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Panorama Susannas mutmaßlicher Mörder wieder in Deutschland
Nachrichten Panorama Susannas mutmaßlicher Mörder wieder in Deutschland
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22:05 09.06.2018
Ein Beamter präsentiert das Fahndungsfoto von Ali Bashar. Der 20-Jährige, der den Mord an Susanna gestanden hat, ist auf dem Weg zurück nach Deutschland. Quelle: dpa
Frankfurt

Die Maschine mit Bashar an Bord landete um 20.35 auf dem Frankfurter Flughafen, wie Bild berichtet. Der Tatverdächtige im Fall Susanna soll noch am heutigen Abend erstmals vernommen und dann dem Haftrichter vorgeführt werden. Zuständig für die Vernehmung ist das Polizeipräsidium Westhessen mit Sitz in Wiesbaden. Ali Bashar hatte die nordirakische Stadt am Nachmittag in einer Lufthansa-Maschine verlassen. Laut einem Bericht der Bild-Zeitung reiste Bundespolizei-Chef Dieter Romann selbst in den Irak, um Ali B. abzuholen.

Opfer wollte Polizei rufen

Der 20-Jährige hatte sich in den Nordirak abgesetzt und war dort in der Nacht zum Freitag von kurdischen Sicherheitskräften festgenommen worden. Der Verdächtige habe die Tötung Susannas vor dem kurdischen Ermittlungsrichter gestanden, sagte Polizeioffizier Tarik Ahmed. Dem kurdischen TV-Sender Rudaw sagte Ahmed, Bashar und sein Opfer hätten vor der Tat viel Alkohol getrunken und Tabletten geschluckt. Zwischen den beiden sei es zum Streit gekommen. Das Mädchen habe gedroht, die Polizei anzurufen, was Ali Bashar nach eigener Aussage zu der Tat getrieben habe – er habe die 14-Jährige stranguliert.

Die Mutter des Verdächtigen sagte der Deutschen Welle, ihr Sohn könne sich nicht an die Tat erinnern, weil er betrunken gewesen sei. Demnach erfuhr die Familie erst durch die Verhaftung im Irak und durch Nachrichten im Internet von den Vorwürfen gegen den jungen Mann.

Bashar wurde im Schlaf überrascht

Nach Angaben der „Bild“-Zeitung hätten Familienangehörige von Bashar der Polizei den entscheidenden Tipp zur Festnahme gegeben. Tarek Ahmed sagte „Bild“ weiter, Bashar sei von einem Spezialkommando schlafend entdeckt worden und dementsprechend bei seiner Festnahme total überrascht gewesen. Er habe keinen Widerstand geleistet.

Mit einer Schweigeminute gedachten etwa 75 Menschen in Mainz der getöteten 14-Jährigen. Es helfe nicht, „Hass mit Hass zu begegnen“, sagte eine Rednerin am Sonnabend auf der Veranstaltung, zu der die „Gutmenschliche Aktion Mainz“ aufgerufen hatte. Ebenfalls am Samstag demonstrierte die AfD-Landtagsfraktion in Mainz unter dem Motto „Es reicht! Endlich Konsequenzen ziehen!“ Etwa 100 Menschen kamen zu der Kundgebung, auf der der AfD-Landesvorsitzende Uwe Junge „reflexartige“ Versuche kritisierte, Gewalttaten mit Flüchtlingen als Täter zu bagatellisieren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich auf dem G7-Gipfel in Kanada zu dem Fall: „Dieser abscheuliche Mord hat ganz Deutschland und auch mich berührt. Wir leiden mit der Familie“, sagte Merkel.

Heftige politische Debatte

Der Fall hat eine heftige politische Debatte ausgelöst. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) sagte, ein solches Verbrechen müsse Folgen haben. „Die Straftäter, aber auch diejenigen, die ihre staatlichen Pflichten vernachlässigt haben, müssen zur Verantwortung gezogen werden. Schon bisher verläuft fast jede Integrationsdebatte emotionsgeladen. Durch diesen Fall wird das noch verstärkt.“ Um eine tolerante Gesellschaft zu schützen, müsse gegen die, die solche Straftaten begingen, mit aller Härte vorgegangen werden.

In der CDU/CSU-Bundestagsfraktion wird derweil der Ruf nach einer Verkürzung der Asylklageverfahren laut. Der Asylantrag des verdächtigen Irakers war bereits Ende 2016 abgelehnt worden, er hatte aber Rechtsmittel dagegen eingelegt, so dass eine Abschiebung damit gestoppt war. Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Mathias Middelberg (CDU) sagte der „Rheinischen Post“: „Es darf nicht sein, dass ein abgelehnter Asylbewerber sein Aufenthaltsrecht allein durch eine Klage um deutlich mehr als ein Jahr verlängern kann.“ Die Verwaltungsgerichte müssten mehr Personal bekommen. Außerdem sei zu überlegen, „wo wir das Asylprozessrecht verändern müssen“.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, kritisierte, dass Deutschland offensichtlich nicht über die rechtlichen Instrumente verfüge, um ausreisepflichtige Gewalttäter zu inhaftieren: „Das bayerische Polizeigesetz sollte Musterpolizeigesetz für Deutschland werden“, schlug Wendt in der „Passauer Neuen Presse“ vor. „Das neue bayerische Polizeigesetz sieht vor, dass Menschen, von denen eine Gefahr ausgeht, in Gewahrsam genommen werden können.“

Forscherin fordert Konzepte gegen „patriarchalisch geprägte Männer“

Nach Auffassung der Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam an der Frankfurter Goethe-Universität, Susanne Schröter, sollte sich die deutsche Gesellschaft Konzepte für den Umgang mit patriarchalisch geprägten und aggressiven Männern überlegen. „Das ist jetzt kein Einzelfall mehr“, sagte die Ethnologin der dpa. Im Islam wie auch in anderen Religionen gebe es patriarchalisch geprägte Normen, die Gewalt und sexuelle Übergriffe legitimierten. Im Fall Susanna könne dies der Hintergrund sein: „Dieser junge Mann hatte ganz offensichtlich überhaupt keinen Respekt.“ Weder vor der deutschen Gesellschaft noch vor Frauen oder Polizisten.

Von RND/dpa/lf

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