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"Auch die Mafia macht sich davon"

Süditalien verarmt zusehends "Auch die Mafia macht sich davon"

Für Kriminelle gibt es immer weniger zu verdienen: Süditalien gehe es noch schlechter als Griechenland, warnt der Bestsellerautor Roberto Saviano. Nicht einmal die Mafia wolle noch bleiben.

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Imposante alte Gebäude – doch Siziliens Wirtschaft ist schwach.

Quelle: Fotolia

Rom. Der neapolitanische Schriftsteller Roberto Saviano hat seiner italienischen Heimat ein Sommergewitter der besonderen Art beschert. In einem Brandbrief an Italiens Regierungschef Matteo Renzi beklagte er die Armut Süditaliens. Um nachdrücklich auf die wuchernde Korruption, aber auch auf eine bröckelnde Infrastruktur und die marode Verwaltung dort hinzuweisen, merkte Star-Autor Saviano an: "Auch die Mafia macht sich davon."

"Nichts mehr zu melken" gebe es für Kriminelle im "Mezzogiorno", schildert der Bestsellerautor in seinem neuen Buch die Situation. Gerade in Kalabrien, Kernland der "Ndrangheta"-Mafia, verdienten organisierte Kriminelle bisher mit Drogenhandel und Müllentsorgung Unsummen – schätzungsweise 53 Milliarden Euro pro Jahr. Dies war ein guter Nährboden für Korruption und Kriminalität, angeblich 70 Prozent der Firmen in Kalabrien zahlten hohe Schutzgelder an die Organisation.

Mittlerweile gehe es Süditalien – besonders Sizilien – noch schlechter als dem vom Staatsbankrott bedrohten Griechenland, erklärt Saviano. Die süditalienischen Zustände sind prekär, das wirtschaftliche Gefälle zwischen dem reichen Norden und rückständigen Süden nimmt weiter zu.

Besonders Jugendliche haben hier kaum Chancen, gute Arbeitsplätze zu ergattern. Aktuell sind laut Europäischer Statistikbehörde etwa 42 Prozent der jungen Menschen in Italien arbeitslos. In der Südhälfte beträgt der Anteil sogar knapp zwei Drittel. Damit droht Süditalien so langsam Griechenland einzuholen.

Seit den Siebzigerjahren haben die süditalienischen Regionen von massiven staatlichen Subventionen profitiert. Zwischen 2007 und 2013 wurden 91 Milliarden Euro von der Europäischen Union und aus dem Landeshaushalt für die Region bereitgestellt. Ein Großteil  des Geldes wurde aber merkwürdigerweise nicht in Anspruch genommen.

Die restlichen über 40 Milliarden Euro wurden häufig für fragwürdige Projekte verwendet. Anstatt in die Infrastruktur zu investieren und etwa moderne Eisenbahn- und Autobahnstrecken zu bauen, gab Süditalien Millionenbeträge beispielsweise für eine Segelregatta vor Neapel, ein Theaterfestival in Kampanien oder eine CD von Lokalmusikern aus Apulien aus.

Von Melanie Steitz

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