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So fiebern Bond-Fans "Spectre" entgegen

Neuer Film kommt im Oktober So fiebern Bond-Fans "Spectre" entgegen

Geschüttelt, nicht gerührt – James Bond ist längst zum Kultobjekt geworden. Kurz vor der Veröffentlichung des neuen Films "Spectre" fiebern Fans dem Ereignis von nationalem Rang entgegen: Paddeltouren auf den Spuren des Geheimagenten und Cocktailkurse sollen die Wartezeit verkürzen.

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Schauspieler Daniel Craig bei den Dreharbeiten zum neuen Bond-Film "Spectre".

Quelle: Sony Pictures

Hannover. Zum einstigen Geheimdienst-Hauptquartier braucht man eigentlich nicht mehr zu fahren: Die postmoderne Burg am Themseufer steht ja gar nicht mehr. Sie wurde in die Luft gesprengt – sofern man dem James-Bond-Einsatz „Skyfall“ von 2012 Glauben schenken mag. Todtraurig hat Geheimdienstchefin M im Film geschaut, als ihr Arbeitsplatz vor ihren Augen explodierte.

Am Altaussee in Österreich haben die Dreharbeiten für den James-Bond-Film „Spectre“ begonnen.

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Zumindest im Kino arbeiten die MI6-Spione jetzt an einem weniger spektakulären Ort, man kann ihn mit Muskelkraft ansteuern. Dazu steigt man hinterm Camden Market in ein Kajak und paddelt auf dem entengrützigen Grand-Union-Kanal zu einem Tunneleingang. In dieser düsteren Höhle dürfte James Bond alias Daniel Craig im kommenden Bond-Spektakel „Spectre“ verschwinden, um sich von Waffenmeister Q mit tödlichem Spielzeug ausrüsten zu lassen. Die Zentrale der Kino-Auslandsagenten ist im Untergrund zu finden.

Die Paddeltour hat der Veranstalter „Brit Movie Tours“ schon jetzt in seinem Bond-Programm. Dabei startet „Spectre“ erst Ende Oktober in den englischen Kinos, in Deutschland am 5. November. Die Geheimniskrämerei rund um den angeblich 300 Millionen Dollar teuren Film hat offenbar wenig gefruchtet: Die Londoner Fans sind 007 dicht auf der Spur.

Dieses Mal war das Ausspionieren der Filmemacher allerdings etwas einfacher: Nach einem Hackerangriff aufs Sony-Studio kursierte zeitweilig das Drehbuch von „Spectre“ im Netz. Die Leute von „Brit Movie Tours“ verfügen über ein aktualisiertes Skript und murmeln bei der Frage nach dessen Herkunft irgendwas von Aston Martin, Oldtimer, Besitzer, echter Glücksfall ... Besser, man verrät nicht zu viel: Jeder, der mit „Spectre“ zu tun hat, muss ein Schweigegelübde unterschreiben.

"Königliche Premiere" am 26. Oktober

Auch 53 Jahre nach dem Start der Reihe mit „007 jagt Dr. No“ ist jeder Bond-Film ein Ereignis von nationalem Rang. Bond ist ein Markenprodukt. Jede Entscheidung rund um den Film wird leidenschaftlich diskutiert. Die neue Bond-Hymne „Writing’s on the Wall“ von Sam Smith hat Verstimmung ausgelöst: Das klinge, als würde jemand eine Maus strangulieren, bekommt man auf Nachfrage in London zu hören. Zu gut haben viele noch Adeles „Skyfall“ in den Ohren.

