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Wohin mit den alten Klamotten?

Altkleider Wohin mit den alten Klamotten?

Endlich wieder Platz im Kleiderschrank! Die alten Wintersachen sind ausgemistet, die neue Sommermode kann eingekauft werden. Doch wohin mit den alten Klamotten?

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Die alten Winterklamotten sind ausgemistet, die neue Sommermode kann eingekauft werden. Doch wohin mit den alten Klamotten?

Quelle: Arno Burgi/dpa

Hannover. Nun liegt er da auf dem Bett, der Berg ausgemusterter Jacken, Blusen, Röcke und Hosen und wir fragen uns: Wohin damit? Schließlich ist ja alles noch irgendwie tragbar. Also tun wir mit unserem Überschuss etwas Gutes und bringen das ganze Zeug zum Altkleidercontainer. Aber was passiert eigentlich danach mit unserer Kleidung? Wird sie tatsächlich an Bedürftige weitergegeben, so wie wir uns das vorstellen?

Das ist leider nicht immer der Fall. Keinesfalls sollte man die Kleidung blind in den nächsten Container werfen, warnen Verbraucherschützer und karitative Organisationen. Denn die Sammlung von Altkleidern in Containern ist ein kompliziertes Geschäft – das obendrein noch ziemlich lukrativ ist. Kein Wunder also, dass auch viele schwarze Schafe ohne wohltätigen Hintergrund in den Städten mittlerweile illegal ihre Sammelbehälter aufstellen. Die darin abgegebenen Klamotten werden sortiert und anschließend mit Gewinn verkauft. Bedürftige haben davon nichts.

Organisationen in der Kritik

Selbst einige wohltätige Organisationen waren in den vergangenen Jahren in die Kritik geraten. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) etwa, das nach eigenen Angaben jährlich rund 100 000 Tonnen der insgesamt 1,1 Milliarden Tonnen in Deutschland aussortierter Alttextilien einsammelt. Wie eine Dokumentation des Norddeutschen Rundfunks im Jahr 2011 aufzeigte, mangelte es bei der Organisation damals an Transparenz. Für Verbraucher, so einer der Vorwürfe, sei nicht ersichtlich, dass ein Großteil der abgegebenen Kleidung gar nicht an Bedürftige weitergegeben, sondern an kommerzielle Abnehmer verkauft werde.

Die Kritik saß: "Die Erlöse, die das Rote Kreuz damit erzielt, fließen in unsere satzungsgemäßen Aufgaben", teilte das Rote Kreuz daraufhin in einer Transparenz-Initiative mit. Auf den Containern sind die Informationen über den weiteren Verbleib der Kleiderspenden mittlerweile ersichtlich. Wer sich genau erkundigen will, findet darauf eine Servicetelefonnummer. Auch andere karitative Organisationen folgen inzwischen diesem Beispiel.

Die wichtigsten Antworten

Doch worauf müssen wir eigentlich achten, damit wir unsere Altkleider nicht unwissentlich in einen „falschen“ Container werfen? Was gehört überhaupt hinein? Und was nicht? Und welche Alternativen gibt es? Die wichtigsten Antworten:

In welche Container kann man seine Kleidung guten Gewissens werfen?
"Man sollte vor allem darauf achten, dass die Container ordentlich beschriftet sind", sagt Jörg Lacher vom Bundesverband Sekundärstoffe und Entsorgung (BVSE). Auf den Containern sollten der Unternehmensname, die Firmenanschrift und eine Telefonnummer angegeben sein. „Am besten ruft man direkt an und stellt seine Fragen“, rät Lacher. Aber Vorsicht: Bei schwarzen Schafen könnten auch mal kostenpflichtige 0180-Nummern angegeben sein. Manchmal sind die Nummern auch gar nicht vergeben. Das Bonner Südwind-Institut, das sich für eine gerechte Weltwirtschaft einsetzt, empfiehlt, selbst bei karitativen Organisationen nachzuhaken, was mit der Kleidung nach der Abgabe geschieht. Jede Nachfrage nach dem Verbleib der Ware sei ein erster Schritt zu einem besseren Umgang, da die Organisationen auf diese Weise zu einer Kontrolle ihrer Vermarktungspraxis gezwungen würden.

Gibt es Zertifikate?
Ja, das im Jahr 2013 ins Leben gerufene BVSE-Qualitätssiegel zum Beispiel. Die teilnehmenden Unternehmen haben sich dazu verpflichtet, für Transparenz bei der Sammlung, nachvollziehbare Verwertungswege und den Schutz der Umwelt zu sorgen. Die Kleidungsstücke werden so weit wie möglich als Secondhand-Kleidung wiederverwendet. Die Teilnehmer verpflichten sich, nur genehmigte Container aufzustellen und diese mit Kontaktdaten und dem Zweck der Sammlung zu versehen. Die Verbraucherschutzzentralen stufen zudem das Label von FairWertung sowie das Siegel vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) als seriös und sicher ein.

