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Nach der Katastrophe bei der Loveparade

Schwere Vorwürfe gegen Loveparade-Macher


NRW-Innenminister und Polizei erheben schwere Vorwürfe gegen die Veranstalter der Loveparade: An kritischen Punkten seien zu wenig Ordner gewesen. Anweisungen der Beamten seien nicht umgesetzt worden. Dem Polizeisprecher kommen bei seinem Bericht die Tränen.
© afp

Vier Tage nach der Katastrophe bei der Loveparade hat der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger schwere Vorwürfe gegen den Veranstalter erhoben. Die Organisatoren hätten ihr Sicherheitskonzept im Eingangsbereich nicht umgesetzt, sagte der SPD- Politiker. Er präsentierte am Mittwoch in Düsseldorf einen vorläufigen Bericht der Polizei zur Massenpanik vom Sonnabend. In der Nacht zum Mittwoch erhöhte sich die Zahl der Toten auf 21. Eine 25 Jahre alte Frau aus Heiligenhaus bei Essen starb im Krankenhaus.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ordnete zur Trauerfeier am Sonnabend bundesweit eine Trauerbeflaggung an. Der ökumenische Gottesdienst soll am Sonnabend um 11 Uhr in der Duisburger Salvatorkirche stattfinden.

Minister Jäger sagte vor der Presse, er finde es „unerträglich“, wenn Verantwortung auf Seiten der Stadt oder des Veranstalters abgeschoben werde. Die Loveparade wurde von der Lopavent GmbH organisiert. An ihrer Spitze steht der Fitness-Unternehmer Rainer Schaller. Sowohl Schaller als auch der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland sind seit dem Unglück in der Kritik.

Der Innenminister bemängelte jetzt Schwachstellen beim Zusammenwirken mit der Polizei. Er stelle sich eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt, die die Genehmigung der Polizei erst kurz vorher ausgehändigt habe, anders vor, sagte Jäger. Sie soll erst Sonnabend gekommen sein.

Der nordrhein-westfälische Polizeiinspekteur Dieter Wehe schilderte die dramatischen Abläufe am Unglückstunnel. Dabei kamen ihm Tränen, als er über die zu Tode gequetschten Menschen sprach.

Wehe und Jäger erläuterten, dass an kritischen Punkten zu wenig Ordner des Veranstalters gewesen seien. Außerdem seien Anweisungen der Beamten nicht umgesetzt worden.

Wehe berichtete, die Polizei habe schon vor der Loveparade Bedenken zum Tunnel geäußert. Am Katastrophen-Sonnabend seien dann 4000 Landespolizisten und 1300 Bundespolizisten im Einsatz gewesen. Der Veranstalter habe das Gelände später als geplant geöffnet - erst nach 12.00 Uhr. So entstand früh Druck durch heranströmende Menschen.

Der Tunnel als Nadelöhr zum Gelände hat eine Kapazität von 30.000 Menschen pro Stunde. Es sei dann eine größere Menschenmenge am Tunnel geblieben und habe einen Rückstau verursacht. Um 15.30 Uhr erhielt die Polizei den Hilferuf der Veranstalter.

Der Veranstalter habe die Ordner um 15.46 Uhr angewiesen, die Schleusen zu sperren, damit keine Menschen in den überfüllten Tunnel nachströmen. Dies sei aber nicht umgesetzt worden, sagte Wehe. Die Veranstalter hätten zudem Zaunelemente entfernt, um Krankenwagen durchzulassen. Durch die Lücken seien dann Menschen eingeströmt.

Die vorhandenen Ordner hätten nicht ausgereicht. Sie hätten die Besucher im Eingang zum Weitergehen auffordern sollen. Um 17.02 Uhr seien der Polizei erste Opfer auf der Rampe gemeldet worden.

Ein Absperrzaun sei umgerissen worden und die Menschen drängten zur Treppe an der Rampe. Dadurch habe sich der Druck enorm erhöht. Die umgerissenen Zäune hätten vermutlich als Stolperfalle gewirkt, schilderte Wehe.

Kurz vorher hatte die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, dass sich Lopavent als Veranstalter mehrfach über Bedenken der Behörden hinweggesetzt haben soll. So hätten die Veranstalter in ihrem Sicherheitskonzept 150 Ordner für den Bereich der Rampe und des Tunnels versprochen. Vermutlich seien dann aber weniger Ordnungskräfte eingesetzt gewesen, schrieb das Blatt.

