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Schützenverband lehnt schwules Königspaar ab

Homosexueller soll sich eine Frau suchen Schützenverband lehnt schwules Königspaar ab

Dass ein schwuler Schützenkönig seinen Ehemann an seiner Seite haben will, sorgt für Unmut beim Dachverband. An die Seite eines Königs gehöre eine echte Königin, sagen Deutschlands oberste Schützen.

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Schwules Pärchen: In Düsseldorf will ein homosexueller Schützenkönig mit seinem Mann den Thron besteigen. Der Dachverband fordert, dass er sich stattdessen eine Königin sucht.

Quelle: Michael Reichel/dpa/Symbolbild

Düsseldorf. Wieder Ärger bei den Schützen: Nach dem Streit um einen muslimischen Schützenkönig stört sich der Dachverband nun an einem schwulen König, der den Thron gemeinsam mit seinem Ehemann besteigen will. "Es entspricht nicht der Tradition, dass ein Königspaar aus Männlein und Männlein oder Weiblein und Weiblein besteht", sagte ein Sprecher des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) am Freitag.

Sein Mann ist im "Damenclub"

Zwar spreche nichts gegen homosexuelle Würdenträger, sagte der Sprecher weiter. Dass der Schützenbruder allerdings nicht bereit sei, eine weibliche Bekannte als Königin zu wählen, um der jahrhundertealten Tradition gerecht zu werden, missbillige der BHDS.

Ungeachtet der Kritik wird Kompaniekönig Udo Figge am Samstag im Düsseldorfer Ortsteil Bilk in sein Amt eingeführt. Für ihn und seine Schützenbrüder sei es selbstverständlich, dass er seinen langjährigen Ehemann zum "Prinzgemahl" wähle, sagte Figge. Dass sich der Dachverband bei dieser Frage nicht öffne, sei wenig zeitgemäß.

Das Paar ist seit vielen Jahren fester Bestandteil der Kompanie – Figge als Mitglied in der Bruderschaft, sein Mann Dirk Jehle im dazugehörigen "Damenclub", in dem sich ansonsten die Frauen und Verlobten der Schützenbrüder engagieren.

Im vergangenen Jahr hatte ein muslimischer Schützenkönig in dem christlich-konservativen Verband BHDS eine Grundsatzdebatte ausgelöst: Im Kreis Soest hatte der Muslim Mithat Gedik den Vogel abgeschossen, war aber vom BHDS als König zunächst abgelehnt worden. Nach langen Diskussionen über die christlichen Grundlagen des Schützenbrauchtums durfte er König bleiben, wurde aber nicht zu Kreis- und Bundesschützenfesten zugelassen.

"Mach Olli zur Königin"

Inzwischen zeigt der Verband größeren Reformwillen. So werden derzeit Satzungsänderungen diskutiert, wonach sich der Verband für Andersgläubige und Wiederverheiratete öffnen will. Außerdem sollen Homosexuelle dieselben Mitgliedsrechte bekommen. Inwieweit das auch gleichgeschlechtliche Königspaare umfasst, ist allerdings ungeklärt.

Die Frage beschäftigt den Dachverband aber schon etwas länger. Ein schwuler Schützenkönig aus Münster hatte bereits 2011 Ärger, weil er seinen langjährigen Lebensgefährten zur "Königin" gemacht hatte. "Ich wollte eigentlich erst jemand anderen fragen", erzählte Dirk Winter (44) damals. Doch dann hätten ihn Freunde im Verein ermutigt: "Mach doch den Olli zur Königin."

Bald darauf erhielt Winter allerdings ein Schreiben des Dachverbandes. Zwar erlaubte dieser dem Paar, dass es beim Bundeskönigsschießen aufmarschierte. "Wir dürfen aber nicht nebeneinander gehen", berichtete Winter. Die Reihe davor und dahinter – nur das erlaubte der Verband damals. Aus Protest gründeten 35 homosexuelle Frauen und Männer 2012 in Köln die erste schwul-lesbische Schützenbruderschaft ( "St. Sebastianus und Afra Köln").

dpa/wer/caro

Foto: Schützenkönig Dirk Winter (r.) und sein Lebensgefährte Oliver.

In Münster gab es schon einmal ein schwules Schützenpaar: Schützenkönig Dirk Winter (r.) machte 2011 seinen Lebensgefährte Oliver zur "Königin".

Quelle: Christiane Schräder/dpa
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