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So geht Urlaub richtig

Anleitung zum Glücklichsein So geht Urlaub richtig

Baden an der Ostsee oder Abenteuerurlaub am Mekong? Zu einem erholsamen Urlaub gehört mehr als ein spektakuläres Reiseziel. Die Urlaubszeit soll uns ermöglichen, neue, nicht alltägliche Erfahrungen zu sammeln – körperlich, intellektuell und emotional. Eine Anleitung zum Glücklichsein.

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Symbolbild

Quelle: dpa

Urloup ist ein Wort aus dem Alt- und Mittelhochdeutschen. Es bedeutet: die Erlaubnis, sich vom Hofe zu entfernen. Auch heute noch ist ein Urlaub für die meisten Menschen mit einer Reise verbunden. Der Urlaub zu Hause ist geradezu verpönt, sozial nicht anerkannt. Es gilt die Devise: je exotischer und exklusiver, desto besser. Urlaubsziele sind zum Statussymbol geworden.

Nur: Über den Wert der Erholung sagt das Urlaubsziel nichts aus. Die Stressforschung hat herausgefunden, dass eine wichtige Voraussetzung für Gesundheit ist, dass unser körperliches und psychisches System flexibel und schwingungsfähig sein sollte. Für den Körper bedeutet dies, in der Freizeit - und besonders im Urlaub - nach der richtigen Ergänzung unserer Alltagstaktung zu suchen. Verbringen wir unseren Berufsalltag überwiegend sitzend? Oder sind wir den ganzen Tag auf den Beinen und reisen ohne Unterlass herum? Im ersten Fall bräuchte unser Körper Bewegung, um Beweglichkeit wiederzufinden - im zweiten Fall eher Ruhe, um sich auszubalancieren.

Die Urlaubszeit soll uns ermöglichen, neue Erfahrungen zu sammeln, körperlich, intellektuell und emotional. Erholung ist die Wiedergewinnung verbrauchter oder einseitig genutzter Energie.

Im Alltag werden bestimmte Verhaltensweisen gefördert und fräsen sich ein, andere müssen vernachlässigt werden. Es ist wichtig, sich diese Schiefhaltungen bewusst zu machen. Jeder Mensch hat bestimmte Persönlichkeitsstrukturen oder -einstellungen zum Leben und zu sich selbst. Manche sind von Natur aus neugierig und unternehmenslustig, andere sind vorsichtiger, wieder andere stellen ihre Bedürfnisse gern hintan, um ganz für andere da zu sein. Oft haben Menschen im Alltag einen Beruf oder eine Aufgabe gefunden, die diesen Persönlichkeitsanteilen entspricht. Das ist erst mal gut so, kritisch wird es erst, wenn wir dabei immer weiter an die Grenze unserer Einsatzkraft kommen und uns auch nach einem Urlaub in der Karibik gar nicht erholt fühlen. Aus diesem Grund ist es wichtig, unseren Urlaubstyp zu kennen.

Urlaub bedeutet, Fremdbestimmung zu vermeiden.

Jemand, der beruflich und privat mit vielen Menschen in Kontakt ist, wird im Urlaub eher zufrieden sein, wenn er sich mit einem Buch an einen einsamen Strand zurückziehen kann. Menschen, die im Alltag eher mit sich selbst beschäftigt sind, können unter vielen Menschen und mit viel Aktivität entspannen. Und jemand, der sich im Alltag oft um andere kümmert, etwa in der Krankenpflege, braucht als Ausgleich dann ein Wellnesshotel, in dem auch einmal etwas für ihn getan wird.

Für alle Urlaubstypen gilt: Urlaub bedeutet, Fremdbestimmung zu vermeiden. Auch technisch. Das Gehirn ist so konstruiert, dass es immer mit „einem Ohr“ darauf lauert, ob das Handy klingelt. Das kostet unbemerkt Kraft. Wer das Handy auch am Strand nicht abschalten kann und nervös wird, wenn das Ferienhaus keinen WLAN-Zugang bietet, nimmt hin, dass er auch im Urlaub freiwillig fremd getaktet ist. Durch E-Mails, durch die Welt der Nachrichten, durch den Alltag.

Kreativität, Lust auf Neues, Aufmerksamkeit und Achtsamkeit entwickeln sich aber am besten aus der Ent-Spannung. Aus ähnlichen Gründen ist auch Urlaub zu Hause in den meisten Fällen keine gute Alternative. Auch hier lauert die Fremdbestimmung. Endlich mal die Steuererklärung machen, die Garage, den Keller, den Kleiderschrank ausmisten: Das erleichtert zwar das andauernde schlechte Gewissen, spendet aber kaum neue Kraft. Wer seinen Jahresurlaub zu Hause verbringt, sollte die freien Tage mit Unternehmungen füllen, die einen deutlichen Kontrast zum Alltag darstellen: Ausflüge ins Umland, mit den Kindern mal in ein anderes Schwimmbad oder an den nächsten See, Ausstellungen, Kino, Museum, schönes Essen, Sportaktivitäten, zu denen im Alltag oft Lust und Kraft fehlen, sorgen für inneres Gleichgewicht.

