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Panorama Rocker der Hells Angels erobern Mallorca
Nachrichten Panorama Rocker der Hells Angels erobern Mallorca
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22:15 14.12.2010
Die Hells Angels sind seit Mai offiziell auf Mallorca vertreten. Quelle: HAZ
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Christopher R. hatte Prellungen im Gesicht und am ganzen Körper, als die Guardia Civil ihn auf einer Landstraße stoppte. Es wird vermutet, dass er verprügelt wurde und auf dem Weg war, um Rache zu nehmen. In seinem Mercedes fanden sich eine Pistole, eine Machete und ein Schlagring. Der 35-Jährige bestreitet, dass ihm die Waffen gehören, muss sich jetzt aber wegen illegalen Waffenbesitzes verantworten.

Wegen schwerer Körperverletzung war R. schon zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil er bei der Fußball-WM 1998 gemeinsam mit drei Komplizen den französischen Gendarmen Daniel Nivel fast zu Tode geprügelt hatte. Später stieg der gebürtige Magdeburger bei den Höllenengeln auf. 2009 bekleidete er ein halbes Jahr lang das Amt des Vizepräsidenten im Charter Potsdam. Im März 2010 gründete er eine Zweigstelle auf Mallorca. Prompt gab es Ärger. Im August kam es zu einer Massenschlägerei zwischen Hells Angels und der ebenfalls deutschen Rocker-Gang Gremium MC, die im Norden der Insel herrscht. Augenzeugen wollen sogar Samurai-Schwerter gesehen haben.

Die Ermittler vermuten, dass Hells Angels und Gremium MC um die Vorherrschaft im Rotlichtmilieu kämpfen. Drei Bordelle auf Mallorca sollen bereits fest in der Hand der Höllenengel sein. Dabei ist auch eine Verbindung zur niedersächsischen Landeshauptstadt erkennbar. „Uns ist bekannt, dass die hannoverschen Hells Angels gute Kontakte nach Mallorca pflegen“, sagt der Sprecher des Landeskriminalamts Niedersachsen, Frank Federau.

Eine weitere Verbindung leitet sich aus der Vergangenheit des Festgenommenen her: Einer der Komplizen, die an dem Überfall auf den französischen Gendarmen Nivel beteiligt waren, lebt in Hannover und bekleidet wie R. laut LKA bei den Hells Angels eine „führende Stellung“. Markus W. gilt das guter Kumpel des hannoverschen Kiezkönigs und Höllenengel-Chefs Frank Hanebuth.

Bei einer Großrazzia hatte die Polizei erst am Montag 22 Wohnungen der Hells Angels in Baden Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern durchsucht. Im Hintergrund steht ein Konflikt mit der Türstehervereinigung „United Tribuns“. Bei einer Schlägerei in Pforzheim waren Ende November drei Höllenengel schwer verletzt worden. Die Hells Angels gerieten darauf in Verdacht, als Racheakt einen Mordanschlag auf führende Köpfe der „United Tribuns“ vorzubereiten. In der Woche zuvor wurden fünf Polizisten in Hessen vom Dienst suspendiert, die mit den „Hells Angels“ Geschäfte gemacht haben sollen.

Heinrich Thies

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