Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Schüler muss Prügelopfer 120.000 Euro zahlen

Gerichtsurteil in München Schüler muss Prügelopfer 120.000 Euro zahlen

Auf Klassenfahrt in München schlägt eine Schülergruppe einen Geschäftsmann nieder. Völlig grundlos, aber mit schweren Folgen: Das Opfer leidet noch heute. Der Haupttäter muss dafür wohl ein Leben lang zahlen.

Voriger Artikel
Streit um Knöllchen: Polizist bricht Frau die Nase
Nächster Artikel
Bolivien erkennt Transsexuelle offiziell an

Eine brutale Prügelei kommt einem jungen Schläger teuer zu stehen: Das Oberlandesgericht München hat den Beklagten nun zu 120.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt.

Quelle: dpa (Symbolbild)

München. Ein junger Schweizer muss dem Opfer eines brutalen Angriffs 120.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Als 17-jähriger Schüler hatte er den Passanten während einer Klassenfahrt in München zusammengeschlagen. Das Münchner Oberlandesgericht verpflichtete den Schläger am Dienstag zudem, mögliche künftige Schäden zu begleichen.

Drei Operationen zur Wiederherstellung des Gesichts

Der schwer verletzte Geschäftsmann aus Ratingen in Nordrhein-Westfalen hatte 250.000 Euro gefordert. Der Fall hatte im Sommer 2009 bundesweit Aufsehen erregt. Drei Mitglieder einer Schweizer Schülergruppe auf Klassenreise griffen den Mann in der Münchner Innenstadt grundlos an und zertrampelten ihm das Gesicht. Dessen linke Hälfte wurde deformiert. Die Folge waren drei Operationen zur Wiederherstellung des Gesichts.

Zudem setzten Ärzte ein dauerhaftes Implantat am linken Ohr ein und führten mehrere Zahnkorrekturen durch. Trotz ärztlicher Kunst blieb eine leichte Schwerhörigkeit zurück. Der heute 53-Jährige leidet an Störungen des Nervensystems und der Wahrnehmungsfähigkeit.

Den Haupttäter hatte das Münchner Landgericht wegen versuchten Mordes zu sieben Jahren Jugendstrafe verurteilt, die er zu zwei Dritteln verbüßte. In der Berufungsverhandlung des Entschädigungsverfahrens war er der einzige Beklagte. Mit einem der Mittäter hatte der Versicherungskaufmann sich auf Zahlung einer fünfstelligen Summe geeinigt. Der Haupttäter lehnte einen Vergleich ab.

Gericht: Große Brutalität der Tat rechtfertigt hohe Summe

Die geforderten 250.000 Euro schienen dem Berufungsgericht aber unrealistisch, wie die Vorsitzende Richterin schon in der mündlichen Verhandlung zu erkennen gegeben hatte. Ein Schmerzensgeld von 120.000 Euro sei "erforderlich, aber auch ausreichend", heißt es in der Urteilsbegründung. "Schmerzensgelderhöhend" habe sich insbesondere ausgewirkt, dass der Kläger "ohne jeden Anlass hinterrücks überfallen" wurde und die Täter dem wehrlos am Boden liegenden Opfer "mit überaus große Brutalität" schwerste Verletzungen zufügten.

In der vorherigen Instanz hatte das Landgericht dem Kläger lediglich 80.000 Euro zugebilligt. Laut Berufungsurteil war dieses Schmerzensgeld "im Hinblick auf die Brutalität der Tat und die Schwere der erlittenen Verletzungen deutlich zu gering". Revision gegen das neue Urteil wurde nicht zugelassen (Az.: 18 U 3489/15).

dpa/RND

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Panorama
Familiendrama mit sechs Toten in Österreich

Ein Familiendrama erschüttert Österreich. Eine Frau soll mehrere Angehörige erschossen haben.