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Panorama Samuel gibt erstes Fernsehinterview nach Sturz bei „Wetten, dass ...?“
Nachrichten Panorama Samuel gibt erstes Fernsehinterview nach Sturz bei „Wetten, dass ...?“
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19:48 26.06.2011
Von Imre Grimm
„Jeder Skiurlaub war riskanter als das Autogehüpfe“: „Wetten, dass ...?“-Kandidat Samuel Koch im Interview mit ZDF-Moderator Peter Hahne. Quelle: dpa
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Seine Stimme klingt sanft und leise, er spricht konzentriert, weich, mit vielen Pausen. Er trägt eine Manschette um den Hals, die den Kopf stützt. Es strengt ihn an, das merkt man, aber er wirkt – öffentlich zumindest – ruhig und gefasst. Knapp sieben Monate nach seinem schweren Sturz bei „Wetten, dass ...?“, nach der Sekunde, die sein Leben verändert hat und das von Thomas Gottschalk gleich mit, sitzt Samuel Koch auf der Dachterrasse der Reha-Klinik in Nottwil in der Schweiz und gibt sein erstes Fernsehinterview. Ihm gegenüber: Peter Hahne (58), beim ZDF zuständig für die ganz großen Fragen.

Und Koch sagt Sätze, die doch bemerkenswert sind nach diesem Schicksalsschlag, der ihn in den Rollstuhl zwang, der seinen Traum zerplatzen ließ, einmal Schauspieler zu werden. „Es hätte schlimmer kommen können“, sagt Samuel Koch. Und: „Selbstmitleid ist nicht mein Ding. Man kann auf jedem Niveau klagen, aber auch auf jedem Niveau glücklich sein.“

Es sind bemerkenswerte 28 Minuten, die am Sonntag zu sehen waren. Hier sitzt ein 23-Jähriger, der kämpft. Der nicht verzweifelt wirkt und mutlos. Der sich nicht abgefunden hat mit diesem neuen Leben, das eine kleine Fliege auf der Nase, die er machtlos krabbeln lassen muss, zur Hölle machen kann. „Ich mache Fortschritte“, sagt Koch. „Der Heilungsverlauf hat nie stagniert.“ Seine Arme und Schultern kann er inzwischen leicht bewegen. Und dann, an Pfingstmontag, entdeckte sein Bruder, dass Samuel einen kleinen Zeh bewusst ansteuern kann. „Die Familie sang und tanzte ums Bett. Ein Riesenfest für einen kleinen Zeh.“

Koch ist ein christlicher Mensch, er liest viel in der Bibel, er betet. Ob er an Wunder glaube, fragt Hahne und zitiert den gleichen Satz, den Margot Käßmann nach ihrer Trunkenheitsfahrt in die Kameras sprach. Es heiße doch in den Psalmen, man könne nicht tiefer fallen als in Gottes Hand. „Als Ihnen das passiert ist: Waren Sie da noch in Gottes Hand?“ Samuel zögert, schweigt kurz. „Ich atme. Also: Auf jeden Fall. Patienten mit ähnlicher Lähmungshöhe sind an Beatmungsgeräte angeschlossen. Denen geht es schlechter.“ Wunder? Nun ja. „Es gibt Dinge, die nicht durch Wissenschaft und Medizin erklärbar sind. Meine Lunge funktioniert. Über Wunder spricht man nicht, da hofft man drauf.“

Und dann kommt sie natürlich, die Frage, ob er eine solche Wette wieder wagen würde. Müßig, eigentlich, aber Samuel Koch beantwortet sie doch. „Ja“, sagt er. „Unter den gleichen Voraussetzungen: ja. So viel hatte ich für keinen anderen Wettbewerb trainiert. Ich bin 500, 600 Mal über Autos gesprungen. Jeder Skiurlaub war riskanter als das ganze Autogehüpfe. 95 Prozent der Patienten verunglücken im Haushalt. Der Haushalt – das ist eine Risikosportart!“ Er habe kurzzeitig sogar überlegt, sich auch noch die Augen zu verbinden für seine Saltos mit Sprungfedern über fahrende Autos. „Es gab keinen Grund, der mich aufgehalten hätte“, sagt Koch. Zwei Gutachten haben das ZDF von jeder Mitschuld freigesprochen.

Sein Krankenzimmer ist voll von Fotos, Grüßen, Genesungswünschen. Der Schockmoment von Düsseldorf, den zehn Millionen Menschen am 4. Dezember 2010 live verfolgten, hat nur wenige kaltgelassen. Samuels Schicksal bewegte das Land, er selbst merke, „wie sehr Anteil genommen wird an dieser ganzen Misere. Das ist großartig.“ Zuschauer hätten „komische, lustige Sachen“ gebastelt, Gedichte geschickt, Lieder. So viele Kinder hätten geweint nach seinem Sturz, das tue ihm leid. „Es ist mir unangenehm, dass ich die Show kaputt gemacht habe.“ Er träume davon, die Kinder, die ihm schrieben, besuchen zu können, „im Biologieunterricht vielleicht, ich könnte etwas über Rückenmark erzählen“.

Er kann das noch: lachen. „Ein bisschen neben der Kappe“, sei er gewesen, sagt er locker, als er damals mit komplizierten Halswirbel- und Rückenmarksverletzungen in der Düsseldorfer Uniklinik aus dem künstlichen Koma aufwachte, in das ihn die Ärzte versetzt hatten. An viel könne er sich nicht erinnern, „es ist alles verschwommen“. Aber zu seinem ersten Pfleger von damals, der am Bett mit ihm gebetet hat, hat er heute noch Kontakt. Letzte Woche hat er geheiratet. Samuel Koch ist der Patenonkel seiner Tochter.

Jemand hat ihm einen Stern geschenkt. Einen echten. Der trägt jetzt seinen Namen. „Samuel Koch“ steht 136 Lichtjahre entfernt von der Erde am Himmel. So etwas rührt ihn. Die Hoffnung habe er nie aufgegeben, sagt Samuel Koch, „zu keinem Zeitpunkt. Das Lachen hab’ ich nicht verlernt. Das wär’ doof. Das macht mehr Spaß als heulen.“ Im September wird er 24 Jahre alt. Er würde gern mal wieder in einen See springen, sagt er.

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