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Schüsse auf Polizisten: Was wir bisher wissen

Mindestens fünf Tote Schüsse auf Polizisten: Was wir bisher wissen

In Dallas sind mehrere Polizisten gezielt erschossen worden. Einer der mutmaßlichen Täter wurde von den Ermittlern später getötet. Er soll gezielt Jagd auf weiße Menschen gemacht haben. Augenzeugen sprechen von einer Hinrichtung. Was wir bisher über die tödliche Nacht von Dallas wissen – ein Überblick.

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"Die Schützen wollten so viele Gesetzeshüter wie möglich verletzen oder töten", berichtete die Polizei von Dallas.

Quelle: Maria R. Olivas/ap/dpa

Was ist in Dallas geschehen?
Mehrere hundert Menschen demonstrierten am Donnerstag in Dallas gegen Polizeigewalt gegen Afroamerikaner. Ihr Motto lautet: Motto Black Lives Matter (Das Leben von Schwarzen zählt). Erst am Dienstag und Mittwoch waren zwei Schwarze bei Polizeieinsätzen getötet worden. Gegen Ende der Protestkundgebung eröffneten Heckenschützen das Feuer. Mindestens fünf Polizisten wurden getötet, mindestens sieben weitere wurden verletzt. Zwei von ihnen schwebten am Freitag noch in Lebensgefahr. Auch zwei Zivilisten wurden verwundet.

Mehr als 30 Schüsse sollen Augenzeugen zufolge bei einer - bis dahin friedlichen - Demo gegen Polizeigewalt in Dallas gefallen sein. Die Scharfschützen hatten es offenbar gezielt auf Polizisten abgesehen.

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Was berichten Augenzeugen?
"Es war das komplette Chaos", berichtete Cory Hughes, der am Donnerstagabend in Dallas gegen Polizeigewalt demonstriert hatte. Die Schüsse "kamen von irgendwo", "wir dachten, die schießen auf uns", sagte der Mann dem Fernsehsender CNN. Ismael DeJesus filmte die Szene aus einem Hotel heraus. "Das ist er, da, neben der weißen Säule, seht, er schießt nach links, nach rechts, woanders hin, man sieht, wie er auf jemanden zielt." Dann habe sich der Mann umgedreht, um sicherzustellen, dass niemand hinter ihm sei, berichtet DeJesus. "Aber da kam ein Polizist, der ihn fassen wollte, aber das ist schlimm geendet. Es war wie eine Hinrichtung, ehrlich. Obwohl er (der Polizist) schon am Boden lag, hat der Mann noch drei oder vier Mal auf ihn geschossen", sagt DeJesus.  

Wie viele Täter waren es?
Es ist noch unklar, wie viele Täter auf die Beamten feuerten. Die Polizei ging zunächst von zwei Schützen aus, die von erhöhten Positionen aus das Feuer eröffnet hätten. Einer der mutmaßlichen Heckenschützen verschanzte sich in einem Parkhaus. Er wurde von der Polizei getötet. Die Ermittler nahmen außerdem drei Verdächtige fest: In der Nähe des Parkhauses fassten sie eine Frau. Außerdem nahmen sie zwei Männer fest, die in einem Wagen geflüchtet waren. "Wir sind aber noch nicht vollständig sicher, dass wir alle Verdächtigen in Gewahrsam haben", sagte Brown. "Wir werden Euch finden, Euch belangen und zur Rechenschaft ziehen." Ein weiterer Mann stellt sich selbst, nachdem ein Fahndungsfoto von ihm veröffentlicht wurde. Er kam wenig später aber wieder auf freien Fuß.

Wer sind die Tatverdächtigen?
Der mutmaßliche Einzeltäter stammt aus aus Mesquite, einem Vorort von Dallas und war ein aus Afghanistan zurückgekehrter Reservist der US-Armee. Wie das US-Verteidigungsministerium mitteilte, war 25-jährige Micah Xavier Johnson von November 2013 bis Juli 2014 am Hindukusch im Einsatz. Der Nachrichtensender CNN berichtete, der 25-Jährige sei vom Militär aber nicht als Scharfschütze, sondern als Maurer ausgebildet worden. Unklar sei, ob er ausführliches Schießtraining erhalten habe.

