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Schatzsucher sind Nazigold auf der Spur

Zug existiert zu "99 Prozent" Schatzsucher sind Nazigold auf der Spur

70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg sind sich Schatzsucher sicher: Irgendwo entlang der Bahnstrecke zwischen Breslau und Walbrzych in Niederschlesien muss der verschwundene Zug mit dem Nazigold verborgen sein. Weil sich unter den Schatzgräbern auch ein Deutscher befindet, wird über ein Geständnis auf dem Totenbett spekuliert.

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Irgendwo entlang der Bahnstrecke zwischen Breslau und Walbrzych in Niederschlesien muss der verschwundene "goldene Zug" verborgen sein.

Quelle: Maciej Kulczynski

Walbrzych. Seit Tagen parken Wagen mit Kennzeichen von nah und fern entlang der Bahnstrecke zwischen Breslau (Wroclaw) und Walbrzych in Niederschlesien. Polizisten patrouillieren in dem Waldgebiet, um Schatzsucher an Grabungen zu hindern. Wenn gutes Zureden nicht hilft, drohen Bußgelder in Höhe von 500 Zloty (125 Euro) für „Waldzerstörung“ oder Überqueren der Bahngleise.

Auf Familienausflügen in den Wald wird gerätselt und spekuliert, was sich hier unter der Erde verbirgt, vermutlich irgendwo zwischen den Kilometerpunkten 60 und 65. „Die Wahrscheinlichkeit, dass da etwas ist, ist groß“, gab die polnische Kulturministerin Malgorzata Omilanowska am Freitag zu.

"Zu 99 Prozent sicher"

Ihr Stellvertreter Piotr Zuchowski, Leiter der Denkmalschutzbehörde, ist sich sogar „zu 99 Prozent sicher“, dass sich in einem der Tunnel des Bergbaugebietes ein deutscher Panzerzug aus dem Zweiten Weltkrieg in vermutlich 70 Meter Tiefe befindet. In Ortslegenden ist sogar von zwei Zügen die Rede, die seit den letzten Kriegsmonaten in der Region spurlos verschwunden sind.

Nur - womit ist der Zug beladen? Darüber rätseln nicht nur die Polen seit bald zwei Wochen. Gold und Diamanten etwa, von ermordeten Juden geraubt? Munition und Kriegsmaterial? Oder doch Archivalien und Dokumente, die vor allem für Historiker wertvolles Forschungsmaterial sein dürften?

Robert Singer, Geschäftsführer des Jüdischen Weltkongresses, nimmt die Berichte über den angeblichen „goldenen Zug“ immerhin so ernst, dass er in einer Stellungnahme darauf hinwies, dass die Wertsachen an die rechtmäßigen Erben zurückgegeben werden müssten, sollte es sich tatsächlich um „Nazigold“ handeln, das von ermordeten Juden stammt. Sollten keine Überlebenden gefunden werden, sollten die polnischen Holocaust-Überlebenden damit entschädigt werden. „Wir hoffen, dass Polen die angemessenen Schritte unternimmt“, mahnte er.

Ein Geständnis auf dem Totenbett?

Ebenso mysteriös wie der Inhalt des Zuges: Wie kommt es, dass die angeblichen Finder erst jetzt, nach mehr als 70 Jahren, auf den verborgenen Zug stießen? Zuchowski vermutet ein „Geständnis auf dem Totenbett“ - immerhin handelt es sich bei einem der Finder um einen Deutschen. Dessen Vater oder Großvater könnte also durchaus zu den Männern gehört haben, die einst den Zug versteckten, und schließlich das Geheimnis weitergegeben haben.

Unterdessen versuchen Touristikplaner in Walbrzych (Waldenburg), den niederschlesischen Goldrausch schon jetzt zu versilbern. Allein die Gerüchte über den Goldzug heizen das Interesse an der Stadt an, in deren Umgebung die Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkrieges den unterirdischen Tunnelkomplex „Riese“ anlegten.

Das Fürstenschloss, unter dem sich laut Ortslegenden unterirdische Tunnel verbergen sollen, rührt seit dem Wochenende die Werbetrommel für eine Sondertour zu den unterirdischen Tunneln der Stadt. Im Logo, wie könnte es anders sein, prangt ein funkelnder Zug.

Niederschlesische Historische Gesellschaft bleibt skeptisch

Nur die Niederschlesische Historische Gesellschaft will bei dem Goldrausch nicht mitmachen. „Unsere langjährige Grabungserfahrung und die Archivmaterialien in unserem Besitz weisen eindeutig darauf hin, dass die Informationen über die Entdeckung des Panzerzuges nicht stimmen“, hieß es in einer vor gut einer Woche veröffentlichten Stellungnahme. Ein wenig pikiert merkten die Ortshistoriker an, der gute Ruf der niederschlesischen Forscher werde aufs Spiel gesetzt. „Der Wunsch nach Medienruhm bringt den gesunden Menschenverstand zum Schweigen“, legten sie nach.

Der ehemalige Bergmann Tadeusz Slowikowski, der 50 Jahre in der Umgebung von Walbrzych nach Funden aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs grub und nach dem verschwundenen Zug suchte, ist aus anderen Gründen skeptisch. „Diejenigen in Deutschland, die Gold und Wertsachen versteckten, waren sich bewusst, dass sich Niederschlesien nach dem Krieg außerhalb der Grenzen des Dritten Reichs befinden könnte“, sagte er der „Gazeta Wyborcza“.

Wozu also Gold und Diamanten beim Abzug zurücklassen? „Wenn der Zug etwas enthält, dann wahrscheinlich Rohstoffe für die Rüstung“, glaubt Slowikowski, der als junger Bergmann in den 1950er Jahren von deutschen Kollegen erstmals Berichte über den unterhalb der Bahnstrecke versteckten Zug hörte.

dpa

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