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Panorama Thilo Sarrazin bekommt in Kreuzberg keinen Döner
Nachrichten Panorama Thilo Sarrazin bekommt in Kreuzberg keinen Döner
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22:25 18.07.2011
Für einen Fernsehbeitrag besuchte Thilo Sarrazin Kreuzberg - und kam kaum zu Wort. Quelle: dpa
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Berlin

Mit dem Döner wurde es nichts. Auch der Spaziergang von Thilo Sarrazin über den türkischen Gemüsemarkt führte zu keinem Imbiss. Wenn sich der umstrittene Ex-Politiker und Bestseller-Autor begleitet von einem Fernsehteam in die Berliner Stadtteile Kreuzberg und Neukölln begibt, erhitzen sich die Gemüter. Schimpftiraden und Sprechchöre statt gegrillter Fleischlappen mit scharfer Sauce bestimmen das Bild. In einem türkischen Restaurant wird Sarrazin knapp ein Jahr nach Erscheinen seines Buches „Deutschland schafft sich ab“ nicht bedient.

Bitter beklagt sich der 66-jährige frühere Bundesbanker, der seinen Job wegen des Buches mit den höchst umstrittenen Integrationsthesen verlor, über Mobbing. Auslöser der aggressiven Stimmung ist ein geplanter Bericht des ZDF-Kulturmagazins „Aspekte“, der Sarrazin beim Gespräch mit türkischstämmigen Menschen zeigen wollte - etwa auf dem sogenannten Türkenmarkt in Neukölln, der in jedem Reiseführer erwähnt wird. Mit dem Besitzer eines bekannten Restaurants und mit der liberalen alevitischen Gemeinde war lange zuvor ein Treffen verabredet.

Doch sobald Sarrazin auftaucht, eskaliert die Situation. In den Wortwechseln, die im Internet zu sehen sind, reden alle Beteiligten gründlich aneinander vorbei. Vor dem Restaurant „Hasir“ im Herzen von Kreuzberg - laut Eigenreklame „einer der interessantesten und spannendsten Bezirke Berlins“ - schreit ein Mann mit Sonnenbrille Sarrazin an: „Dieser Mann hat Menschen beleidigt. Sie laufen jetzt hier, das ist unglaublich. Du kannst hier nicht sein.“

Sarrazin, der in seinem Buch die angeblich fehlende Integrationbereitschaft von Türken und Arabern kritisiert, fragt nach seiner Herkunft. Antwort: „Ich bin nicht deutscher Staatsbürger.“ Sarrazin: „Dann benimm dich mal vernünftig, du bist in einem anderen Land.“ Und: „Ich gehe dahin, wo ich will, und das bestimmen nicht Sie.“

Der Deutsche Kulturrat beklagt die Inszenierung durch das Magazin. Ein solcher Eklat vor laufenden Kameras sei vorhersehbar gewesen. Der „Hasir“-Besitzer sagt die Gesprächs-Verabredung ab und will Sarrazin auch dessen angeblich ersten Döner nicht servieren, als vor dem Lokal Stammgäste zu Sprechchören ansetzen. Die verabredete Diskussion mit den Aleviten endet ebenfalls im Protest auf der Straße: „Hau ab, hau ab“ und „Sarrazin muss weg aus Kreuzberg“.

Die ZDF-Reporterin Güner Balci, die den Beitrag drehte („Aspekte“, 22. Juli, ZDF), sagte dpa: „Wir wollten ein ernsthaftes, tiefergehendes Gespräch zwischen Sarrazin und den Menschen, über die er in seinen Statistiken schreibt.“ Die schnelle Aggression sei nicht vorhersehbar gewesen. „Ich spüre bei den Brüllenden die Dankbarkeit für ein Gefühl, dass sich am besten leben lässt, wenn es einen Bösewicht gibt“, schrieb sie in der „Berliner Morgenpost“ (Samstag).

Der Kreuzberger SPD-Bildungsstadtrat Jan Stöß (SPD), ein ehemaliger Rechtsanwalt und Richter, verteidigt dagegen seine Kiezbewohner: „Wenn man provoziert, muss man sich nicht wundern. Dass es zu wütenden Reaktionen kommt, kann ich gut verstehen.“ Die „Nazis raus“- Rufe seien wohl eine „Fehleinschätzung“, aber schließlich habe auch „Sarrazin selber jede Menge Fehleinschätzungen“ geliefert.

Sarrazin fühlt sich „förmlich herausgemobbt“ aus Kreuzberg. Bei zahllosen Lesungen und Diskussionen habe er seit dem August 2010 nicht so viel Ablehnung erlebt. Zu Kreuzberg hatte Sarrazin bisher kein enges Verhältnis. Besser dürfte sein Bild von Berlins Multi-Kulti-Vorzeigebezirk auch nicht geworden sein.

dpa

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