Allen Protesten zum Trotz: In Wietze (Kreis Celle) wird möglicherweise schon bald die größte Hähnchenschlachterei Europas entstehen. Das Staatliche Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg hat am Donnerstag dem emsländischen Investor Franz-Josef Rothkötter die Genehmigung für die Errichtung und den Betrieb des umstrittenen Massenschlachtbetriebes erteilt. „Genehmigt werden zwei Schlachtlinien mit einer Gesamtkapazität von 2,592 Millionen Hähnchen wöchentlich“, teilte das Gewerbeaufsichtsamt mit. Das Vorhaben entspreche den Anforderungen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes und erfülle auch die planungs- und umweltrechtlichen Voraussetzungen, heißt es in der Begründung.
Erst in der vergangenen Woche hatte der Wietzer Gemeinderat den Flächennutzungsplan auf das Bauprojekt abgestellt. „Wir sind froh, dass das Gewerbeaufsichtsamt uns so zeitnah grünes Licht gegeben hat“, sagt der Wietzer Bürgermeister Wolfgang Klußmann (CDU), der sich seit Monaten für das Projekt einsetzt. „Wir rechnen schon in der ersten Stufe mit 250 Arbeitsplätzen und hoffen, dass sich in der Folge weitere Unternehmen ansiedeln“, sagt Klußmann. „Auch die Gewerbesteuer können wir gut gebrauchen. Unsere Gemeinde ist seit 1996 hoch verschuldet.“
Die „Bürgerinitiative für den Erhalt unseres Aller-Leine-Tals“ will dagegen weiter gegen den Großschlachthof klagen und protestieren. „Das Projekt ist noch längst nicht durch“, sagt der BI-Vorsitzende Norbert Juretzko. „Die Wasserversorgung ist ebenso fragwürdig wie die Gebietsausweisung.“ Die Bürgerinitiative warnt vor der drohenden Lärm- und Geruchsbelästigung und besteht darauf, dass die Hähnchenschlachterei in Zusammenhang mit dem geplanten Bau von mehr als 400 Hähnchenmaststellen in der Umgebung gesehen wird. „Damit verändert sich das gesamte Bild der Region“, sagt Juretzko, der von einer „Emslandisierung“ der Südheide spricht.
Die Bürgerinitiative kämpft weiter für einen Bürgerentscheid. Obwohl 818 Bürger sich dafür ausgesprochen hatten, war das Begehren von der Gemeinde zurückgewiesen worden. Die Bürgerinitiative will nun auch dagegen klagen. Die Grünen im Landtag unterstützen den Protest. „Es ist für mich unverständlich, dass das Gewerbeaufsichtsamt sich über alle begründeten Bedenken der Bürger hinweggesetzt hat“, sagt der agrarpolitische Fraktionssprecher Christian Meyer. „Offenbar ist die Behörde der Landesregierung gefolgt, die das Projekt mit sieben Millionen Euro vorangetrieben hat. Das ist ein Skandal.“

Kommentare
@ Antonietta Der grosse boese Wolf – 16.07.10
Ja, und das alles nur damit der Hähnchen-Döner und das Grillhähnchen für 3,99 verkauft werden können. Und die Leute merken nicht mal was für ein völlig geschmackloses Eckelfleisch sie da essen weil man das vor lauter Gewürzen schon gar nicht mehr durchschmeckt. Und später wundern sie sich dann das im Krankheitsfall Antibiotika nicht mehr anschlagen, denn mit dem Billigfleisch haben sie das Zeug unbemerkt schon jahrelang eingenommen.Tierschutz ist auch Menschenschutz, wie man am Thema Billigfleisch aus Intensivhaltung sehr gut deutlich machen kann. Der Verbraucher hat es in der Hand solchen Mist zu kaufen oder nicht. Ohne Nachfrage gäbe es kein Angebot und somit weniger Tierquälerei.
Hühnermast Antonietta – 16.07.10
Nur fünf Wochen Lebenszeit werden einem Masthähnchen zugestanden. Ein Quadratmeter ist der gesamte Lebensraum für 25 Tiere. Bis zu 8 Prozent, das sind jährlich rund 3 Millionen Tiere, sterben bereits während der Mast. Die Schlachtung bei völlig unzureichender Betäubung im Elektrobad beendet ein elendes Leben voller Qualen.