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Sind Miss-Wahlen noch zeitgemäß?

Zu perfekt, um wahr zu sein Sind Miss-Wahlen noch zeitgemäß?

Im Abendkleid beim „Bachelor“ oder auf Stöckelschuhen bei „Germany’s Next Topmodel“: Deutschland ist mal wieder auf der Suche nach der perfekten Frau - ob an der Seite eines Mannes oder auf dem Laufsteg. Aber brauchen deutsche Frauen so ein Vorbild?

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Die 24 Kandidatinnen zur Wahl der "Miss Germany" posieren am 30.01.2016 im Europa-Park in Rust (Baden-Württemberg) für den Fotografen.

Quelle: dpa

Berlin. Auf Schritt und Tritt werden die Kandidatinnen von der Jury und den Fernsehzuschauern beobachtet. Doch nicht nur im TV lassen sich Frauen ihre Schönheit bewerten: Ohne Kamera - dafür mit steifem Lächeln und perfekter Pose - wird dieser Tage um die Krone der neuen „Miss Germany“ gekämpft. Eine Parallelwelt, die vielen als verstaubt gilt. Ist das noch zeitgemäß?

Sophie Imelmann aus Stelingen ist in der Ernst-August-Galerie in ihrer knallroten Robe zur Miss Niedersachsen 2016 gekürt worden.

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Das Schaulaufen der Schönen geht seit 1927 jährlich über die Bühne. Es zählt deutschlandweit zu den traditionsreichsten und bedeutendsten Schönheitswettbewerben. Noch ist Olga Hoffmann (24) die amtierende „Miss Germany“, vom 20. Februar an wird ihre Nachfolgerin den Titel für ein Jahr tragen. 24 Kandidatinnen kommen dafür derzeit infrage. Sie vereint vor allem ein Wunsch: „Die Mädchen haben Lust auf die Bühne und wollen Beifall kriegen“, sagt Horst Klemmer, der in den 1960ern die „Miss Germany Corporation“ gründete.

Am 20. Februar wird die Miss Germany gewählt. Bis dahin trainieren die Gewinnerinnen der Landeswahlen fleißig an ihrem Auftritt.

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„Das Showgeschäft scheint die jungen Mädchen zu elektrisieren.“ So war es vor fünfzig Jahren, so ist es heute, sagt der 79-Jährige. Und es werden immer mehr: Gut 5000 bewarben sich allein in dieser Runde, wie Klemmer sagt. Von zehn Jahren waren es etwa 700. Der unumstrittene Leitfaden, an dem sich die Juroren orientieren, folgt den Kriterien: Anstand, Manieren und makelloses Aussehen. Nur wer das bietet, hat Chancen auf die Schärpe. Daran konnte das heutige Bild der Frau nicht rütteln; der Emanzipation seit den 1920ern zum Trotz.

Bei der Wahl der schönsten Frau der Welt ist Moderator Steve Harvey am Sonntag ein peinlicher Schönheitsfehler unterlaufen: Der Comedian erklärte bei der Show in Las Vegas zunächst die falsche Kandidatin zur "Miss Universe".

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Einen wichtigen Unterschied gebe es dennoch: „Unsere Mädchen müssen reden können“ - und das viel mehr als früher, sagt Klemmer. Mit Politikern vor laufender Kamera, am besten rhetorisch gewandt über gesellschaftlich relevante Themen. Mitte November vergangenen Jahres war die gebürtige Ukrainerin Hoffmann etwa bei Bundesinnenminister Thomas de Mazière (CDU) zu Gast, um über „Heimat - Identität - Glaube“ zu diskutieren. Und das habe sie „hervorragend“ gemeistert, wie Klemmer findet.

Schlau statt nur hübsch - ist das der Grund, weshalb das steife Lächeln der „Miss Germany“ bis heute überlebt hat? „Schönheitswettbewerbe inszenieren all das, was normale Frauen auch tun“, sagt Professorion Paula-Irene Villa, die an der Ludwig-Maximilian-Universität in München im Bereich Gender Studies forscht. Sie seien gewissermaßen ein Spiegel der Frauenbilds, wenn auch in überspitzter Form.

„Auch früher wurde nie gesagt, dass es nur darauf ankommt, gut auszuschauen“, sagt Villa. Heute sei das Stereotyp einer gelungenen Frau nur vielschichtiger. Gute Bildung, was im Kopf haben, eigenständig für sich zu sorgen, sich um andere zu kümmern, Talente zu haben - idealerweise verkörpere „Miss Germany“ genau das in Perfektion und unendlich optimiert. „Das ganze Leben ist gewissermaßen ein Laufsteg und all das sind Qualitäten, von denen wir wissen, das wird auch von der richtigen Frau im Alltag erwartet.“

Auf der einen Seite Alphaweibchen, auf der anderen Seite Barbie. Denn egal wie emanzipiert die Anwärterinnen auf den Titel sind: Die Knigge-Regeln und das perfekte Lächeln müssen sitzen - wie vor 50 Jahren. Und auch das sagt aus Sicht von Nina Degele einiges über die Gesellschaft aus. „Schönheitswettbewerbe haben etwas Anachronistisches“, sagt die Professorin für Geschlechterforschung an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Das Festhalten an diesem Muster stellt in ihren Augen auch eine gewisse Sehnsucht nach Sicherheiten und Regeln dar. „Denn ist es nicht auch schön, wenn man sagen kann: Das ist die Schönste, das hat eine internationale Jury festgestellt? Ich glaube, das hat für viele Menschen etwas unglaublich Beruhigendes.“

dpa

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