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Dieser Turnschuh kostet 1000 Euro

Sneaker sind im Trend Dieser Turnschuh kostet 1000 Euro

Turnschuhe haben sich längst vom Sportartikel zum Lifestyleprodukt entwickelt. Auch Promis inevstieren in Luxus-Sneaker. Bis zu 1000 Euro muss man für ein von Kanye West entworfenes Modell auf den Tisch legen.

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Yeezy Boost ist der neueste Sneaker von Rap-Superstar Kanye West.

Quelle: dpa

Hannover. Die Rendite ist traumhaft: 300 Prozent – und das innerhalb eines Jahres. Während die Zinsen auf dem guten alten Sparbuch von der Inflation aufgefressen werden, lässt sich woanders gewinnbringend investieren. Zum Beispiel in den Yeezy Boost 350. Das ist weder eine Rakete noch eine Silicon-Valley-Tech-Aktie. Es ist ein Turnschuh.

Yeezy Boost ist der neueste Sneaker von Rap-Superstar Kanye West, den er gemeinsam mit Adidas herausgebracht hat. Ladenpreis in den USA: 200 Dollar. Beim Internetportal StockX, auf dem Schuhe wie Aktien gehandelt werden, geht der Schuh für mindestens 800 Dollar weg, Amazon listet ein Modell für gut 1000 Euro.

Vom Sportartikel zum Lifestyle-Produkt

Turnschuhe haben sich längst vom Sportartikel zum Lifestyleprodukt entwickelt, mit jeder Sonderedition der großen Marken dreht sich die Hype-Spirale weiter. Wer etwas auf sich hält, fährt nicht Ferrari, er trägt das richtige Paar Sneaker. Oder stellt sie sich ins Regal.

In den USA, aber auch in Deutschland campieren Fans vor den Geschäften, wenn wieder ein extrem limitierter Schuh in die Läden kommt. Mit so etwas hat in Naugatuck, Connecticut, wohl niemand gerechnet, als die U. S. Rubber Company vor 100 Jahren die Marke Keds schuf. Die Firma produzierte als erste Sportschuhe mit Gummisohlen in Serie. Weil die – anders als Schuhe mit Ledersohlen – nur leise quietschten und man sich so anschleichen konnte, entwickelte sich der Begriff Sneaker (vom englischen "to sneak": anschleichen). Ein Jahr darauf begann die Produktion des Converse Allstar, der vor allem unter dem Namen Chuck bekannt wurde. Wer den trug, galt in den Siebzigerjahren als Punk – und Turnschuhe zum Anzug als Zeichen, dass man auch anders konnte.

Prominente Sneaker-Sammler

Nicht zuletzt weil auch Prominente wie Fußballnationalspieler Jérôme Boateng mit ihren Schuhen protzen, ist der Edel-Sneaker längst im Mainstream ­angekommen. In der Sneaker-Szene sind nicht alle glücklich darüber, wie sich der Rummel um die Schuhe entwickelt hat. "Neuerdings ist es en vogue, sich Sneaker-Sammler zu nennen", sagt Hoschi Morano. Viele der heutigen Sammler seien "getrieben von den Marketingabteilungen der Hersteller", den Bloggern und den Instagrammern, meint der 46-Jährige.

Jérôme Boateng : Der Nationalverteidiger und Bayern-München-Star (27) hat im Keller seines Hauses in München gleich zwei Räume für seine Schuhkollektion eingerichtet. Etwa 600 Paar sind es, darunter wertvolle Exemplare aus der Nike-Air-Yeezy-Reihe. Neben Schuhen der großen Sportschuhmarken besitzt er auch welche von Gucci und anderen Edelmarken. Sein erster Schuh war dagegen bodenständig: Es war ein Chuck.
 
Oliver Korittke : Niemand weiß, wer die größte Sneaker-Sammlung in Deutschland besitzt. Der Schauspieler (48) wäre aber wohl ein Anwärter auf den Titel. Er besitzt 2500 Paar Turnschuhe, von denen er allerdings nur 400 Paar in seiner Wohnung hat. Der Rest ist eingelagert. Viele der Sneaker habe er sogar noch nie getragen, sagt Korittke.
 
Mark Wahlberg : Die Kollektion des Hollywoodstars und Ex-Boyband-Sängers (45) ist mit etwa 140 Paar zwar nicht riesig,  aber trotzdem wertvoll. Nicht zuletzt, weil drei Paare zusammen bereits etwa 40 000 Dollar wert sind. Alle drei sind Sondereditionen des Air Jordan. Der Gesamtwert von Wahlbergs Sammlung liegt bei über 100 000 Dollar.

"Design für schnelle Füße"

Morano selbst zählt sich zur "Sneaker-Generation eins". Etwa 200 Paar Schuhe hat er zu Hause – und ist in der Szene bestens vernetzt. So gut, dass er jüngst das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe beraten hat, das derzeit die erste Ausstellung zum Thema Turnschuh in Deutschland zeigt. "Sneaker. Design für schnelle Füße" (läuft noch bis 28. August) zeigt, na klar, Schuhe, aber vor allem die aufwendig gestalteten Plakate, mit denen für sie geworben wurde. Morano selbst kauft Schuhe, um sie anzuziehen. Aber er kennt auch viele Sammler, die sich die teuren Stücke ins Regal stellen. Ihnen gehe es darum, zum Beispiel alle Modelle einer Serie zu besitzen. Wie vom Nike Air Jordan, der inzwischen bei Ausgabe Nummer 30 angekommen ist. Als der erste Schuh in den Achtzigerjahren auf den Markt kam, war das so etwas wie der Urknall der Sneaker-Sammlerszene. Die Hip-Hopper von Run DMC rappten über ihre Adidas, und "Sneakerheads", wie sich die Schuhliebhaber nennen, begannen die Modelle zu sammeln.

Während Morano die Größe der deutschen Szene vor wenigen Jahren noch auf 500 Leute geschätzt hätte, kauften in den vergangenen Jahren deutlich mehr Leute in großem Stil die so besonderen Turnschuhe. Und vielen gehe es nicht um Lifestyle, sondern ums Geld. "Da werden Shops leer gekauft, um die Schuhe einen Tag später für das Zwei- bis Dreifache weiterzuverkaufen." Das mache es für normale Käufer schwer, Schuhe zu ergattern, die nur in kleinen Stückzahlen hergestellt werden – auch weil die Wiederverkäufer teilweise raffinierte Computerprogramme einsetzen, die automatisch Online-Shops abgrasen und so den Markt leer fegen.

"Hoffentlich sind Birkenstock-Sandalen das nächste große Ding, und die Sneaker-Blase platzt", sagt Morano. Noch spricht allerdings wenig dafür. Adidas und Kanye West bringen demnächst einen neuen Yeezy auf den Markt – die ersten Fans schultern sicher schon ihre Zelte.

Von Christian Franke

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