Steckt eine Organisation hinter der Tat? 
Der getötete Verdächtige von Dallas hat nach eigenen Angaben allein gehandelt. Er gehöre keiner Gruppe und auch keiner Terrororganisation an, habe der Mann gesagt, berichtete Polizeichef David Brown bei einer Pressekonferenz am Freitag. Die Polizei zweifelt aber an der Einzeltäter-Geschichte: "Nichts davon macht Sinn", sagte Brown. Die Polizei ermittle mit größtem Druck weiter, solange würden keine Details zum Tathergang oder den anderen Festgenommenen mitgeteilt werden.

Wie wurde der Heckenschütze ausgeschaltet?
Der mutmaßliche Heckenschütze hatte sich nach den Schüssen auf Polizisten am Donnerstag stundenlang in einem Parkhaus verschanzt, die Polizei umstellte das Gebäude. Schließlich wurde der Mann getötet – nach Angaben von Polizeichef David Brown durch einen von der Polizei eingesetzten Sprengsatz, der auf einem ferngesteuerten Roboter platziert war. Das Gerät habe einen Sprengsatz in die Nähe des Schützen gebracht, sagte Brown. Die Polizisten hätten keinen anderen Ausweg gesehen, nachdem stundenlange Verhandlungen mit dem Mann, der sich in einem Gebäude verschanzt hatte, gescheitert seien.

Welches Motiv hatten die Täter?
Die Polizei verhandelte mit dem mutmaßlichen Heckenschützen im Parkhaus. Dabei soll der Mann gesagt haben, er habe "Weiße töten" wollen, "vor allem weiße Polizisten", sagte Polizeichef David Brown. Der Verdächtige sei über die jüngsten Fälle von tödlichen Schüssen durch Polizisten aufgebracht gewesen.  "Die Schützen wollten so viele Gesetzeshüter wie möglich verletzen oder töten", sagte Brown. Die Beamten seien aus dem Hinterhalt angegriffen worden. Einigen sei in den Rücken geschossen worden.

Wer sind die Opfer?
Bei einem der Toten handelt es sich um einen 43 Jahre alten Polizisten im Dienst des Nahverkehrsunternehmens DART. Er sei der erste im Einsatz getötete DART-Beamte, seit die Behörde im Jahr 1989 eine eigene Polizei gegründet habe, zitierten Medien einen Sprecher. Drei weitere DART-Angehörige wurden verletzt, wie das Unternehmen auf Twitter mitteilte. Eine Teilnehmerin des Protestmarschs wurde von einer Kugel am Bein getroffen. Die Frau sei mit ihren Kindern bei der Demonstration gewesen, sagte ihre Schwester vor Reportern. Sie habe sich auf ihr 15-jähriges Kind geworfen, um es vor den Kugeln zu schützen.

Hat die Polizei die Lage wieder unter Kontrolle?
Der Verdächtige im Parkhaus soll in den Verhandlungen mit der Polizei gesagt haben, dass er in der Stadt mehrere Bomben versteckt habe. Einsatzkräfte durchsuchten mehrere Blocks im Stadtzentrum, fanden aber keine Sprengsätze.

Wie reagiert die Polizei auf die Nacht von Dallas?
Polizeichef Brown wandte sich in einem eindringlichen Appell an die Bevölkerung: "Wir brauchen Ihre Unterstützung, um Sie vor denjenigen zu beschützen, die für diese tragischen Ereignisse verantwortlich sind." Er sagte, die Polizisten hätten unter Einsatz ihres Lebens für die Sicherheit von Zivilisten gesorgt, ohne sich vor den Schüssen schützen zu können. "Diese Entzweiung zwischen Polizisten und Bürgern – sie muss aufhören", sagte Brown.

dpa/afp/RND/wer/sin

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