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Mann stirbt nach Medikamententest

Klinische Tests gehen weiter Mann stirbt nach Medikamententest

Am Freitag wurde ein Mann in Frankreich nach einem Medikamententest für hirntot erklärt. Nun ist der Versuchsteilnehmer gestorben. Die französische Gesundheitsministerin Marisol Touraine will dennoch an klinischen Studien festhalten.

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Der Tod eines Versuchsteilnehmers bei einem Medikamententest ist für die französische Regierung kein Grund für einen Stopp klinischer Erprobungen. (Symbolbild)

Quelle: Matthias Hiekel/ dpa

Rennes. Der Mann sei am Sonntag gestorben, teilte das Universitätsklinikum von Rennes mit, ohne nähere Details zu nennen. Der Zustand der weiteren Versuchsteilnehmer sei unverändert. Vier von ihnen haben nach früheren Angaben neurologische Beschwerden. Touraine bezeichnete den Zustand der Patienten am Montag als "stabil".

Der Tod des Versuchsteilnehmers ist für die französische Regierung kein Grund für einen Stopp klinischer Erprobungen. "Es gibt ein großes, massives Problem, das beispiellos ist in Frankreich", sagte Gesundheitsministerin Marisol Touraine am Montag dem französischen Sender RTL, "wir müssen verstehen, was passiert ist, aber es gibt keinen Grund, sämtliche klinischen Tests zu unterbrechen." Touraine kritisierte zugleich einen aus ihrer Sicht zu späten Alarm durch das Labor, in dem das Medikament an gesunden Freiwilligen getestet wurde. "Angesichts eines so schweren Falles wurde vom Labor erwartet, sich schneller an die Gesundheitsbehörden zu wenden." Den Opfern sicherte Touraine Unterstützung durch Staat, Labor und Versicherungen zu.

Genaue Ursachenforschung beginnt

Am Freitag war bekanntgeworden, dass sechs Versuchsteilnehmer im Alter zwischen 28 und 49 Jahren ins Krankenhaus mussten und einer von ihnen für hirntot erklärt wurde. Ein Mensch ist hirntot, wenn die Gesamtfunktion des Groß- und Kleinhirns und des Hirnstammes irreversibel, das heißt unwiederbringlich, erloschen ist.

Die französischen Gesundheitsbehörden und die Justiz begannen mit der genauen Ursachenforschung. Mitarbeiter der Aufsichtsbehörde IGAS, der für Medikamentensicherheit zuständigen Behörde ANSM und der Polizei durchsuchten das Labor der Firma Biotrial in Rennes und befragten Mitarbeiter. Biotrial hatte den nun abgebrochenen Test durchgeführt.

90 Menschen erhielten den Wirkstoff

Die Polizei habe Material und die betroffenen Medikamente sichergestellt, sagte Biotrial-Generaldirektor François Peaucelle nach Angaben der Regionalzeitung "Ouest-France" am Samstag. Insgesamt hatten seit vergangenem Juli 90 Menschen den Wirkstoff des portugiesischen Herstellers Bial bekommen.

Die Ursache für die Vorfälle sind noch unklar. Peaucelle sprach von "unvorhersehbaren, ungeklärten und unerklärlichen Ereignissen".

Der Wirkstoff des Medikaments soll der französischen Gesundheitsministerin zufolge auf Stimmungsschwankungen und Angstgefühle sowie auf motorische Störungen bei neurodegenerativen Erkrankungen abzielen. Neurodegenerative Erkrankungen sind meist langsam fortschreitende Erkrankungen des Nervensystems, bei denen immer mehr Nervenzellen verloren gehen - so etwa bei Parkinson. Der Hersteller selbst sprach von einem Wirkstoff im "Schmerzbereich".

Umfangreiche Medikamententests

Die Inspektoren wollen nun herausfinden, ob der Test gemäß der geltenden Regeln abgelaufen ist. Biotrial erklärte, der Versuch sei in "voller Übereinstimmung mit den internationalen Bestimmungen" erfolgt. Man arbeite eng mit dem Ministerium zusammen. Hersteller Bial betonte, dass der Versuch gesetzesgemäß von den französischen Aufsichtsbehörden genehmigt wurde.

Wirkstoffe werden bis zur Marktzulassung umfangreich in mehreren Phasen getestet. Das Mittel aus Frankreich befand sich in Phase 1 der klinischen Studie. Dabei wird ein Stoff erstmals an gesunden Freiwilligen auf Verträglichkeit getestet.

Von den übrigen 84 Versuchtsteilnehmern wurden bislang keine Gesundheitsprobleme gemeldet. Sie hatten das Medikament in geringerer Dosierung verabreicht bekommen - in Phase 1 ist es üblich, dies langsam zu steigern. Sie alle seien bereits kontaktiert worden, hieß es am Sonntag vom Krankenhaus. Zehn Menschen wurden bereits in Rennes untersucht, dabei stellten die Ärzte nichts Auffälliges fest.

dpa

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