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Empörung nach mildem Urteil für Vergewaltiger

Sechs Monate Gefängnis für US-Student Empörung nach mildem Urteil für Vergewaltiger

Weil er eine bewusstlose Frau sexuell missbraucht hat, wurde ein Student der kalifornischen Elite-Universität Stanford zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Ein mildes Urteil, das nun in den USA für Empörung sorgt. Der Richter soll gehen, fordern die Amerikaner.

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Brock Turner, ehemaliger Student der Elite-Universität Standford, bekommt für sexuellen Missbrauch sechs Monate Haft. Der Fall macht nun in den USA Schlagzeilen.

Quelle: dpa

Stanford . Ein Richter hatte den 20-Jährigen vorige Woche zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt – die Anklage hatte dagegen sechs Jahre Haft gefordert. Der Student, ein Mitglied im Schwimmteam der Universität, war im März von Geschworenen wegen sexuellen Missbrauchs einer bewusstlosen Frau schuldig gesprochen worden.

2015 hatten sich der Täter und sein Opfer auf einer Studentenparty kennengelernt und Alkohol getrunken. Zwei Studenten hatten die nächtliche Sex-Attacke im Januar 2015 beobachtet und die Polizei alarmiert.

Richter: "Längere Haftstrafe könnte ernsthafte Folgen haben"

Der Richter im Bezirk Santa Clara hatte laut CNN das milde Strafmaß unter anderem damit begründet, dass der junge Täter keine Vorstrafen hat und dass eine längere Haftstrafe ernsthafte Folgen für ihn haben könnte. Der Student war auch von seinem Vater in Schutz genommen worden: Sein Sohn hätte für die "20-Minuten-Aktion", wie er es nannte, keine lange Gefängnisstrafe verdient.

Und genau diese Äußerungen brachten die Amerikaner auf die Barrikaden: Mehr als 200.000 Menschen unterschrieben bis Montagnacht (Ortszeit) eine Online-Petition, dass der Richter von seinem Amt enthoben werden solle.

"Nur sechs Monaten Gefängnis für die Vergewaltigung einer bewusstlosen Frau? Bitte unterschreiben Sie die Petition, um Richter Persky vom Amt zu nehmen", schrieb eine Twitter-Nutzerin.

"Müll: Richter Aaron Persky hat bestimmt keine weiblichen Familienangehörigen. Vergewaltiger verdienen ernsthafte Folgen", schrieb ein anderer Nutzer.

Außerdem gingen die Menschen in den sozialen Netzwerken auf den Vater des Elite-Studenten los. Dieser hatte sich in einem Brief gegen das für ihn zu hohe Strafmaß ausgesprochen und geschildert, wie sich das Leben seines Sohnes nach der Sex-Attacke verändert habe und wie schlecht es ihm gehe.

"Vergewaltigungskultur: Brock Turners Vater ist traurig, weil sein Sohn nur '20 Minuten Action' bekommen hat und keine Steaks mehr essen möchte", äußerte sich eine Twitter-Nutzerin empört.

Opfer schreibt Brief: "Du kennst mich nicht, aber du warst in mir"

Vor der Urteilsvergabe hatte sich das jetzt 23-jährige Opfer einen ergreifenden Brief vorgelesen, in dem die Frau die Tat beschrieb und die traumatischen Folgen für sie darlegte. "Du kennst mich nicht, aber du warst in mir drin. Und deshalb sind wir heute hier". Mit den Folgen der Tat müsse sie jeden Tag leben, erzählte die junge Frau. "Ich wollte meinen Körper nicht mehr". 

"Ich dachte er würde sich entschuldigen und nicht vor Gericht gehen," sagte die 23-Jährige vor dem Richter. Stattdessen erfuhr sie, dass Turner Anwälte gegen sie angesetzt hatte. "Sie wollten alles über mich herausfinden, und das gegen mich nutzen", sagte sie.

Die mehrseitige Schilderung wurde von der US-Website "Buzzfeed" veröffentlicht. Der Brief konnte Richter Persky allerdings nicht davon abbringen, das milde Urteil auszusprechen. Ob die Studentin gegen das Urteil vorgehen will, bleibt unklar.

dpa/RND/abr

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