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Liebestolle Seniorin belästigt Pfarrer

Stalking-Prozess geht in die zweite Runde Liebestolle Seniorin belästigt Pfarrer

Seit gut 14 Jahren geht der Liebes-Terror nun schon, seither stellt eine 72-Jährige einem katholischen Geistlichen nach. Auch Verfügungen und Urteile konnten sie nicht stoppen. Nun muss wieder ein Gericht entscheiden, ob die Frau ins Gefängnis oder der Pfarrer weiter leiden muss.

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Die 72-Jährige Angeklagte hat es seit Jahren auf den Pfarrer abgesehen - selbst ein Gericht konnte ihren Liebes-Terror bislang nicht stoppen.

Quelle: Jörg Taron/dpa

Meschede. Es könnte der Stoff für einen Spielfilm sein. Seit Jahren wird ein katholischer Pfarrer aus Meschede im Sauerland von einer Seniorin verfolgt und sexuell belästigt. Die Frau sagt, sie liebe den Pastor. Weil Kontaktverbote und eine Therapie die mutmaßlich liebestolle Seniorin nicht zurückhalten konnten, landet die tragische Geschichte immer wieder vor Gericht.

Das Amtsgericht in Meschede verurteilte die 72-Jährige im März 2014 zu 14 Monaten Haft. Doch das war der Staatsanwaltschaft angesichts des massiven Stalkings zu wenig. Die Verteidigung hingegen will einen Freispruch, weil die Frau nicht liebestoll, sondern liebeskrank und damit schuldunfähig sei. Am Donnerstag (10. Dezember) treffen sich Pastor und Seniorin wieder - vor der Berufungskammer des Landgerichts Arnsberg.

Mit Reizwäsche im Pfarrgarten

Am Pfarrhaus im Mescheder Ortsteil Freienohl spielen sich seit nunmehr 14 Jahren immer wieder skurrile Szenen ab. Mittlerweile sei sie ruhiger geworden, sagt Pastor Michael Hammerschmidt über seinen Schatten. "Aber es passiert fast täglich etwas", sagt er. Anfangs sei die Frau mit Reizwäsche bekleidet durch den Garten des Pfarrhauses gesprungen. "Das macht sie jetzt nicht mehr", sagt Hammerschmidt. Sie werde ja zum Glück älter. Doch immer noch werde Hammerschmidt mit SMS, Anrufen oder meist anzüglichen Geschenken oder Liebesbriefen belästigt. "Das wandert sofort in die Tonne", sagt er.

Pfarrer Michael Hammerschmidt steht in Meschede-Freienohl (Nordrhein-Westfalen) im Garten des Pfarrhauses. Dort spielen sich zuweilen ziemlich obszöne Szenen ab. Seit nunmehr 14 Jahren wird der Geistliche von einer Frau verfolgt. "Beinahe jeden Tag", so Hammerschmidt, passiere etwas.

Quelle: Jörg Taron/dpa

Über die Nachstellungen und Kontaktversuche oder die Dekorationen seines Vorgartens führt der Pastor seit Jahren Buch. "Ich muss das ja dokumentieren, um etwas unternehmen zu können", sagt er. Früher meldete er zum Teil jeden Vorfall einzeln. Nun erstattet er zumindest einmal im Monat Anzeige. Das bestätigt auch die Kreispolizei in Meschede. "Da ist eigentlich immer wieder etwas", sagt eine Sprecherin. Machen könne die Polizei aber auch nichts.

Schuldunfähigkeit wird geprüft

Mehrfach hatte Hammerschmidt gedacht, dass der Spuk nun ein Ende habe, weil das Telefon stillblieb und auch der Weg zum Pfarrhaus nicht mit Blumen, Liebesbriefen oder Phallus-Symbolen geschmückt war. Doch immer wieder wurde diese Hoffnung enttäuscht. Nur in den Wochen und Monaten, in denen die 72-Jährige in therapeutischer Behandlung oder im Krankenhaus war, habe Hammerschmidt durchatmen können.

Daran, seine Pfarre aufzugeben und zu flüchten, habe er nie gedacht, sagt Hammerschmidt. "Ich glaube, das würde auch nichts bringen, die verfolgt mich." Vor Gericht geht es auch diesmal nicht um die Nachstellungen, denn diese gibt die Frau unumwunden zu. Vielmehr muss das Gericht mit Hilfe eines Gutachters prüfen, ob die Seniorin krank und damit schuldunfähig ist. Oder ob sie wirklich ins Gefängnis muss.

Von Jörg Taron, dpa

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