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Prozessauftakt im Fall um Tod auf der Teststrecke

Gerichtsprozess Prozessauftakt im Fall um Tod auf der Teststrecke

Ein junger Student reißt bei einer Autokollision mit Tempo 200 einen anderen Menschen in den Tod. Bei der Verhandlung am Amtsgericht Papenburg wird auch die Frage erörtert, ob der Arbeitgeber des Mannes, der Daimler-Konzern, Mitschuld trägt.

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Prozessauftakt um Tod auf Teststrecke. Ein Sachverständiger zeigt die Strecke vor Gericht.

Quelle: dpa

Papenburg. Es ist ein Moment der Unachtsamkeit, der am 21. September 2010 auf der ATP-Teststrecke in Papenburg zu einem tragischen Unglück führt. Bei einer Geschwindigkeit von etwas mehr als 200 Stundenkilometern rast ein zwei Tonnen schwerer Geländewagen auf ein Cabriolet. Beide Autos geraten ins Schleudern. Der Fahrer des Cabrios, ein 27 Jahre alter Entwicklungsingenieur aus der Nähe von Stuttgart, stirbt. Sein Beifahrer erleidet schwere Verletzungen. Den Unfallverursacher, einen 25-jährigen Studenten, hat das Amtsgericht Papenburg am Dienstag wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung verwarnt.

„Ich habe kein Auto wahrgenommen“, sagte der junge Mann während des Prozesses. Zum Unglückszeitpunkt war er in der dritten Woche seines Praktikums, das der Student bei Daimler absolvierte. Am Tag darauf sollte er Tests mit der Antischleudervorrichtung ESP an dem Geländewagen vornehmen. Weil ihm die Erfahrung fehlte, habe er die Testfahrt am Vorabend noch einmal üben wollen. Für den Versuch musste er den Wagen mit exakt 200 Kilometern in der Stunde über den Kurs steuern und dabei auch durch eine Steilkurve fahren.

„Ich habe mit solchen Geschwindigkeiten keine Erfahrung“, betonte der junge Mann. Er sei zwar während des Praktikums schon zuvor auf zwei Teststrecken gefahren und habe ein Auto des Typs 660 Kilometer von Stuttgart ins Emsland nach Papenburg gesteuert. Schneller als 140 sei er aber nie unterwegs gewesen.

Kurz vor dem tödlichen Aufprall, bei der Ausfahrt aus der Steilkurve, bediente er den Steuerhebel des Tempomaten und des Geschwindigkeitsbegrenzers des Wagens. Er habe das Auto auch mit Hilfe eines GPS-Kontrollsystems auf exakt 200 Stundenkilometer bringen wollen, sagte er. In dem Moment kam es zum Knall.

Die Eltern des Opfers nahmen als Nebenkläger an dem Prozess teil und stellten immer wieder die Frage, ob Daimler eine Mitschuld an dem Unfall trage. Klar ist: Der Praktikant hatte zum Unglückszeitpunkt noch keine spezielle Ausbildung für Testfahrten erhalten. Diese sei eigentlich vorgeschrieben, es habe aber kurz vor Beginn des Praktikums keine freien Schulungstermine mehr gegeben, berichtete der zuständige Teamleiter aus der Daimler-Entwicklungsabteilung. Er stellte den Praktikanten ein. Dank einer Ausnahmegenehmigung durfte der Student dann doch ans Steuer des Testautos.

Das Fahrmanöver sei nicht schwierig gewesen, sagte der Teamleiter. „Man muss dabei nur geradeaus fahren.“ Er könne sich nicht vorstellen, dass man durch die Bedienung des Tempomaten für mehrere Sekunden abgelenkt werde.

Letztlich sehen es auch die Staatsanwaltschaft und der Anwalt der Nebenklage so. „Es war ein Augenblicksversagen, eine Unachtsamkeit von ein paar Sekunden“. Es sei durchaus denkbar, dass auch einem erfahrenen Testfahrer ein solcher Fehler unterlaufen könne. Die Schulungsinhalte für den Sonderführerschein - ein Erste-Hilfe-Kurs und eine Art Fahrsicherheitstraining - hätten das Unglück nicht verhindern können, betonte der Oberstaatsanwalt.

dpa

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