Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Tödlicher Aberglaube

Hexenjagd in Südafrika Tödlicher Aberglaube

HIV, Unfälle, Scheidungen – in Südafrika werden Hexen für Unglücke verantwortlich gemacht. Tausende Menschen werden deswegen jedes Jahr verprügelt, verbannt, und getötet.

Voriger Artikel
12.000 Euro für eine Flasche Saar-Riesling
Nächster Artikel
Pitt und Jolie adoptieren syrisches Waisenkind

Dieser Mann ist nach Helena geflüchtet, nachdem er der Hexerei beschuldigt wurde. Meistens treffen die Verfolgungen aber Frauen.

Quelle: Sinikka Tarvainen/dpa

Helena. Fluchtartig mussten die südafrikanische Heilerin und ihre Familie das Heimatdorf verlassen. Sie und neun andere waren von einem traditionellen Heiler aus dem Ort für den Tod eines Kindes und seiner Mutter verantwortlich gemacht worden. Mit Benzin und Streichhölzern waren die Dorfbewohner zu ihrem Haus gekommen und hatten ihr gedroht. "Mein Haus wurde niedergebrannt und ich rannte so schnell davon, dass ich über eine Wäscheleine stolperte und mir einen Zahn herausbrach", sagt die 72-Jährige. "Ich glaube, dass der Bruder meines Mannes mir das angehängt hatte."

Nach ihrer Flucht ließ sie sich mit ihrem Mann und den zwei Kindern im Dorf Helena nieder. Es bietet jenen Menschen Zuflucht, die der schwarzen Magie oder Hexerei bezichtigt und deswegen verfolgt wurden. Der 1991 gegründete Ort besteht inzwischen aus 62 Haushalten, die Bewohner bauen Nahrung für den Eigenbedarf an. Doch die Einwohner Helenas leben immer noch in Angst. Sie wollen unerkannt bleiben und nicht fotografiert werden.

Mehr als 1000 wurden verprügelt, verbannt, getötet

Dörfer wie Helena gebe es in Südafrika einige, sagt Damon Leff von der "South African Pagan Rights Alliance" (SAPRA). Die Organisation geht gegen die sogenannte Hexenjagd vor. 2014 seien Medienberichten zufolge landesweit zehn Menschen wegen angeblicher Hexerei getötet worden, doch die Dunkelziffer sei viel höher, sagt SAPRA. Jährlich würden mehr als 1000 Menschen geprügelt, verbannt oder getötet, sagt Yaseen Ally. Die südafrikanische Polizei führt jedoch keine eigene Statistik zu den Hexenjagd-Opfern. Die Tötungen würden als gewöhnliche Verbrechen registriert.

In vielen afrikanischen Ländern werden Menschen der Hexerei bezichtigt. Dazu hätten die christlichen Kirchen beigetragen, die traditionelle spirituelle Glaubensformen gebrandmarkt haben. Auch reißerische Medienberichte verbreiteten die Verfolgung, wie SAPRA und der Forscher Ally sagen. "Für fast jedes Unglück kann Hexerei verantwortlich gemacht werden – Autounfälle, Todesfälle, Scheidung, eine HIV-Infektion, ein totgeborenes Kind", sagt Ally. Die Anschuldigungen würden oft aus Neid erhoben oder um keine Verantwortung für ein Verhalten tragen zu müssen, das zu Unglücken oder Unfällen geführt haben kann, sagt Ally.

Eine spezielle Polizeieinheit ermittelt

Bei der südafrikanischen Polizei gibt es sogar eine spezielle Polizeieinheit, die mit Hexenjagd verbundene Delikte untersucht. Zwar verbiete das südafrikanische Gesetz seit 1957 Anschuldigungen wegen Hexerei. Doch die meisten Fälle kämen vor traditionelle lokale Gerichte, an denen die Beschuldigten keinen Rechtsbeistand erhalten würden. Oft würden dort Orakel befragende Heiler als Zeugen zugelassen, sagt Leff.

Sinikka Tarvainen/Natalie Skrzypczak

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Panorama
Familiendrama mit sechs Toten in Österreich

Ein Familiendrama erschüttert Österreich. Eine Frau soll mehrere Angehörige erschossen haben.