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Sterbliche Überreste der Opfer des Air-France-Absturzes erreichen Frankreich

Flugzeug-Unglück Sterbliche Überreste der Opfer des Air-France-Absturzes erreichen Frankreich

Zwei Jahre nach dem Absturz der Air France AF 447 treffen sterbliche Überreste der Opfer in Frankreich ein. Für die Angehörigen ist das eine erneute Belastungsprobe, denn es wird Wochen dauern, bis die Opfer identifiziert sind.

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Neben den Trümmerteilen wurden sterbliche Überreste der Opfer geborgen. In Frankreich sollen die Opfer nun identifiziert werden.

Quelle: dpa (Archiv)

Den Blick fest auf sein Gegenüber gerichtet, beantwortet der Vizevorsitzende des Verbands „Gegenseitige Hilfe und Solidarität AF 447“ auch diese Frage. Als „besonders heikel“ hat sie der Fernsehmoderator angekündigt. Ob er die Leichen seiner Tochter Caroline und ihres Mannes lieber an einem Ort in Frankreich oder auf dem Grunde des Ozeans hätte, will er wissen. „Mir wäre es lieber gewesen, man hätte die Körper der beiden gelassen, wo sie waren“, sagt Robert Soulas.

Gut zwei Jahre nach dem Absturz der Air-France-Maschine auf der Strecke von Rio nach Paris hat das Schiff „Île de Sein“ gestern im Hafen von Bayonne angelegt. Es brachte Wrackteile des Airbus A 330, der in der Nacht zum 1. Juni 2009 mit 228 Menschen an Bord, darunter 28 Deutschen, im Atlantik versunken war. Vor allem aber brachte es die sterblichen Überreste von 104 Absturzopfern. 50 Tote waren nach dem Unglück auf dem Meer getrieben und bereits vor zwei Jahren geborgen worden.

Die Ankunft der „Île de Sein“ hat viele Hinterbliebene in neuerliche Ungewissheit und in neuerliche Not gestürzt. Ungewissheit, weil es mehrere Wochen dauern wird, bis die Leichen im Pariser gerichtsmedizinischen Institut identifiziert sein werden, bis DNA-Analysen Aufschluss geben, wer geborgen wurde und wer für immer auf dem Grund des Atlantiks ruhen wird. Not, weil die Konfrontation mit den sterblichen Überresten alte Wunden aufreißt.

„Wir müssen das Drama nun noch einmal durchleben“, sagt Laurent Lamy, der bei dem Unglück seinen 37-jährigen Bruder Eric verloren hat. Wie seine Mutter Danièle hatte Laurent gehofft, der Ozean werde Erics letzte Ruhestätte sein. Soulas’ Frau Corinne gesteht, sie habe Angst vor „dem schrecklichen Anblick“ der Leichen. „Ich habe mir immer vorgestellt, dass meine Tochter in Frieden auf dem Meeresgrund schläft, an der Seite ihres Mannes, der bei dem Unglück auch ums Leben kam“, erzählt sie. Jetzt würden die beiden im Tod womöglich auseinandergerissen.

Gemeinsam kämpfen der Verband „Gegenseitige Hilfe und Solidarität AF 447“ und sein deutsches Pendant „HIOP“ dafür, dass die Unfallursachen ans Licht kommen. Einmütig forderten sie noch 20 Monate nach dem Absturz, die Suche nach den Flugschreibern fortzusetzen, die Anfang Mai dann auch tatsächlich gefunden wurden. Einhellig begrüßten die Organisationen strafrechtliche Ermittlungen gegen Airbus und Air France.

Daten aus den Flugschreibern deuten darauf hin, dass ein Ausfall der Geschwindigkeitssonden und Pilotenfehler die Katastrophe verursacht haben. Anstatt einen Sinkflug einzuleiten, damit die mit zu geringer Geschwindigkeit fliegende Maschine wieder Fahrt aufnehmen kann, haben die Piloten den Airbus mit maximalem Schub steil nach oben gezogen. Aber als es zuletzt um die von der Justiz betriebene Bergung der Leichen ging, verstummten die Verbände. „Jeder muss trauern, wie er will und kann“, sagt Robert Soulas.

Die Angst seiner Frau Corinne vor dem schrecklichen Anblick ist verständlich. Die „Île de Sein“ hat nicht etwa jene Körper gebracht, die am besten erhalten und am leichtesten zu identifizieren sind. Ausschlaggebend für die Auswahl sei allein gewesen, ob die Tauchroboter einen Leichnam hätten greifen können oder nicht, sagt François Daoust, Leiter des französischen Instituts für kriminalistische Forschungen. Das Erste, was die Besatzung des Schiffs an der Absturzstelle heraufgezogen hatte, war ein mit Zangenarmen gut erreichbarer, an einen Flugzeugsitz geschnallter Rumpf gewesen.

„DNA-Proben zum Friedhof zu tragen“, sagt Corinne Soulas, „ist für mich schlicht unvorstellbar.“ Einige Hinterbliebene möchten die sterblichen Überreste ihrer Angehörigen unter der Stele bestatten lassen, die auf der Pariser Friedhof Père-Lachaise zum Gedenken an die Absturzopfer errichtet wurde. Corinne Soulas aber will die Ankunft der „Île de Sein“ ignorieren.

Axel Veiel

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