Der Unternehmer Schaller hatte dagegen bisher betont, alle Auflagen der Behörden erfüllt zu haben. Schaller gibt der Polizei eine Mitschuld. Nach seinen Angaben ließ die Einsatzleitung alle Schleusen öffnen, wodurch der Besucherstrom unkontrolliert in den Tunnel gelangen konnte. Schaller wird vorgeworfen, aus Profitgier die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Das weist er zurück.

Auf Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland wächst der Druck ebenfalls. Der CDU-Politiker will einem Zeitungsbericht zufolge nicht an der geplanten Trauerfeier am Sonnabend teilnehmen. Sauerland wolle „die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und mit seiner Anwesenheit nicht provozieren“, sagte ein Sprecher der Duisburger Stadtverwaltung.

Die Zeitung „Rheinischen Post“ zitierte zudem Polizeikreise, dass auch Sicherheitsbedenken zur Absage geführt hätten. Es seien Morddrohungen gegen Sauerland ausgesprochen worden. Sauerland wird angegriffen, weil er die Loveparade unbedingt in Duisburg haben wollte und das Riesenfest genehmigte.

Bisher sind 13 Frauen und 8 Männer an ihren Verletzungen gestorben. Sie waren zwischen 18 und 38 Jahre alt. Mehr als 500 Menschen wurden verletzt. Am Mittwoch lagen noch 25 Menschen in Krankenhäusern. Das sagte ein Sprecher der Kölner Polizei. Zur Schwere ihrer Verletzungen konnte er keine Angaben machen. Die Massenpanik ist das nunmehr schwerste Unglück in Nordrhein-Westfalen seit fast 40 Jahren.

Den Gedenkgottesdienst für die Toten werden der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, leiten. Er ist auch amtierender Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Inzwischen gab es erste private Trauerfeiern. In Münster nahmen Familie und Freunde in aller Stille Abschied von drei getöteten Studentinnen.

Politisch werden die Rufe nach Konsequenzen für künftige Großveranstaltungen lauter. So will das Land Nordrhein-Westfalen neue bundeseinheitliche Regelungen für solche Events erreichen. Das Bundesinnenministerium begrüßte den Vorschlag, Kommunen bei der Organisation von Großveranstaltungen zu helfen. Die Innenministerkonferenz von Bund und Ländern will sich mit dem Thema beschäftigen.

dpa

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  • Mal schön langsam jk – 28.07.10
    So einfach wie die Mitschuld von Schaller als Veranstalter jedem klar sein dürfte - und diese wird nun umgehend nach weiter unten zu den einzelnen Ordnern durchgereicht werden - so einfach sollte auch die Verantwortung von Bürgermeister, Polizei und Landespolitik klar sein.

    Wirklich einzig und alleine verantwortlich gezeigt hat sich der Duisburger Baudezernatsleiter Jürgen Dressler, der aufgrund der ihm vorliegenden Informationen jede Verantwortung für diese Veranstaltung im Vorfeld ablehnte, weil er den Wahnsinn kommen sah und sich auch nicht unter Druck setzen ließ.

    Wie es im Moment aber scheint, hat man sich auf seiten der Politk und der Polizei auf den Veranstalter Schaller eingeschossen. So wenig ich diesen mag, so einfach ist es eben nicht.

    Ich, als Bürger, muß mich auf die Ordnungsbehörden dieses Staates oder/und einer Stadt verlassen können.

    Dazu gehört eben auch, dass das Ordnungsamt einer Stadt eine solche Veranstaltung, welche vom Veranstalter nachweislich vollkommen unverantwortlich geplant wurde, eben NICHT genehmigt.

    Als letzte Instanz sehe ich die Polizei und den Polizeipräsidenten, welcher aufgrund seiner Position ebenso eine solche Veranstaltung ebenfalls verhindern kann.

    All dies ist nicht geschehen.

    Diese Amtsträger - Stadt und Polizei - sind für die Sicherheit der Bürger VERANTWORTLICH und haben kraft ihres Amtes dafür zu sorgen, dass wenn ein privater Veranstalter, welcher aufgrund Geldgeilheit oder Unfähigkeit den Überblick verloren hat, dass den Bürgern dennoch kein Schaden entsteht.

    Da hilft auch kein Herausgerede, wer für welches Areal in Duisburg verantwortlich war.

