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Riesen-Orchester bricht "Guinness"-Rekord

"Wir füllen das Stadion" Riesen-Orchester bricht "Guinness"-Rekord

7548 Musiker haben sich am Samstag in Frankfurt zu einem riesigen Orchester zusammengetan und sich so ins "Guinness-Buch der Rekorde" eingetragen. Die Musiker hatten sich unter dem Motto "Wir füllen das Stadion" in der Commerzbank-Arena versammelt. Das bislang größte Orchester hatte 2013 im australischen Brisbane gespielt und war laut "Guinness"-Redaktion mit 7224 Musikern besetzt gewesen. 

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Das größte Orchester der Welt: 7548 Musiker haben in Frankfurt den "Guiness"-Rekord gebrochen.

Quelle: dpa

Frankfurt/Main. Diesmal ist es kein Jubel vom Public Viewing zur Fußball-EM, der aus der Frankfurter Commerzbank-Arena dringt. Eher ein polyphones Blasen und Streichen, Trommeln und Flöten. Draußen schaut ein Junge im Fußballtrikot verwundert auf. Drinnen versucht Michael Reiss, sein Tenorhorn zu stimmen. Neben ihm ertönen Tubas, Posaunen und Fagotte. Der Darmstädter sitzt in der Bläsersektion eines riesigen Orchesters. Unmöglich, hier akkurat zu stimmen. Reiss zuckt mit den Schultern und entscheidet: "Ein Laie wird es nicht hören." 7548 Musiker sind am Samstag nach Frankfurt gekommen. Als nach Veranstalterangaben größtes Orchester der Welt wollen sie mit der Aktion "Wir füllen das Stadion" nun ins "Guinness-Buch der Rekorde" kommen.

Beim Rekordhalter, einem 2013 im australischen Brisbane aufgetretenen Orchester, wurden laut "Guinness"-Redaktion 7224 Musiker gezählt. Bei der Generalprobe am späten Vormittag sind viele der auf dem Fußballfeld der Arena aufgestellten Plastikstühle schon besetzt.

Jens Illemann, der das Spektakel initiiert hat, läuft von den Tontechnikern zur Bühne und wieder zurück und klärt die letzten Fragen. Der Trompeter aus Hamburg hatte die Idee, das weltgrößte Orchester zusammenzustellen. Dabei ging es Illemann gar nicht nur um den Rekord: "Wir wollen ein Zeichen setzen, wie sehr Musik verbinden kann und wie wichtig sie für Deutschland ist."

Und Spaß mache es eben auch, mit so vielen Menschen zu musizieren. Illemann hatte Glück, im Stadionchef Patrik Meyer einen großen Musikfan zu treffen. Lange war der Rekordversuch in Hamburg geplant, dann sagte ihm der dortige Veranstalter ab. Meyer dagegen, der selbst Schlagzeug spielt, sei sofort von der Idee begeistert gewesen. Und er bot gute Bedingungen: Frankfurt liegt zentral in Deutschland und das Stadion schützt die Instrumente mit seinem Zeltdach vor Regen. Auf einer "Musikmeile" vor dem Stadion spielen am Tag des Rekordversuchs Orchester und Bands, es gibt Workshops und Buden mit Essensangeboten. Voraussetzung für den Weltrekord ist den "Guinness"-Regeln zufolge, dass alle Orchester-Instrumente mit einer Mindestanzahl vertreten sind.

Das sei dank eines engen Austauschs mit Musikverbänden und Vereinen gelungen, sagt Stadionsprecher Urs Pfeiffer. Sogar Gruppen aus Österreich und den Niederlanden seien gekommen. Viele Musiker haben sich vor dem Konzert zu ihrer Instrumentengruppe gesellt, einige sitzen bei ihrem Heimat- Orchester. "Wir haben die Sitzordnung so gewählt, dass es sich für das Publikum gut anhört", sagt Illemann. "Aber so wie das HR-Rundfunkorchester wird es wohl nicht klingen", meint er mit Blick auf die Profis vom Hessischen Rundfunk. Vorne auf der Bühne steht Wolf Kerschek, Dirigent und Komponist aus Hamburg, der die schwierige Aufgabe hat, das Riesenorchester zusammenzuhalten. "Sehen mich alle?", ruft er, als er auf der großen Leinwand erscheint.

Vier Stücke, Auszüge aus Sinfonien von Dvorak und Beethoven, einen Song aus dem Musical "Starlight Express" und die Hymne "Music was my first love" spielt das Orchester. "Solche Klassiker helfen den Musikern, einander zu finden", sagt Jens Troester, der bei dem "Pop meets Classic"-Konzert im Anschluss an den Rekordversuch die Neue Philharmonie Frankfurt dirigiert. Eine der großen Herausforderungen sei es, auf weitem Raum mit vielen Instrumenten einen gemeinsamen Klang zu erreichen. Die Noten haben die Musiker vorher zum Üben zugeschickt bekommen. Sie wurden neu arrangiert, damit sie jeder Teilnehmer spielen kann.

Als die ersten Takte von Beethovens "Ode an die Freude" erklingen, wird es auf einmal ganz ruhig, nur die zarte Melodie der Streicher erfüllt das Stadion. Dann schwillt die Musik an, die Bläser setzen ein, die Becken knallen, der Dirigent lächelt. Nach der Zugabe - denn natürlich fordert das Publikum eine - beginnt direkt der informelle Teil des Abends, den die Musiker mit spontanen Orchesterstücken einleiten. Erst später, als die Party längst im Gang ist, erfahren sie, dass die Teilnehmer gezählt sind und der Rekord gelungen ist: 7548 Menschen haben im Stadion gemeinsam musiziert und wollten gar nicht mehr aufhören.

dpa

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