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Weltgrößte Menschen probieren Schuhe an

Rekord-Riesen im Münsterland Weltgrößte Menschen probieren Schuhe an

Was für eine Anprobe: Mit 2,32 Metern Körpergröße ist Abdramane Dembele sehr groß. Sein Freund Brahim Takioullah misst noch einmal 14 Zentimeter mehr, am allergrößten ist Sultan Kösen mit 2,51 Metern. Für ihre XXL-Füße bekommen sie ihre Schuhe im Münsterland.

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Größe 60: Sultan Kösen betrachtet seinen neuen Schuh.

Quelle: Friso Gentsch / dpa

Vreden. Georg Wessels hat weltgrößten Besuch. Die drei Männer, die den Kopf unter dem Türrahmen tief einziehen müssen, um sein Ladenlokal zu betreten, messen weit über zwei Meter und gehören damit zu den Größten der Welt. Nach Vreden an die holländische Grenze sind sie gereist, weil Schuhhändler Wessels ihnen passendes Schuhwerk gefertigt hat. Endlich.

Im Blitzlichtgewitter lässt sich kurz vergessen, dass das Leben als Riese nicht immer einfach ist. Das fängt bei den Schuhen an: "Es ist das allererste Mal, dass ich Schuhe trage, die mir keine Schmerzen zufügen", sagt Abdramane Dembele. Der Mann von der Elfenbeinküste misst 2,32 Meter - und ist damit der kleinste der drei Riesengäste. Angereist aus Paris ist auch Dembeles Freund und Kollege: Der Marokkaner Brahim Takioullah ist laut Guinness Buch der Rekorde mit 2,46 Metern die Nummer zwei in Sachen Körpergröße.

Auf den ersten Blick könnten sie unterschiedlicher kaum sein, dennoch haben Sultan Kösen und Chandra Bahadur Dang zweierlei gemeinsam - sie werden ständig angestarrt und stehen mit 2,51 Meter und 54,6 Zentimetern Körperlänge im Guinnes Buch. Alltagsszenen aus dem Leben des größten und kleinsten Menschen der Welt.

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Ein Tumor ließ sie immer weiter wachsen

In den Schatten gestellt werden sie aber vom Rekordhalter: Sultan Kösen überragt Takioullah um fünf Zentimeter. Sie alle leiden an Riesenwuchs: Ein Tumor an der Hirnanhangdrüse ließe sie immer weiter wachsen, sofern sie nicht behandelt würden. Im Alltag ecken sie überall an, wie sie berichten. Sie haben zu wenig Platz im Flieger, passen nicht aufrecht in die Straßenbahn. Kleidung gibt es nur als Maßanfertigung. "Sogar Häuser sind zu klein", sagt Takioullah.

An die Blicke fremder Menschen und die Hänseleien haben sie sich alle gewöhnen müssen. "Erst jetzt akzeptiere ich mein Leben als Riese", sagt der 30-jährige Dembele. In Europa wird er medizinisch behandelt, kann seine Geschichte erzählen, hat einen Job als Unterhalter in einem Freizeitpark gefunden. Auch Takioullah und Kösen wollen ihren Rekord nicht mehr missen, obwohl sie sich lange versteckt hielten: Mit dem Rekordstatus treten sie auf, werden von Managern ob ihrer Größe vermarktet.

Besonders empfindliche Füße

Immerhin: Mit den Schuhen aus Vreden im Münsterland soll der oft mühsame Gang nun etwas einfacher werden. In seinem Familienbetrieb hat Georg Wessels (63) es sich seit mehr als 30 Jahren zur Aufgabe gemacht, Riesenwüchsige mit Schuhen auszustatten. Kostenlos, wenn sie es sich nicht leisten können. Dabei helfe es, etwas über das Krankheitsbild der Riesen mit ihren empfindlichen Füßen zu wissen: Viele Erkrankte leiden an Diabetes, jede Druckstelle am Fuß kann zur tödlichen Entzündung werden.

Auch Kösen, den Wessels schon seit Jahren ausstattet, hatte ohne passendes Schuhwerk lange gelitten: "Er stand kurz davor, dass man ihm den Vorderfuß amputieren musste". Der riesige Türke kennt inzwischen den Komfort der Vredener Schuhe, kommt immer wieder gerne zu Besuch. "Georg ist wie ein Vater für mich", sagt er und tätschelt mit seiner riesigen Pranke die Schulter des Schuhändlers. Das Geheimnis der Riesen-Schuhe: "Die Schuhe müssen beides sein - weich für die empfindlichen Füße und stabil und strapazierfähig für die großen Lasten", sagt Wessels.

Gefangen im eigenen Körper

Über 500 Paar haben die Schuhmacher aus Vreden in den vergangenen Jahrzehnten an bedürftige Riesenwüchsige verschenkt. Mit der Großherzigkeit haben sie sich international einen Namen gemacht. Dass ihn aber das Mitgefühl treibe, daran lässt Inhaber Georg Wessels keinen Zweifel. In vielen Freundschaften habe er inzwischen hinter die Fassade blicken können: "Sie sind gefangen im eigenen Körper." In seinem Laden für die Reporter zu posieren, sei auch ihre Art ihm Danke zu sagen. "Wahrscheinlich würden sie sich lieber irgendwo verkriechen", sagt Wessels nachdenklich.

Von Florentine Dame (dpa)

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