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Panorama Staatsanwaltschaft stellt Verfahren gegen Marco Weiss ein
Nachrichten Panorama Staatsanwaltschaft stellt Verfahren gegen Marco Weiss ein
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21:43 04.05.2009
Marco Weiss Quelle: Sascha Weiss/ddp

Große Erleichterung gestern bei Marcos Familie - das Ermittlungsverfahren gegen den Uelzener Schüler Marco Weiss ist in Deutschland eingestellt worden. Über zwei Jahre nach der Festnahme des damals 17-jährigen Schülers im türkischen Side hat die Familie einen wichtigen Etappensieg erzielt.

Jetzt gehen die Blicke wieder nach Antalya, wo am 5. Juni der Prozess im türkischen Gericht fortgesetzt und womöglich ein Urteil gesprochen wird. Dann will die Staatsanwaltschaft dort neue Erkenntnisse darlegen. Weiss’ Anwälte hatten schon längst ein Ende und Freispruch für Marco erwartet.

Sexueller Missbrauch eines Kindes oder einer widerstandsunfähigen Person, oder auch sexuelle Nötigung – all das sei Gegenstand des Ermittlungsverfahrens seiner Behörde gewesen, erklärte der Sprecher der für Uelzen zuständigen Staatsanwaltschaft Lüneburg. Marco wurde vorgeworfen, am 11. April 2007 in einem türkischen Urlaubshotel die 13-jährige Britin Charlotte sexuell missbraucht oder genötigt zu haben.

„Dieser Verdacht hat sich nicht bestätigt“, fasst Kazimierski das deutsche Ermittlungsergebnis zusammen: „Der Beschuldigte hatte den Vorwurf stets bestritten und sich dahin eingelassen, es sei zu einer von gegenseitiger Zuneigung getragenen Annäherung gekommen; der Vollzug des Geschlechtsverkehrs sei einvernehmlich beabsichtigt gewesen.“ Dieser Einlassung stünden zwar die Angaben des Mädchens entgegen: „Sie allein reichen nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Lüneburg aber für einen Tatnachweis nicht aus, es steht Aussage gegen Aussage.“

Weitere belastende Beweismittel seien nicht vorhanden, insbesondere hätten Zeugen, die sich auf dem Balkon des Hotelzimmers aufgehalten hatten, keinen sexuellen Übergriff bemerkt. „Auch bei einer frauenärztlichen Untersuchung kurze Zeit nach dem Vorfall haben sich keine Spuren für eine Gewaltanwendung oder für einen bei einer schweren Sexualstraftat nahe liegenden psychischen Ausnahmezustand ergeben“, so der Oberstaatsanwalt weiter. Die Lüneburger Behörde hatte von der türkischen Justiz umfassende Verhandlungsprotokolle und auch Gutachten übersandt bekommen.

Nicht zuletzt habe Marco ausgesagt, dass er das Mädchen für älter gehalten und sie behauptet habe, 15 Jahre alt zu sein. „Da muss berücksichtigt werden, dass Zeugen sie aufgrund ihres Erscheinungsbildes durchaus drei bis vier Jahre älter geschätzt haben“.

Im türkischen Antalya werden am 5. Juni die Plädoyers erwartet. Marco wird am Prozess nicht teilnehmen. Er saß 247 Tage in Untersuchungshaft. „Wir sind froh, in gefestigten, rechtsstaatlichen Strukturen leben zu dürfen, in denen die Unabhängigkeit der Strafverfolgungsbehörden selbstverständliches Gemeingut ist“, hieß es in einer Erklärung der Familie vom Montag. Marcos Ruf sei damit rehabilitiert. „Marco hat nunmehr einen Anspruch darauf als unbescholtener junger Mann sein Leben in Deutschland führen zu dürfen“, hieß es.

Die Familie wünsche sich, dass das Gericht in der Türkei, „Größe und den Mut aufbringt, sein Urteil allein an den objektiven Kriterien eines rechtsstaatlichen Verfahrens auszurichten, ohne öffentlichen oder innenpolitischen Druck“.

von Thomas Mitzlaff

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