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Junge wegen selbst gebauter Uhr festgenommen

Obama schaltet sich ein Junge wegen selbst gebauter Uhr festgenommen

Begonnen hat es als kleiner Fall: In den USA hält eine Lehrerin die selbst gebaute Uhr eines Schülers für eine Bombe, die Polizei führt ihn deshalb ab. Doch nun schaltet sich sogar Obama ein – der Fall des Jungen sagt viel über die gesellschaftliche Situation in den USA.

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Ahmed durfte drei Tage lang nicht zur Schule gehen, weil seine Lehrerin dachte, er habe eine Bombe gebaut.

Quelle: Youtube/The Dallas Morning News

Irving. Der 14-jährige Ahmed Mohamed, dessen selbst gebaute Uhr in einer texanischen Schule mit einer Bombe verwechselt wurde, bekommt mächtige Unterstützung. Niemand anderes als US-Präsident Barack Obama schrieb auf Twitter: "Coole Uhr, Ahmed. Magst Du sie ins Weiße Haus bringen?" Der Fall des dunkelhäutigen Jungen mit muslimischem Hintergrund wurde am Mittwoch zum Politikum.

Der Neuntklässler war am Montag im texanischen Irving mitten aus dem Unterricht heraus von der Polizei abgeführt und verhört worden, weil seine Englischlehrerin die aus mehreren Drähten und Schaltteilen zusammengebaute Uhr für eine Bombe gehalten hatte. "Wir sollten mehr Kinder wie Dich dazu bringen, Wissenschaft zu mögen", twitterte Obama nun am Mittwoch. "Es ist das, was Amerika groß macht."

Die Bauteile der Uhr hatten aus Ahmeds Schulranzen geragt, und die Uhr hatte während der Stunde gepiept. Die Beteuerungen des Jungen waren vergebens. Er wurde abgeführt, von sechs Polizisten vernommen, ihm wurden Fingerabdrücke abgenommen und er wurde stundenlang festgehalten.

Irvings Polizeichef Larry Boyd sagte in einer Pressekonferenz am Mittag, Ahmed habe keine Konsequenzen zu befürchten. Er fügte hinzu: "Wir leben in einer Zeit, in der man sowas einfach nicht mit zur Schule nehmen kann." Die Polizei habe völlig unabhängig von der Religion des Jungen gehandelt. "Natürlich" sei diese Uhr erstmal verdächtig gewesen, sagte Boyd. Die Handschellen hätten nur der Sicherheit des Jungen und der Polizisten gedient.

Die Angst vor Terror und Anschlägen nimmt in den USA mitunter extreme Züge an. Fast jede Schule hat ein festes Ablaufprotokoll für Zwischenfälle. "Wir haben quer durch das Land so entsetzliche Dinge an unseren Schulen gesehen, dass wir lieber auf Nummer sicher gehen", sagte Boyd.

Obamas Sprecher Josh Earnest sagte, Ahmeds Arrest sei ein lehrreicher Moment für das ganze Land. "Wir müssen uns ein paar schwierige und bohrende Fragen stellen", falls Ahmed wegen seines muslimischen Hintergrunds arrestiert worden sei. Das Weiße Haus freue sich, Ahmed zu seiner Astronomienacht einzuladen. Dort verbringen Astronauten und Wissenschaftler Zeit mit jungen Leuten. "Wir hoffen, dass Ahmed sich hier sofort zu Hause fühlt", sagte Earnest.

Die Zeitung "Dallas Morning News" zeigte ein Video des Jungen, der in seinem Zimmer – das einem Elektrolager gleicht – sehr ernst in die Kamera spricht. Ahmed sagte, er liebe das Basteln. In der Middle School war er Mitglied des Roboterclubs. "Jetzt, an der High School, weiß keiner so richtig, was ich mache", sagte er. Also schraube er einfach wie früher an Sachen.

Ahmeds vor Jahren aus dem Sudan eingewanderter Vater sagte: "Ahmed möchte gute Sachen für die Menschen erfinden. Aber weil er Mohamed heißt und auch wegen des 11. September, ist er schlecht behandelt worden." Ahmed durfte drei Tage lang nicht zur Schule gehen. Er hat geschworen, nie mehr eine Erfindung mit zur Schule zu nehmen.

Das Haus seiner Familie war am Mittwoch von Kamerateams umlagert. Ahmeds Schwestern (18 und 17) hatten sofort den Twitter-Account @istandwithahmed (etwa: Ich halte zu Ahmed) kreiert, weil ihr Bruder selbst es nicht so mit Social Media habe. Er hatte am Nachmittag (Ortszeit) bereits über 28.000 Follower.

In diese Welle sprang auch Hillary Clinton, die für die Demokraten im Wahlkampf ist. "Annahmen und Furcht schützen uns nicht", schrieb sie bei Twitter. "Ahmed, bleib neugierig und bau weiter." Ahmeds Schwester Ayisha sagte der "Dallas Morning News" über ihren nun berühmten Bruder: "Das ist alles Segen und Fluch. Ahmed wird nie mehr so leben können wie vorher."

Von Martin Bialecki

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