Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Stress im Freibad: Betreiber stellen Sicherheitsdienste ein
Nachrichten Panorama Stress im Freibad: Betreiber stellen Sicherheitsdienste ein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:58 29.06.2018
Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma gehen durch ein Freibad. Quelle: dpa
Osnabrück

Mit dem Start der Sommerferien und steigenden Temperaturen rüsten sich die Freibäder für hohe Besucherzahlen. Neben Bade-Unfällen, medizinischen Notfällen und verloren gegangenen Kindern kommt es am Beckenrand auch immer wieder zu Schlägereien.

Vor allem in Großstätten, in denen die Badeangebote rar sind und sich an heißen Tagen zahlreiche Gäste tummeln, kommt es öfter zu Auseinandersetzungen. In Berlin werden die Mitarbeiter der städtischen Bäderbetriebe mittlerweile speziell geschult. Sie seien in Konfliktmanagement ausgebildet und würden Deeskalationstrainings absolvieren, sagte Verbundsbetriebsleiter Martin Minkwirt im „Deutschlandfunk Kultur“. Neben Security-Firmen würden zudem auch gezielt Mitarbeiter eingestellt, die beispielsweise auch Türkisch und Arabisch sprechen.

Im berüchtigten Columbiabad in Neukölln etwa halten Konfliktlotsen, Wachleute und Bademeister den Betrieb am Laufen. Dennoch muss die Polizei an manchen Tagen sogar mehrmals nach dem Rechten schauen. Wenn die Situation aus dem Ruder läuft, lassen die Beamten das Freibad ganz räumen.

Im Freibad Kiebitzberge im Süden der Stadt schauen potenzielle Stressmacher hingegen gar nicht erst vorbei. Weil die Bademeister strenge Regeln durchsetzen und konsequent Hausverbote verteilen, meiden viele Jugendliche das Familienbad. „Security will ich hier nicht sehen“, sagt Bad-Chef Michael Schmidt kategorisch.

Streitschlichter der DLRG kümmern sich um die hitzigen Gemüter

Auch in Niedersachsen setzen einige Freibäder auf private Sicherheitsdienste, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. „Schon seit einigen Jahren haben wir einen Sicherheitsdienst im Moskaubad und im Nettebad“, sagte Marco Hörmeyer, Sprecher der Stadtwerke Osnabrück. Zum Einsatz kommen sie aber nur, wenn die Bäder wirklich voll sind.

Zusätzlich setzt das Bad seit einigen Jahren zusammen mit der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft auf Streitschlichter. „Das sind junge Leute, die ein bisschen auf Augenhöhe mit den Gästen arbeiten können und auch in Dialog mit ihnen treten können.“ Zuvor habe man bemerkt, dass junge Streitende teilweise aggressiver reagieren, wenn sich ein Schwimmmeister einmische. Eine Zunahme der Straftaten sei in Stadt und Landkreis Osnabrück laut Polizei nicht erkennbar.

Sicherheitsdienste springen bei hohen Temperaturen ein

Auch in Lüneburg sieht es ähnlich aus: „In Schwimmbädern kommt es immer mal wieder zu Taschendiebstählen, auch weil die Besucher die Schließfächer nicht benutzen“, sagte eine Sprecherin der Lüneburger Polizei. „Wir können kein Ansteigen solcher Fälle oder auch von anderen Delikten wie Körperverletzung oder sexuellen Belästigungen verzeichnen.“

Im Lüneburger Freibad Hagen gibt seit 2016 einen privaten Sicherheitsdienst, der zum Einsatz kommt, wenn das Bad sehr voll ist. Der Sicherheitsdienst kümmere sich um alles, was außerhalb des Beckens mit Sicherheit und Ordnung zu tun habe, sagte Sprecherin Angela Wilhelm. Das reiche vom Taschendiebstahl bis zum Freihalten der Rettungswege. Die eigenen Mitarbeiter müssten sich vor allem um die Aufsicht am Wasser kümmern.

Auch im van-Ameren-Bad in Emden werden private Sicherheitsdienste eingesetzt, sagte Elke Fehren-Schmitz vom Förderverein des privat betriebenen Bades. „An heißen Tagen haben wir bis zu 1000 Besucher, da kann es auch mal zu kleinen Vorfällen mit Alkohol oder Drogen kommen.“ Die Bademeister würden bei der Aufsicht von Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes unterstützt und könnten Störer mit Hausverboten belegen. Zwischenfälle wie sexuelle Belästigung von jungen Frauen seien aber nicht bekannt.

Polizei hilft in brenzlichen Situationen

Das Ricklinger-Aegir-Bad in Hannover hat in der Vergangenheit bereits einige Male mit privaten Sicherheitsdiensten zusammengearbeitet, die auf Abruf bereitstanden. „Seit zwei, drei Jahren machen wir das nicht mehr, weil die Konflikte dadurch nicht zurückgegangen sind“, sagte Geschäftsführer Gerd Weßling. In brenzligen Situationen habe man auch schon mal die Polizei rufen müssen. „In letzter Zeit haben sich Konflikte aber immer ohne Polizei gelöst“, betonte der Bad-Chef. In diesem Jahr sei es bisher friedlich gewesen. An heißen Tagen kommen bis zu 3500 Besucher in das Freibad an den Ricklinger Kiesteichen.

Ins Kleefelder Bad strömen bei schönem Sommerwetter täglich zwischen 5000 und 7000 Besucher. Security-Kräfte gibt es nicht auf dem Gelände. „Wir sorgen selber für die Sicherheit“, sagte Badaufsicht Stefan Richter. An vollen Tagen seien mindestens zehn Mitarbeiter in zwei Schichten eingeteilt.

„In den Göttinger Freibädern gibt es derzeit keine nennenswerten Sicherheitsprobleme“, sagte der Geschäftsführer der stadteigenen Sport- und Freizeit GmbH, Alexander Frey. Kleinere Diebstähle kämen zwar hin und wieder vor. „Aber einen Sicherheitsdienst brauchen wir nicht“, sagte Frey.

Von RND/dpa/mkr

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Knapp drei Kilometer hoch spuckt der Agung auf Bali seine Asche – und sorgt damit für massive Einschränkungen im Flugverkehr. Rund 75.000 Reisende sind betroffen.

29.06.2018

Zum ersten Mal seit 30 Jahren ist vor den Balearen ein Weißer Hai gesichtet worden. Forscher entdeckten das fünf Meter lange Tier nahe der Insel Cabrera.

29.06.2018

Bei einer Schießerei in einer Zeitungsredaktion nahe der US-Hauptstadt Washington sind am Donnerstag fünf Menschen getötet und mehrere verletzt worden. Ein Verdächtiger wurde festgenommen. Ein Reporter berichtet bei Twitter von schrecklichen Szenen.

29.06.2018