Am besten weiß Emma Pill, wie es um das Verhältnis zwischen Bond und den Londonern bestellt ist. Pill ist der ­Locationscout bei „Bond 24“, wie der Film ganz simpel abgekürzt heißt. Rund um den Erdball ist sie getourt, um in Rom, Tanger, auf österreichischen Bergen oder in Mexiko spektakuläre Schauplätze zu finden. Ihre logistische Meisterleistung aber musste sie in London abliefern: Nur weil zwischen den Briten und deren Lieblingsspion eine echte „Love Affair“ bestehe, sei dies möglich gewesen, so Pill. Für welchen anderen Film wäre nächtelang das pulsierende Leben an der Themse lahmgelegt worden? Hätten Hubschrauber im Tiefflug über Regierungsgebäuden kreisen dürfen? Wäre die Westminster Bridge gesperrt worden?

Zahlen & Fakten

  • Der neue Bond „Spectre“, mittlerweile der 24. Einsatz des britischen Geheimagenten, wird zugleich der teuerste aller Zeiten: 300 Millionen Dollar verschlingt die Produktion. Vorgänger „Skyfall“ kostete „nur“ 200 Millionen Dollar. Alleine für die knapp elfminütige Eröffnungsszene von „Spectre“, die in Mexiko gedreht wurde, mussten 1500 Statisten geschminkt und kostümiert werden.
  • Der Dreh hat 10 Tage gedauert, das Schminken täglich drei Stunden. Nichts geht ohne die Bond-Girls. Daniel Craig bekommt drei Ladys an die Seite gestellt. Lea Seydoux (29), Stephanie Sigman(27) und Monica Bellucci, die heute ihren 51. Geburtstag feiert, ist die bisher älteste Gespielin von 007.
  • Drei Bond-Girls bekam bisher nur Roger Moore in „In tödlicher Mission“.Mit 47 Jahren gehört Daniel Craig zu der jüngeren Garde Geheimagenten. Roger Moore hatte in „Im Angesicht des Todes“ die 57-Jahre-Grenze geknackt. Sean Connery war bei seinem letzten Bond 52 Jahre alt, Pierce Brosnan in „Stirb an einem anderen Tag“ 49.

Und wie war bei dem einmonatigen London-Dreh die Zusammenarbeit mit den echten MI6-Agenten? „No Comment“, sagt Emma Pill und grinst. Klar ist jedenfalls: Seit „Die Welt ist nicht genug“ (1999) kommen die echten Spione ihrem fiktiven Kollegen entgegen. Damals hatten sie dem Bond-Team die Dreherlaubnis an der Themse untersagt, der damalige Außenminister Robin Cook jedoch hob das Verbot mit der Bemerkung auf: „Nach allem, was Bond für England getan hat, ist dies das Mindeste, was wir für Bond tun können.“

Die Londoner tun noch mehr: Barkeeper veranstalten Cocktailkurse zu Ehren ihres trinkfesten Helden: Roberto im Mandeville Hotel unweit der Oxford Street weiß alles über den original „Vesper Cocktail“, der in Ian Flemings Roman „Casino Royale“ den Kult um gerührte oder geschüttelte Cocktails begründete. Aber stört es Roberto nicht, dass Bond mittlerweile zur ordinären Bierflasche greift? „Egal“, sagt Roberto. „Daniel Craig hat Bond eine Männlichkeit zurückgegeben, wie sie zuvor nur Sean Connery ausstrahlte.“

Zudem kann Bond gar nicht selbst über seinen Alkoholkonsum bestimmen: Die Spirituosenindustrie sponsert den Film. 007 ist vertraglich verpflichtet, seinen Promillespiegel während der Arbeitszeit anzuheben. Im neuen Film wird er deshalb gut sichtbar bei einer polnischen Wodkamarke zugreifen. Dem Schnapshersteller ist der Auftritt seines Produkts angeblich mindestens 45 Millionen Dollar wert.

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Schauspieler Detlef Bothe
Schauspieler Detlef Bothe.

Der Braunschweiger Detlef Bothe spielt im neuen James-Bond-Film "Spectre" einen Killer - reden darf er darüber aber nicht. "Da gibt es ein achtseitiges Formular, das man unterschreiben muss. Eine ganze Seite beschäftigt sich mit den Konsequenzen, wenn man doch was sagt", sagte der 50-Jährige.

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