    Wer erst am Samstagmorgen die Genehmigung für eine am gleichen Tag stattfindende Großveranstaltung mit erwartet 1,4 Millionen Menschen unterschreibt, hatte selber den Wahnsinn vor Augen, nahm eventuelle Todesopfer in Kauf und unterschrieb trotzdem.

    Selbst die Gründe, Umstände oder andere Ursachen für eine solche Unterschrift sind vollkommen egal.

    Die Unterschrift wurde geleistet und muß nun verantwortet werden. Sie verursachte bis heute 21 tote Menschen und 511 teils Schwerverletzte.

    Alle vier Herren der damaligen Pressekonferenz sind vor diesem Hintergrund knastreif, da sie - aus welchen Gründen auch immer - aufgrund der Umstände zu erwartende Todesopfer billigend in Kauf genommen haben.

    Ein weiterer Umstand taucht überhaupt nicht mehr in der Presse auf: Die Bundespolizei lies am nächsten Tag sämtliche Unterlagen (Einsatzpläne, Karten, EMails) von ihren Computern verschwinden - Quelle Spiegel !

    Warum hören wir davon nichts mehr ?

    Ich warte auf den Moment, wo festgestellt wird, dass der Veranstalter ein bis drei gehbehinderte Rentner an den falschen Zugangstoren postiert hatte und diese drei armen Rentner nach Durchlass eines Rettungswagens dieses Tor nicht mehr rechtzeitig schliessen konnten.

    Damit ist dann die Politik und die Polizei raus, der Veranstalter gibt die Schadensersatzforderungen an die axa oder an die Rentner weiter und selbige scheiden alsbald aus dem Leben, damit auch die letzte Schuld-Adresse im Sande verläuft.

    Eine solche Entwicklung würde mich keinesfalls überraschen.

    Vergessen wir übrigens nicht die jetzt allzu schlaue Frau Hannelore Kraft am 25.01.2010 zu zitieren:

    "Essen (ots) – NRW-SPD-Chefin Hannelore Kraft fordert von der Landesregierung schnelle und unbürokratische Hilfe, damit die in Duisburg geplante Loveparade 2010 nicht platzt. "Die Loveparade ist ein Stück Jugendkultur, die ins Jahr der Kulturhauptstadt gehört", sagte Kraft im Gespräch mit den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe (Montag-Ausgaben). Eine zusätzliche Hilfe könne sein, als Land Sponsoren für die große Techno-Party einzuwerben. "Oberstes Ziel für NRW ist: Die Loveparade 2010 gehört ins Ruhrgebiet", so die SPD-Chefin. Dem Spektakel droht nach 2009 zum zweiten Mal eine Absage, weil die Stadt Duisburg wegen hoher Verschuldung für eine Spaßveranstaltung kein Geld ausgeben darf. Das NRW-Innenministerium prüft derzeit, ob für den Liebesaufmarsch eine Ausnahme ermöglicht werden kann."

    Auch die jetzt so schlau daherredende Frau Kraft hat diesen tödlichen Druck mit aufgebaut, der dazu führte, jegliche Bedenken in den Wind zu schlagen.

    Sie wäre eine der ersten Personen, welche den Mund halten sollten...
  • Versicherung Leser – 28.07.10
    Der Leser ist freiberuflich tätig und hat sein bescheidenes Geschäft mit 2,5 Mio Euro für Personenschäden versichert. 2,5 Millionen mal geschätzte 1 Millionen Teilnehmer... ergibt 7,5 Millionen Euro Versicherungssume für die Loveparade? Das soll dem Leser mal einer erklären.
  • Megaevents ? – 28.07.10
    Da kann man mal sehen was Geltungssucht, Raffgier und Habsucht alles anrichten können.
    Die Veranstalter, die solche Events mit menschenverachtender Arroganz durchziehen, ohne auf Warnungen und Sicherheitsrisiken zu reagieren, sollten mit aller Härte bestraft werden.
    Wenn schon kein Gefängnis, dann hohe Geldstrafe und Berufsverbot als Eventmanager.
    Wahrscheinlich wird sich die Aufklärung aber wie immer lange hinziehen und am Ende werden kleine Angestellte und Beamte als Bauernopfer den Kopf hinhalten müssen.
    Oft ist es auch so, dass diese Veranstalter die Durchführung für ihre dubiosen Events, von selbstständigen freien Mitarbeitern machen lassen, auf die dann die Verantwortung abgeschoben werden kann.

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