Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Prinzessin Cristina vor Gericht

Prozessauftakt in Spanien Prinzessin Cristina vor Gericht

Erstmals in der Geschichte der spanischen Monarchie steht eine nahe Verwandte des Königs als Angeklagte vor Gericht. In dem historischen Prozess in Palma de Mallorca wird die 50-jährige Infantin Cristina, die Schwester von König Felipe VI., Beihilfe zum Steuerbetrug vorgeworfen.

Voriger Artikel
Die schönsten Kleider und die Gewinner
Nächster Artikel
Urlauberinnen sterben bei Wanderung

Infantin Cristina mit Ehemann Iñaki Urdangarin beim Prozessauftakt in Palma de Mallorca.

Quelle: Cati Cladera/dpa

Palma de Mallorca. Im ersten Prozess gegen ein Mitglied der spanischen Königsfamilie ist am Montag die Infantin Cristina vor Gericht erschienen. Zu Beginn des Prozesses in Palma de Mallorca forderte die Verteidigung, das Verfahren einzustellen. Der Schwester von König Felipe VI. wird Beihilfe zum Steuerbetrug in einer Finanzaffäre ihres Mannes Iñaki Urdangarin vorgeworfen. Auch Urdangarin und 16 weitere Angeklagte müssen sich verantworten.

"Keine Privilegien für die Prinzessin"

Die Ermittlungen in dem Fall dauern seit dem Jahr 2010 an. Die Staatsanwaltschaft forderte von der Infantin die Zahlung von Schadenersatz, wollte aber kein Verfahren gegen sie eröffnen. Der Ermittlungsrichter José Castro ließ aber eine Klage der Anti-Korruptionsgruppe Manos Limpias (Saubere Hände) zu.

Die Verteidigung von Cristina stellte beim Prozessauftakt den Antrag, die Anklage gegen die Schwester des Königs zurückzuziehen. Sie begründete dies damit, dass die Anklageerhebung weder von der Staatsanwaltschaft noch von den Steuerbehörden als angeblichen Geschädigten unterstützt werde. Dem widersprach die Anwältin von Manos Limpias, Virginia López Negrete. Nach der spanischen Verfassung seien alle Bürger vor Gericht gleich, und Cristina von Spanien dürfe als Tochter des einstigen Königs Juan Carlos keine Privilegien genießen.

Millionen Euro wurden veruntreut

Der Infantin wird zur Last gelegt, Gelder aus illegalen Geschäften ihres Ehemanns nicht deklariert zu haben. Urdangarin soll zusammen mit einem ehemaligen Geschäftspartner 6 Millionen Euro für die Wohltätigkeitsorganisation Nóos veruntreut haben, deren Vorsitzender er war. Die Gelder sollen die Angeklagten über Strohfirmen in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Die bekannteste der Firmen, Aizoon, gehörten Cristina und ihrem Mann gemeinsam.

Die vierfache Mutter beteuert jedoch, nichts von den mutmaßlichen Machenschaften gewusst und in finanziellen Dingen vollkommen ihrem Mann vertraut zu haben. Der einstige Handballnationalspieler muss sich in dem Prozess unter anderem wegen Untreue, Steuerhinterziehung, Betrugs und Geldwäsche verantworten. Cristina droht im Fall ihrer Verurteilung eine Strafe von acht Jahren Haft, ihr 47-jähriger Ehemann könnte zu einer Haftstrafe von bis zu 19 Jahren verurteilt werden. Der Prozess ist auf sechs Monate angesetzt.

Seit der Aufdeckung des Skandals spielen Cristina und ihr Mann keine öffentliche Rolle mehr. Sie verloren ihre Titel als Herzog und Herzogin von Palma, leben nicht mehr in Spanien und blieben sogar der Krönung Felipes im Jahr 2014 fern. 

dpa/afp

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Panorama
Familiendrama mit sechs Toten in Österreich

Ein Familiendrama erschüttert Österreich. Eine Frau soll mehrere Angehörige erschossen haben.