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Silvesterübergriffe: Was wir bisher wissen

Köln und Hamburg Silvesterübergriffe: Was wir bisher wissen

Was ist geschehen in der Nacht der massenweisen Übergriffe von Köln und Hamburg? Nur langsam kommt Licht ins Dunkel. Bundesjustizminister Heiko Maas hält einen Zusammenhang beider Ereignisse für möglich. Die Polizei gerät in die Kritik. 

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Nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht verstärkte die Polizei die Präsenz in der Kölner Innenstadt.

Quelle: Maja Hitij

Fast eine Woche nach den massiven Übergriffen auf Dutzende Frauen in Köln und Hamburg wird das ganze Ausmaß der dramatischen Silvesternacht bekannt. 

Was wir bisher wissen:

  • Am Silvesterabend versammelten sich nach Polizeiangaben etwa 1000 Männer auf dem Bahnhofsvorplatz. Viele waren betrunken und völlig enthemmt. Feuerwerkskörper wurden in die Menge gefeuert, die Stimmung war aggressiv. Die Polizei räumte den Platz vorübergehend.
  • Es bildeten sich kleinere Gruppen von Männern, die Frauen umzingelten, sexuell belästigten und ausraubten. Die Kölner Polizei hat eine erste Spur und vier Tatverdächtige identifiziert, zwei Männer befinden sich bereits seit Sonntag in Untersuchungshaft.
  • Inzwischen wurden in Köln mehr als 100 Anzeigen erstattet, in Hamburg über 50. Zahlreiche Frauen sollen ausgeraubt oder belästigt, zwei vergewaltigt worden sein. Drei Viertel der Anzeigen in Köln und Hamburg haben nach Polizeiangaben einen sexuellen Hintergrund.
  • Es gibt bisher keine Hinweise darauf, dass es sich bei den Tätern um Flüchtlinge handeln könnte. Das betonte Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) in der Pressekonferenz am Dienstag.
  • Die Polizei sieht sich weiter heftiger Kritik ausgesetzt, weil sie zu spät auf die aggressive Menschenmenge vor dem Kölner Hauptbahnhof reagiert haben soll und erst zwei Tage nach den Übergriffen über die Vorfälle informierte.

Was noch unklar ist:

  • Wer die Täter sind. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) zufolge haben die Ermittler drei Verdächtige ermittelt. Die Beweisführung gestalte sich einer Polizeisprecherin zufolge als sehr schwierig, was vor allem an der Gemengelage liege. Es war dunkel, die Täter konnten in der Menschenmasse untertauchen. Bislang gibt es laut Polizei keine Belege, dass Asylbewerber darunter waren.
  • Ob es sich um eine organisierte Bande handelt oder sich die Täter vorab verabredet haben – dazu hat die Polizei in Köln noch keine Erkenntnisse. "Es scheint allerdings seltsam, dass das alles zufällig passiert ist", so die Sprecherin.
  • Ebenfalls unklar ist, ob die Übergriffe einer neuen Masche des Trickdiebstahls folgten, ähnlich der "Antänzer"-Methode. Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers zufolge haben die Silvestervorfälle ein neues Ausmaß gezeigt. Frühere Opfer der "Antänzer" seien in der Regel Männer gewesen, das habe sich nicht im sexuellen Bereich abgespielt.
  • Ob es Zusammenhänge zu den Taten in Hamburg und weiteren Städten gibt, ist auch offen. Die Polizeisprecherin sagte lediglich, dies sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) lässt wegen der Dimensionen prüfen, ob es einen Zusammenhang zwischen den Taten in Köln und ähnlichen Attacken in Hamburg gibt. "Das Ganze scheint abgesprochen gewesen zu sein," sagte Maas im ZDF-"Morgenmagazin". "Es wäre schön, wenn das keine Organisierte Kriminalität wäre, aber ich würde das gerne mal überprüfen, ob es im Hintergrund Leute gibt, die so etwas organisieren." Dagegen gehen Hamburger Ermittler bislang nicht von Verbindungen aus.

Reaktionen:

  • Nach den Übergriffen ermittelt nun die Abteilung für die Bekämpfung der organisierten Kriminalität der Staatsanwaltschaft Köln. "Tat- und Täterbeschreibungen lassen es derzeit zumindest nicht als ausgeschlossen erscheinen, dass das Geschehen organisierten Täterstrukturen zuzurechnen ist", teilte die Behörde mit. Die Kölner Polizei stockte ihre Ermittlungsgruppe auf.
  • Politiker forderten ein hartes Vorgehen gegen die Täter. Die Polizei habe drei Verdächtige ermittelt, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) in Düsseldorf. Es habe aber bislang keine Festnahmen gegeben. Die Ermittlungen seien schwierig.
  • Vor allem die Polizei sieht sich weiter heftiger Kritik ausgesetzt. Die Kölner Polizeiführung räumte zwar ein, am Neujahrsmorgen falsch über die Ereignisse der Nacht berichtet zu haben. In einer Erklärung hatte sie die Lage zunächst als recht entspannt beschrieben und sich selbst gelobt. Kritik am Einsatz wies sie allerdings zurück. "Wir waren nicht überfordert", sagte Polizeipräsident Wolfgang Albers. In den ARD-"Tagesthemen" bemängelte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) den Einsatz der Kölner Beamten: "Da wird der Platz geräumt – und später finden diese Ereignisse statt, und man wartet auf Anzeigen. So kann die Polizei nicht arbeiten." NRW-Innenminister Jäger entgegnete, auch im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei habe es Übergriffe gegeben. Die Bundespolizei untersteht dem Bundesinnenminister.
  • Weiter mahnte Bundesinnenminister de Maizière, zunächst seien die Ermittlungen zu den Hintergründen der Vorfälle in Köln abzuwarten. Er brachte aber angesichts der jüngsten Übergriffe eine mögliche Verschärfung der Vorgaben für straffällige Asylbewerber ins Gespräch: Bislang gelte in Deutschland die Regel, dass sich erst eine Freiheitsstrafe von drei Jahren ohne Bewährung auf ein Asylverfahren auswirke. "Wir werden darüber zu reden haben, ob das nicht geändert werden muss."
  • Dagegen verlangte FDP-Chef Christian Lindner personelle Konsequenzen an der Spitze der Polizei. CSU-Chef Horst Seehofer forderte ein hartes Vorgehen gegen die Täter. Die Übergriffe seien "erschütternd" und "unsäglich", sagte Bayerns Ministerpräsident bei der CSU-Klausurtagung in Wildbad Kreuth.
  • Gegen Vorwürfe wehren muss sich die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Sie zog mit einer Verhaltensempfehlung an Frauen Spott im Internet auf sich. "Es ist immer eine Möglichkeit, eine gewisse Distanz zu halten, die weiter als eine Armlänge betrifft", hatte sie vor Journalisten auf die Frage geantwortet, wie man sich als Frau besser schützen könne. Reker verteidigte sich am Mittwoch und sagte: "Durch die verkürzte Darstellung in einzelnen Medien ist teilweise der Eindruck entstanden, meine Präventionsinitiativen würden sich ausschließlich auf Verhaltenstipps für Frauen und Mädchen beschränken." Davon könne gar keine Rede sein.
  • In der Hansestadt Hamburg wurden Frauen nahe der Reeperbahn in der Silvesternacht von mehreren Männern umringt und an der Brust oder im Intimbereich begrapscht. Die Opfer seien zwischen 18 und 25 Jahre alt gewesen. Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) bezeichnete die Übergriffe als Schande.

dpa/abr

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