Vertrautheit entspannt!

Aber auch eine Urlaubsreise kann Stress bedeuten. Wer eh schon kraftlos und stressbelastet ist, kann schon am Anfang des Urlaubs eine massive Krise erleben. Viele erleben diesen Knick am zweiten oder dritten Urlaubstag. Nicht selten bringt die einsetzende körperliche Ruhe sogar grippeähnliche Symptome, Magendruck oder Migräne mit sich.

Wer sich vor Beginn des Urlaubs am Ende seiner Kräfte fühlt, könnte an einen bereits bekannten Urlaubsort fahren. Da weiß man, wo der nächste Bäcker ist, man kennt die Möglichkeiten für Ausflüge, Beschäftigungsmöglichkeiten für die Kinder, man wird im Hotel wiedererkannt. Vertrautheit entspannt!

Der Alltag zwingt zu Beschränkungen unserer grundlegenden individuell unterschiedlichen Bedürfnisse. Das fängt schon beim Tag-Nacht-Rhythmus an. Es gibt Lerchen und Eulen, Frühaufsteher und Menschen, die erst abends zur Hochform auflaufen. Der berufliche Alltag kann dieser Grundeinstellung komplett entgegenstehen, lange Anreisezeiten, Schichtarbeit, ständige Flüge über Zeitzonen. Urlaubszeit bedeutet, wieder zurückzuschwingen in den eigenen Urrhythmus. Endlich mal ausschlafen, endlich keine Rücksicht mehr auf den Wecker nehmen müssen. Von Reisen über größere Zeitzonen hinweg wissen wir, dass unser Körper etwa 14 Tage braucht, um sich zu reorganisieren. Das wäre also das Minimum an Urlaubszeit, die man einplanen sollte. Besser noch wären drei Wochen, das gibt dem Urlauber die Gelegenheit, eine Woche richtig zu erholen - gewissermaßen im Einklang mit seinem ureigenen Rhythmus.

Dazu sollte man sich nicht überfordern - auch Freizeitstress ist Stress. In einer Woche kann man nicht alle liegen gebliebenen Bücher lesen, zudem noch ein toller Spielgefährte für seine Kinder sein, den Partner verwöhnen und nebenbei noch ein paar kreative Ideen für das nächste Projekt entwickeln. Wer alles versucht, was er neben dem Job nicht schafft, wird letztlich nichts verwirklichen - und dazu noch Frust verbreiten und selbst frustriert sein.

Im Vorfeld bewusst nach Kompromissen suchen

Besser ist es, belastende Berufsthemen und ungelöste Alltagsprobleme nicht mit in den Urlaub zu nehmen. Wer solche Belastungen hat, und weiß, dass er sie im Urlaub nicht vergessen kann, muss sich besondere Strategien für die Erholung ausdenken. Besonders effektiv ist eine ausfüllende Beschäftigung, die einen auf positive Weise in Beschlag nimmt. Das kann ein Surfkurs sein oder eine Wanderschaft, eine Radtour, Bergsteigen, Tanzen oder Malen - für jeden existiert eine anregende Beschäftigung, die Sorgen vergessen lässt. Man muss sie nur finden.

Ein weiterer Stressfaktor kann die Familie sein - vor allem, wenn sich die Interessen nicht immer decken. Es empfiehlt sich, schon im Vorfeld bewusst nach Kompromissen zu suchen. Wenn der eine eher kulturell interessiert ist und der andere sportlich, dann können Urlaubsziele gewählt werden, die die entsprechenden Optionen für beide bereithalten - und wo auch die Interessen der Kinder ausreichend berücksichtigt sind. Man muss nicht 24 Stunden am Tag aufeinanderhocken, das sind viele aus dem Alltag auch nicht gewohnt und es schafft deshalb oft eher Probleme. Wenn man dann auch im Urlaub für einen Tag oder ein paar Stunden getrennte Wege geht, um seine individuellen Bedürfnisse zu erfüllen, trägt das zur eigenen guten Stimmung und letztlich auch zu neuem Interesse am Partner bei.

Oberste Urlaubsmaxime sollte sein: Sie müssen im Urlaub nichts müssen! Nutzen Sie diesen Freiraum. Sorgen Sie für Rhythmusveränderungen und für die Auflösung Ihres Alltags-Zeit-Taktes. Damit schaffen Sie die Voraussetzungen für innere Gesundung und wirklicher Erholung.

Von Prof. Michael Stark

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