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Wovor die Deutschen Angst haben

Studie 2015 Wovor die Deutschen Angst haben

Die meisten Deutschen leben in Sicherheit und Wohlstand - Ängste treiben sie trotzdem um. Eine Studie legt nun offen, was die Bundesbürger am meisten beunruhigt. Danach fürchtet sich jeder zweite Deutsche vor Zuwanderung und Terroranschlägen.

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Egal ob realistisch oder nicht, Ängste lassen sich nur schwer kontrollieren.

Quelle: dpa

Berlin. Was raubt den Deutschen ihren Schlaf? Was den Bundesbürgern gerade am meisten Angst macht, haben Wissenschaftler in einer repräsentativen Studie untersucht. Das Ergebnis hat die R+V-Versicherung am Donnerstag vorgestellt. Das Informationscenter der Versicherung befragt seit 1992 regelmäßig gut 2400 Menschen zu ihren Ängsten und Nöten.

Wovor haben die Deutschen Angst?

Mehr als private Sorgen treiben sie gesellschaftliche und politische Themen um. Jeder Zweite fürchtet Konflikte durch Zuwanderung, ergab eine repräsentative Studie der R+V-Versicherung (Untersuchungszeitraum 5. Juni bis 17. Juli 2015). Die Hälfte der Befragten sorgt sich darum, dass die zunehmende Zahl von Asylbewerbern die Politik überfordert. Größte Angst in diesem Jahr sind hohe Kosten für den Steuerzahler wegen der Schuldenkrise, gefolgt von Naturkatastrophen und Terrorismus. Aber auch um ihre Gesundheit machen sich die Deutschen Gedanken: Jeder Zweite fürchtet sich davor, im Alter ein Pflegefall zu werden. Fast ebenso viele haben Angst vor einer schweren Erkrankung.

Woher kommen diese Befürchtungen?

„Menschen brauchen Vorhersagbarkeit, Kontrollierbarkeit und vertraute Partner innerhalb einer sozialen Gruppe“, sagt Psychologe Peter Walschburger von der Freien Universität (FU) Berlin. „Alles, was dem entgegentritt, macht erst mal Angst.“ Das komme etwa bei der Sorge angesichts des Flüchtlingszustroms zum Tragen. „Der Mensch ist extrem gruppenspezifisch orientiert. „Fremdes wird deshalb eher mit Misstrauen als mit Neugier beäugt.“

Hat jeder Mensch andere Ängste?

Die großen Themen bleiben weitgehend gleich. Aber: „Ängste haben auch mit der Erziehung und der sozialen Situation zu tun“, sagt Soziologe Andreas Schmitz, der an der Universität Bonn zu dem Thema forscht. „Jeder Mensch hat spezifische Ängste.“ Ältere Menschen machten sich beispielsweise mehr Sorgen um Krankheiten als etwa Jugendliche.

Sind Frauen ängstlicher als Männer?

Sie gehen zumindest offener damit um. „Es ist für einen Mann immer noch schwieriger, Ängste zuzugeben“, sagt Schmitz. Die R+V-Studie beobachtet gleichzeitig mehr Mumm beim weiblichen Geschlecht: „Die Frauen, die seit Beginn unserer Studie durchweg ängstlicher als die Männer waren, zeigen sich wesentlich couragierter als in der Vergangenheit und erreichen mit einem Angstindex von 40 Prozent den niedrigsten Wert seit Beginn unserer Befragung – mit nur noch einem Prozentpunkt Abstand zu den Männern.“ Einer jüngst veröffentlichten Yougov-Umfrage zufolge haben Männer zudem mehr Angst, verlassen zu werden: Jeder dritte fürchtet sich davor, bei den Frauen ist es nur jede vierte.

Wie begründet sind die Sorgen vor Dingen wie etwa Terrorismus?

„Die medial inszenierten Großereignisse lagern sich bei vielen Menschen im Kurzzeitgedächtnis ein“, sagt Soziologe Schmitz. Anders als persönliche Sorgen hätten Ängste vor externen Einflüssen aber ein Verfallsdatum. Die zeitweise sehr verbreitete Angst vor HIV sei irgendwann zum Beispiel abgeebbt, als die Themen medial nicht mehr so im Fokus standen.

Von Antonia Lange

Die Ängste der letzten Jahre

Schon im vergangenen Jahr bereiteten den Menschen die Kosten der EU-Schuldenkrise für die Steuerzahler (60 Prozent) die meisten Sorgen, gefolgt von der Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten (58 Prozent), Naturkatastrophen und davor, im Alter ein Pflegefall zu werden (beides 51 Prozent). Angst vor höheren Lebenshaltungskosten und damit weniger Geld im Portemonnaie rangierten auch in den Jahren 2010 bis 2013 ganz oben. Im Krisenjahr 2009 sorgten sich die meisten Deutschen vor einer Verschlechterung der Wirtschaftslage und höherer Arbeitslosigkeit. 1999 galt die größte Angst einem Krieg mit deutscher Beteiligung, 1992 fürchteten sich die meisten Bundesbürger vor einer schweren Erkrankung und davor, im Alter ein Pflegefall zu werden. Bereits 1992 stand die Angst vor Spannungen durch den Zuzug von Ausländern mit 46 Prozent an dritter Stelle. Den kompletten Rückblick gibt es hier. so

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