Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Stasi-Akten werden per Hand rekonstruiert
Nachrichten Panorama Stasi-Akten werden per Hand rekonstruiert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:06 25.12.2015
Zerrissene Stasi-Akten liegen in Zirndorf (Mittelfranken) bei der Projektgruppe zur Rekonstruktion von Stasi-Unterlagen auf einem Tisch zur Bearbeitung bereit. Nach rund 20 Jahren wird die Rekonstruktion zerrissener Stasi-Akten per Hand neu organisiert. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

"Die manuelle Rekonstruktion in Zirndorf wird zum Jahresende aufgelöst", sagte der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn. Künftig sollen die Papierschnipsel in den ostdeutschen Außenstellen der Behörde und in der Zentrale zusammengefügt werden. Wann Papiere in großem Umfang per Computer zusammengesetzt werden können, ist indes noch offen. Der Projektfortschritt verzögere sich, sagte der frühere DDR-Oppositionelle.

In Zirndorf bei Nürnberg hatten zuletzt vier Mitarbeiter der Behörde und vier abgeordnete Mitarbeiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zerrissene Stasi-Akten mühevoll zusammengepuzzelt. Seit 1995 wurden so rund 1,5 Millionen Blätter wiederhergestellt. Angesichts des Flüchtlingszustroms würden die Beschäftigten nun aber für das Bundesamt arbeiten. Das sei jetzt dringender. "Das Bundesamt hat uns damals mit Personal geholfen, jetzt helfen wir", betonte Jahn.

Aus den rekonstruierten Papieren werden weitere Erkenntnisse über das Wirken der DDR-Staatssicherheit erwartet. Im Herbst 1989 wollten Offiziere massenhaft Akten vernichten. Als die Reißwölfe heißliefen, wurde auch per Hand zerfetzt. Bürgerrechtler stoppten die Aktion dann und retteten massenhaft Akten. Die zerrissene Hinterlassenschaft wurde in 16.000 Säcken gelagert. Daneben blieben 111 Regal-Kilometer unversehrte Papiere erhalten.

Seit 1995 wurde der Inhalt von mehr als 500 Säcken zumeist per Hand zusammengesetzt. Die Schnipsel aus etwa 15.500 Säcken sind noch nicht erschlossen. An der virtuellen Rekonstruktion arbeitet seit 2007 das Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik. In das Pilotprojekt flossen bereits 6,5 Millionen Euro. "Die Software für die weltweit einmalige Technologie funktioniert, doch an einem entsprechend leistungsfähigen Scanner muss noch gearbeitet werden", sagte Jahn.

Derzeit werde ein neuer Vertrag geprüft, damit die Entwicklung der Technologie weitergehen könne. "Wir machen hier sorgsam weiter. Gerade die Opfer wollen wissen, was in den Akten steht. Die Stasi darf nicht im Nachhinein bestimmen, was wir lesen können und was nicht", sagte der Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen. Die Software für das gigantische Computer-Puzzle kann bereits seit zwei Jahren Risskanten, Schrift- und Papierarten zuordnen. Doch die Schnipsel müssen bislang per Hand in herkömmliche Geräte eingelegt werden. Außerdem seien die Scanner noch zu langsam.

Akten aus 13 Säcken - das entspreche etwa 45.000 Seiten - seien auf diesem Wege zusammengefügt worden und nun im Archiv der Behörde, sagte Jahn. Die erste Amtszeit von Jahn läuft im März 2016 ab. Zu seiner Zukunft äußerte sich der 62-Jährige nicht. "Das entscheidet der Bundestag." Im Frühjahr will auch eine Expertenkommission Vorschläge zur Zukunft der Stasi-Unterlagen-Behörde unterbreiten.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Vertreter der Polizei haben die zunehmende Gewalt gegen staatliche Repräsentanten beklagt, nachdem ein Polizist an Heiligabend bei einer Routinekontrolle im hessischen Herborn getötet wurde. Ein Betrunkener hatte den Beamten mit sieben Messerstichen tödlich verletzt.

25.12.2015

Polizisten in ganz Deutschland reagieren fassungslos auf den Tod ihres Kollegen im hessischen Herborn an Heiligabend. Er starb bei einem Einsatz, wie er für die Beamten zum Alltag gehört. Der 46-jährige Polizist war von einem 27-Jährigen mit einem Messer attackiert worden.

25.12.2015

Am ersten Feiertag kann man die vielen Leckereien gemächlich auf dem Sofa verdauen – oder man läuft sie im Mondschein ab und tut dabei auch noch Gutes.

25.12.2015
Anzeige