In welchem Zustand sollte die abgegebene Kleidung sein?

Löchrige Hosen und ausgelatschte Schuhe gehören nicht in den Container, sondern in den Restmüll. "Minderwertige Kleidung wird so oder so aussortiert und zur thermischen Verwertung genutzt", erklärt BVSE-Sprecher Lacher. Wer seine kaputten Klamotten selbst wegwirft, macht den Sortierern weniger Arbeit.

Was darf in den Container?
Gut erhaltene und saubere Kleidung aller Art, Handtücher, Decken, Tischdecken, Gardinen oder Taschen gehören in den Container. Die Textilien sollten nicht lose, sondern in Tüten verpackt eingeworfen werden. Schuhe bindet man idealerweise zusammen, damit das Paar zusammenbleibt. Oftmals gibt es dafür auch eigene Sammelstationen.

Was passiert nach der Leerung des Containers mit der Kleidung?
Das ist von Sammelstelle zu Sammelstelle unterschiedlich. Zunächst einmal wird die Kleidung vorsortiert. Bei den Containersammlungen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) landen dabei rund 10 Prozent im Müll. Weitere 35 Prozent sind nicht mehr als Kleidung tragbar und werden zu Dämmstoffen oder Putzlappen verarbeitet. Die restlichen 55 Prozent werden zum größten Teil an ein Unternehmen verkauft, das die Klamotten in unterschiedliche Länder exportiert und dort weitervermarktet. Ein Zehntel dieser noch brauchbaren Kleidung wird in den DRK-Kleiderkammern direkt an Bedürftige abgegeben. Bei einigen Organisationen und Unternehmen landet ein kleiner Teil auch in deutschen Secondhandläden. Der Großteil wird außerhalb Deutschlands verkauft.

Warum wird Kleidung an Bedürftige in der Regel günstig verkauft und nicht kostenlos abgegeben?
Für den BVSE ist das unter anderem eine Frage der Menschenwürde: "Es ist grundsätzlich besser als Almosen, wenn jemand für den Wert der Kleidung einen kleinen Gegenwert geben kann", sagt Lacher. Das sieht auch das DRK so und teilt mit, dass es im Sinne der Entwicklungshilfe nicht sinnvoll sei, Armut im großen Stil durch Sachspenden zu bekämpfen. Darüber hinaus gehe es für die Organisationen und Unternehmen auch um Refinanzierung. Das Südwind-Institut, das sich unter anderem mit dem afrikanischen Markt befasst, wo viele Unternehmen eingekaufte Altkleidung anbieten, dagegen kritisiert diese Praxis. Der Handel mit sortierter Ware sei dort häufig kaum nachzuvollziehen, Schmuggel und Korruption sei die Folge. "Grundsätzlich geht es bei der Altkleiderweitergabe nicht um die Versorgung der Armen, sondern um höchstmögliche finanzielle Gewinne", sagt Experte Friedel Hütz-Adams. Die beste Kleidung aus den Altkleidersammlungen werde an zahlungskräftige Europäer verkauft, die zweite Wahl gehe nach Osteuropa und erst die dritte nach Afrika.

Was ist mit den Flüchtlingen in Deutschland? Können die nicht auch Kleidung gebrauchen?
Grundsätzlich ist es natürlich möglich, Flüchtlinge in Deutschland mit Kleiderspenden zu unterstützen. Viele Organisationen hätten in den vergangenen Monaten auch dazu aufgerufen, die Resonanz sei überwältigend gewesen, berichtet Lacher. Wer vor Ort helfen will, sollte am besten in Flüchtlingsheimen und Aufnahmezentren gezielt nachfragen, was im Moment benötigt werde, rät Sandra Grigentin-Krämer vom Südwind-Institut.

Wo kann man ausgediente Kleidung noch abgeben?
In vielen Städten gibt es Kleiderkammern von Wohlfahrtsverbänden. In der Regel wird die Kleidung dort direkt an Bedürftige weitergeben. Auch die Filialen der internationalen Entwicklungsorganisation Oxfam nimmt Kleidung an. Wer Textilien bei Haussammlungen abgeben möchte, sollte wie bei den Containern genau hinschauen, rät Lacher. Wer sammelt da eigentlich ein? Und was soll damit anschließend passieren?
 
Welche Alternativen gibt es noch?
Verzicht. "Wir konsumieren viel zu viel, geben uns danach dem Irrglauben hin, mit den aussortierten Stücken noch Gutes zu tun, um guten Gewissens weiter konsumieren zu können", sagt Südwind-Autor Hütz-Adams. Wirklich nachhaltig sei aber der Konsum in Maßen – und nicht in Massen.

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