Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 4 ° wolkig

Navigation:
Briten drohen Peitschenhiebe für Alkoholbesitz

Cameron schreibt an Saudi-Arabien Briten drohen Peitschenhiebe für Alkoholbesitz

Einem britischen Senioren drohen in Saudi-Arabien bis zu 360 Peitschenhiebe. Die Familie fürchtet um sein Leben. Nun will Großbritanniens Premierminister David Cameron persönlich helfen.

Voriger Artikel
Gleis 1 statt Teppichgeschäft
Nächster Artikel
Imbissverkäufer verletzt Gast mit Axt

Der britische Premierminister David Cameron will an Saudi-Arabien schreiben und um Gnade für den 74-Jährigen bitten.

Quelle: dpa

London. Drakonische Strafe in Saudi-Arabien: Eine britische Familie bangt um das Leben eines 74-Jährigen. Dem siebenfachen Großvater drohen bis zu 360 Peitschenhiebe wegen illegalen Alkoholbesitzes. Seine Verwandten haben die saudischen Behörden nun öffentlich um Gnade gebeten. "Ich kann nicht glauben, dass sie das an einem alten Mann vollstrecken, denn er würde es nicht überleben", sagte seine Tochter am Dienstag der BBC. Viele Anwälte wollten den Fall nicht übernehmen, weil Alkohol in Saudi-Arabien illegal ist. Der Brite soll Flaschen mit hausgemachten Wein im Auto transportiert haben. Dabei wurde er wohl erwischt.

Der Familie zufolge war der Mann vergangenes Jahr festgenommen und neben den Peitschenhieben auch zu zwölf Monaten Haft verurteilt worden. "Sie haben hier Gesetze, und die muss man befolgen", sagte der Sohn des Briten. "Aber er hat seine Zeit jetzt abgesessen und sollte entlassen werden." Anders als zunächst angenommen sei nun doch zu befürchten, dass auch die körperliche Strafe vollstreckt werde.

David Cameron will nach Saudi-Arabien schreiben

Großbritanniens Premierminister David Cameron kündigte am Dienstag an, wegen dieses "extrem besorgniserregendes Falls" nach Saudi-Arabien zu schreiben. Dem Außenministerium in London zufolge haben sich bereits Regierungsvertreter verschiedener Ebenen für den Briten eingesetzt. Dass Großbritannien am Dienstag auch ein Angebot zur Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich mit Saudi-Arabien zurückzog, habe aber nichts mit dem Fall zu tun, sagte ein Regierungssprecher.

Die britische Botschaft stehe dem Inhaftierten zudem vor Ort bei, sagte ein Ministeriumssprecher. Mitarbeiter besuchten ihn regelmäßig, um zu sehen, wie es ihm gehe, und ermöglichten Kontakt mit Anwälten und der Familie. "Wir arbeiten aktiv daran, dass er so schnell wie möglich entlassen wird", sagte der Sprecher, äußerte sich aber auf Nachfrage nicht zum Strafmaß. Aus Saudi-Arabien waren keine offiziellen Angaben zu dem Fall verfügbar.

Seit 25 Jahren lebt der Großvater in Saudi-Arabien

Der Mann war in der Ölbranche tätig und lebt seit rund 25 Jahren in Saudi-Arabien, wie seine Angehörigen erläutern. Er soll bereits drei Krebserkrankungen überstanden haben und an Asthma leiden. "Es geht ihm nicht sehr gut", sagte seine Tochter, auch wenn er in guter geistiger Verfassung sei. Der Sohn des Mannes berichtete außerdem, seine Mutter sei demenzkrank und ihr Zustand verschlechtere sich schnell. "Er will dringend zurückkommen und sie sehen", sagte er.

Die drakonischen Strafen der saudischen Justiz schockieren immer wieder: So etwa 1000 Stockschläge, zehn Jahre Haft und eine hohe Geldstrafe für den 31-jährigen Raif Badawi, der kritische Blog-Beiträge veröffentlicht hat. Selbst sein Anwalt wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt. Der Fall hat weltweit Proteste ausgelöst.

dpa/kst

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Panorama
Familiendrama mit sechs Toten in Österreich

Ein Familiendrama erschüttert Österreich. Eine Frau soll mehrere Angehörige erschossen haben.