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Stadt Köln verschärft Sicherheitsvorkehrungen

Nach Übergriffen auf Frauen Stadt Köln verschärft Sicherheitsvorkehrungen

Als Reaktion auf die Übergriffe vor dem Kölner Hauptbahnhof in der Silvesternacht will die Stadt ihre Sicherheitsvorkehrungen für Großveranstaltungen verschärfen. Das erklärte Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) auf einer Pressekonferenz.

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"Wir haben heute Morgen gemeinsam Maßnahmen entwickelt, die dazu führen sollen, dass es solche Vorfälle hier nie wieder gibt", kündigte Oberbürgermeisterin Henriette Reker an. Neben ihr Polizeipräsident Wolfgang Albers.

Quelle: Oliver Berg

Köln. "Wir haben heute Morgen gemeinsam Maßnahmen entwickelt, die dazu führen sollen, dass es solche Vorfälle hier nie wieder gibt", betonte Reker am Dienstagnachmittag. "Ebenso wichtig ist aber auch, dass wir uns das Karnevalfeiern nicht nehmen lassen durch solche Vorfälle." Frauen und Mädchen müssten ohne jedes Unsicherheitsgefühl in der Domstadt Karneval feiern können, betonte Reker. "Wir wollen hier keine unkontrollierbaren Orte in Köln." Es müsse eine Stadt bleiben, "in der jeder auch feiern kann".

Polizei will mehr Präsenz zeigen

Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers kündigte mit Blick auf Karneval an: "Nun werden wir deutlich die Präsenz erhöhen." Die Polizei werde sowohl uniformierte als auch zivile Kräfte einsetzen und mobile Teleskopvideoanlagen "für den Blick von oben" einrichten – insbesondere auch an Weiberfastnacht. Außerdem werde geprüft, ob für eine Gruppe häufig aufgefallener Straftäter im Bereich Taschendiebstahl spezielle Bereichsbetretungsverbote ausgesprochen werden dürften. Er forderte die Bürger auf, im Notfall auch die 110 zu wählen. "Es hat auf der Leitstelle in der Nacht drei konkrete Notrufe zu dem Sachverhalt gegeben." Diese hätten auch zu Einsätzen geführt.

Vor dem Kölner Hauptbahnhof hatten in der Silvesternacht nach Angaben der Polizei rund 1000 Männer Frauen sexuell bedrängt und ausgeraubt. Viele Fragen sind noch offen. Albers sagte: "Wir haben derzeit keine Erkenntnisse über Täter." Reker betonte, die Behörden hätten keinerlei Hinweise, dass es sich bei den Tätern um Flüchtlinge handele. Entsprechende Vermutungen halte sie für "absolut unzulässig". Allerdings gebe es erste Erkenntnisse darüber, dass es sich bei den mutmaßlichen Tätern um eine Gruppe junger Männer aus dem arabischen und nordafrikanischen Raum handele, bestätigte Kölns leitender Polizeidirektor Michael Temme entsprechende Augenzeugenberichte.

Immer mehr Frauen melden sich

Albers kritisierte die erste polizeiliche Einschätzung der Lage am Neujahrsmorgen. "Diese erste Auskunft war falsch." In einer Pressemitteilung hatte die Polizei die Einsatzlage in der Silvesternacht als entspannt beschrieben. Die Beamten hätten zwar schon in der Silvesternacht von Übergriffen Kenntnis bekommen. Der volle Umfang der Übergriffe – insbesondere der sexuellen Übergriffe – sei allerdings erst am nächsten Tag klargeworden. Bürgermeisterin Reker kündigte in diesem Zusammenhang einen entsprechenden Katalog mit Verhaltensregeln an, den die Stadt für Frauen in derartigen Situationen herausgeben werde und der künftig auch auf der Stadthomepage www.koeln.de einsehbar sei.

Am Dienstag stieg die Zahl der Anzeigen auf fast 100. Er rechne damit, dass es noch mehr Strafanzeigen geben werde, sagte Albers. Im Hinblick auf die Tatverdächtigen sei man derzeit noch damit beschäftigt, entsprechendes Videomaterial zu sichten. Bis es erste Erkenntnisse gebe, werde es noch dauern, so Albers weiter, da die Tatverdächtigen nur schwer zu identifizieren seien.

Im Internet kursieren nach den Vorfällen auf der Kölner Domplatte unterdessen erste Aufrufe zur Selbstjustiz, denen werde man mit entsprechenden Maßnahmen an den verabredeten Örtlichkeiten begegnen, so Polizeidirektor Temme: "Es wird eine niedrige Einschreitschwelle geben."

dpa/caro

Wenn Frauen in Bedrängnis geraten

Wer als Frau von Männern bedrängt wird, fühlt sich oft völlig hilflos und bekommt Panik. Andreas Mayer, Leiter der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes in Stuttgart, erklärt, wie sich Frauen in solchen Situationen am besten verhalten:

  • Das Wichtigste: Die Situation so schnell es geht verlassen. Keinesfalls sollte man sich auf Diskussionen mit den Tätern einlassen oder sie provozieren. Wenn es irgendwie geht, sollten Frauen rasch weggehen und sich in Sicherheit begeben.
  • Ist das nicht so einfach möglich, machen Frauen am besten andere auf sich aufmerksam. "Sie können laut um Hilfe rufen und Zeugen direkt ansprechen", rät Mayer. So kann man etwa sagen: "Sie da in der roten Jacke, bitte rufen Sie die Polizei." Für die Zeugen gilt: Wer beobachtet, dass eine Frau bedrängt wird, sollte direkt die 110 wählen – auch wenn keine körperliche Gewalt zu erkennen ist. Das Opfer sollte die Angreifer niemals duzen, sondern siezen. "Das zeigt auch Außenstehenden, dass das hier keine private Situation ist", sagt der Experte.
  • Wenn das alles nicht hilft, muss man sich wehren – und zwar so gut es geht. "Treten, schlagen, kratzen, beißen – Hauptsache der Täter lässt erst mal von einem ab", sagt Mayer. Sobald sich dann die Situation ergibt, heißt es: schnell weg und in Sicherheit begeben. Von Pfeffersprays rät der Experte ab. "Die Praxis zeigt, dass es eigentlich nichts bringt. Und man wird selbst in Mitleidenschaft gezogen."
  • Wer irgendwie kann, sollte sich die Täter einprägen. "Auffälligkeiten oder zum Beispiel Tätowierungen sind später bei den Ermittlungen sehr hilfreich", sagt Mayer. Wenn es gefahrenlos möglich ist, kann man die Situation auch mit dem Smartphone filmen oder fotografieren. Das gilt auch für Zeugen. Manchmal lassen Angreifer dann von ihrem Opfer ab, und das Material hilft später der Polizei.
  • Idealerweise versucht man, solche Situationen von vornherein zu vermeiden. Wer eine Gruppe – womöglich betrunkener – pöbelnder Männer beobachtet und ein ungutes Gefühl hat, macht besser einen großen Bogen um sie herum. Und: "Die Gruppe schützt", sagt Mayer. Gerade nachts hilft es, nicht allein, sondern mit mehreren Personen unterwegs zu sein.
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Analyse

In Deutschland wird heftig über die Übergriffe in der Kölner Silvesternacht diskutiert. Niemand sollte versuchen, hier etwas schönzureden. Kriminalität von Ausländern lässt sich durch den Verweis auf Kriminalität von Inländern nicht relativieren; man muss beides beim Namen nennen und beides konsequent bekämpfen. Eine Analyse von Matthias Koch.

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