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Schmerzensgeld mehr als 20 Jahre nach Missbrauch

Gerichtsurteil Schmerzensgeld mehr als 20 Jahre nach Missbrauch

Auch mehr als 20 Jahre nach einem sexuellen Missbrauch steht einem heute 34 Jahre alten Mann Schmerzensgeld zu. Das entschied das Oberlandesgericht Oldenburg in einem Berufungsprozess am Dienstag.

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Entschädigung nach 20 Jahren.

Quelle: dpa

Oldenburg. Bereits in erster Instanz vor dem Landgericht Osnabrück war einem Polizeibeamten eine Entschädigung von 7500 Euro zugesprochen worden.

Er war als Elfjähriger mehrfach von einem Nachbarn seiner Großeltern sexuell missbraucht worden. Das Opfer hatte das Geschehen nach eigenen Angaben jahrelang verdrängt und erst 2005 Anzeige erstattet. Sein damaliger Peiniger legte Berufung ein. Der Anspruch auf Schmerzensgeld sei spätestens drei Jahre nach Volljährigkeit des Opfers verjährt, hatte er argumentiert.

Der 13. Zivilsenat des Oberlandesgerichts führte in seiner Entscheidung aus, dass die Verjährung eines Anspruchs auf Schmerzensgeld erst mit der Kenntnis vom Schaden und der Person des Ersatzpflichtigen beginne. „Hat ein Tatopfer das Tatgeschehen aufgrund einer psychischen Traumatisierung verdrängt, beginnt die Verjährungsfrist erst mit dem Eintritt der Erinnerung an das Geschehene.“ Zwar habe beim Kläger kein Gedächtnisverlust im Sinne einer Amnesie vorgelegen. Die konsequente Verdrängung aufgrund einer posttraumatischen Belastungsstörung stehe diesem aber gleich.

Das damalige Opfer musste nach Angaben des Gerichts beweisen, dass tatsächlich eine Verdrängung der Tat vorlag. Durch die vom Landgericht eingeholten Gutachten stehe fest, der Kläger habe die im Kindesalter erlebten Taten konsequent verdrängt und bis 2005 keine Kenntnisse darüber gehabt. Erst als seine Schwester offenbarte, dass sie durch denselben Nachbarn missbraucht worden war, sei die Erinnerung bei ihm zurückgekehrt.

Nach Ansicht der Oldenburger Richter ist die Höhe des vom Landgericht Osnabrück festgesetzten Schmerzensgeldes angemessen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Revision wurde zugelassen.

dpa

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