspraxis bei den Geflügelmastställen weitreichende Folgen haben.

Interview: Gabriele Schulte

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