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Zweifel an Selbstmord von Kampusch-Entführer

Staatsanwaltschaft prüft Gutachten Zweifel an Selbstmord von Kampusch-Entführer

Im Fall Natascha Kampusch gibt es ein neues Gutachten, in dem österreichische Rechtsmediziner Zweifel am Suizid von Wolfgang Priklopil äußern. Sie erheben schwere Vorwürfe gegen den Gerichtsmediziner, der den Selbstmord von Kampuschs Entführer untersuchte.

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Natascha Kampusch (Archivbild) wurde acht Jahre lang von Wolfgang Priklopil gefangen gehalten. Erst als 18-Jährige gelang ihr die Flucht.

Quelle: Marcus Brandt/dpa

Wien. Zu den Todesumständen des Entführers von Natascha Kampusch prüft die Oberstaatsanwaltschaft Wien zwei neue Privatgutachten. Der Sprecher der Behörde bestätigte am Dienstag den Eingang der Papiere und einen Bericht von Spiegel Online.

Der Bruder des damaligen Chefermittlers, Karl Kroll, hatte Ende Februar Anzeige erstattet. Er habe den Verdacht, dass der Entführer Wolfgang Priklopil keinen Selbstmord begangen habe, sondern ermordet worden sei. Die Gutachten seien von ihm nun nachgereicht worden, hieß es.

Nicht nach den Standards vorgegangen

Zum Inhalt und zur Qualität der Expertisen gab die Behörde keine Stellungnahme ab. Es werde weiter untersucht, ob die Anzeige gegen Unbekannt wegen Mordverdachts überhaupt neue Aspekte enthalte. Wie lange das noch dauern könne, sei unklar.

Spiegel Online lag eines der Gutachten von zwei österreichischen Rechtsmedizinern vor. Darin soll es heißen, dass "der Todesfall Wolfgang Priklopil als höchst bedenklich zu bewerten und Fremdverschulden auf Basis der vorliegenden Befunde durchaus als möglich zu erachten" sei. Das Gutachten soll außerdem belegen, dass der damals zuständige Rechtsmediziner versäumte, zwischen Selbst- und Fremdtötung zu differenzieren.

Auch sei der Gerichtsmediziner im Fall Priklopil nicht nach den "üblichen rechtsmedizinischen Standards und üblichen Vorgangsweisen, nicht einmal (nach) denen eines durchschnittlich sorgfältigen Facharztes der Rechtsmedizin" vorgegangen, schreiben Missliwetz und Martin Grassberger in ihrem Gutachten. Wichtige Untersuchungen seien unterblieben.

Technisches Gutachten fehlt

Nach Ansicht von Missliwetz und Grassberger wurden den Angaben zufolge insgesamt sieben Punkte missachtet, die für eine begründete, umfassende und sorgfältige Expertise notwendig gewesen wären. Auch sei kein technisches Gutachten verfasst worden, um eine Korrelation der Verletzungen mit der Fahrzeugfront abzugleichen.

Kampuschs Entführer war im August 2006 wenige Stunden nach der Flucht der damals 18-Jährigen von einem Zug überfahren worden. Die Polizei hatte in ihrem Endbericht vom April 2013 keinen Zweifel daran, dass sich der Entführer selbst das Leben nahm. Es gibt aber Spekulationen, der damals 44-Jährige könnte tot auf die Gleise gelegt worden sein. Deswegen hatte Kroll Anzeige wegen Mordverdacht erstattet.

Der Fall Kampusch hatte weltweit Schlagzeilen gemacht. Als Zehnjährige war das Mädchen am 2. März 1998 entführt und mehr als acht Jahre lang in einem Keller in Priklopils Haus gefangen gehalten worden.

dpa/afp/abr

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