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Polizei muss Tatverdächtige freilassen

Rocker-Schießerei auf Reeperbahn Polizei muss Tatverdächtige freilassen

Es geht um Macht, Einfluss und Geld: In Hamburg tobt ein Bandenkrieg unter Rockern. Zwei Mitglieder der Mongols wurden von den Hells Angels angeschossen. Die Tatverdächtigen sind wieder auf freiem Fuß – ein Insider rechnet mit Rache.

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Auf St.Pauli wurde ein Rocker angeschossen. Er hatte in einem Taxi gesessen. Mindestens sieben Geschosse trafen das Fahrzeug. Der Taxi-Fahrer blieb wie durch ein Wunder unverletzt.

Quelle: Frank Bründel/Citynewstv/dpa

Hamburg. Filmreife Krimiszenen im Rotlichtviertel: Bei einem Angriff auf eine Rockerbande an der Hamburger Reeperbahn sind in der Nacht zum Dienstag zwei Männer angeschossen worden. Ein weiterer Mann brach sich bei einem Sturz während der Flucht ein Bein, wie die Polizei mitteilte.

Geschosse durchsiebten das Taxi

"Die Männer gehören zu den Mongols und waren mit weiteren Mitgliedern des Rockerclubs beim Essen", sagte ein Polizeisprecher. Als einige von ihnen das Restaurant verließen, seien sie auf der Straße von Mitgliedern der konkurrierenden Rockergruppe Hells Angels angegriffen worden. "Um sich zu retten, sind drei Männer in ein Taxi gesprungen", sagte der Sprecher weiter. Anschließend durchsiebten mindesten sieben Geschosse das Fahrzeug.

Zwölf Männer wurden nach der Attacke laut Polizei festgenommen, aber im Laufe des Tages wieder freigelassen. "Der dringende Tatverdacht konnte bisher nicht erhärtet werden", sagte eine Sprecherin der Polizei am Dienstagabend.

Zwei Rocker wurden getroffen

Ein 28-jähriger Insasse des Taxis wurde im Nierenbereich getroffen. Die Verletzung sei nicht lebensbedrohlich, hieß es. Ein 26-Jähriger kam den Angaben zufolge mit einem Prellschuss davon. Unter den Männern soll Medienberichten zufolge auch das neue Oberhaupt der Mongols gewesen sein. Der 27-Jährige blieb wie durch ein Wunder unverletzt, so wie der 46-jährige Taxifahrer.

Die Beamten stellten nach dem Attentat sechs Autos sicher. In der Nähe des Tatorts wurden ein Messer und eine Schusswaffe gefunden. Ob es sich bei der Schusswaffe auch um die Tatwaffe handelt, war zunächst unklar.

Sprengsatz unterm Sportwagen

Insgesamt waren 46 Streifenwagen im Einsatz. Auch Spezialisten für Milieu-Kriminalität untersuchten den Tatort. Wegen der Spurensicherung musste die Holstenstraße nahe der Reeperbahn zeitweilig voll gesperrt werden.

Ende Oktober hatte eine Explosion am Sportwagen des Chefs der Mongols in Hamburg für Aufsehen gesorgt. Ein Sprengsatz war unter dem Lamborghini detoniert, als der Mann das Auto ausparken wollte. Er blieb unverletzt, aber der Wagen, umliegende Fensterscheiben und eine Stahltür wurden beschädigt. Im Dezember wurde er in einer spektakulären Aktion in seiner Penthouse-Wohnung verhaftet.

Insider erwartet Rache

Worum geht es bei dem Bandenstreit? "Es geht um die Herrschaft über den Drogenhandel, die Prostitution und darum, die eigene Machtposition auszubauen", erklärt Milieu-Experte Jürgen Roth in Frankfurt. Bandenkriege gebe es schon seit vielen Jahren. "In Hamburg dominieren schon lange die Hells Angels, diese Position wollen sie verteidigen", sagt Roth.

"Wir beobachten die Vorfälle und sind in engem Austausch mit der Polizei", sagt Hauke Carstensen von der Innenbehörde Hamburg. Doch über die Entwicklung der Rotlichtkriminalität wolle man nicht spekulieren. "Die Ermittlungen bleiben abzuwarten." Für Milieu-Experte Roth ist klar, dass sich die Mongols rächen werden. "Das wäre das erste Mal, wenn das nicht passieren würde."

dpa/wer

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