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Todespfleger Niels H.: Klage gegen Klinikmitarbeiter

Tötungsserie Todespfleger Niels H.: Klage gegen Klinikmitarbeiter

Die beispiellose Mordserie des sogenannten „Todespflegers“ Niels H. in zwei Krankenhäusern hat jetzt auch Konsequenzen für das Klinikpersonal.Die Staatsanwaltschaft Oldenburg erhob Anklage gegen sechs ehemalige Vorgesetzte des Mannes.

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Der ehemalige Krankenpfleger Niels H. hat mindestens zwei Menschen ermordet.
 

Quelle: Carmen Jaspersen

Oldenburg. Zwei Oberärzte und vier Pflegekräfte am Klinikum Delmenhorst sollen sich wegen Totschlags durch Unterlassen vor dem Landgericht Oldenburg verantworten. Das teilte der Oldenburger Erste Staatsanwalt Martin Rüppell am Freitag mit. Wie viele Menschenleben der „Todespfleger“ auf dem Gewissen hat, ist immer noch unklar. Es geht um Dutzende Taten, die Ermittler untersuchen noch immer mehr als 100 Fälle.

Niels H. war im Februar 2015 wegen Mordes und versuchten Mordes in sechs Fällen verurteilt worden. Er hatte seinen Opfern Herzmedikamente gespritzt, um bei ihnen Kammerflimmern zu provozieren. Er wollte die Patienten anschließend mit Wiederbelebungsmaßnahmen retten, um dafür Anerkennung zu ernten. Im Prozess zeigte sich auch, dass Niels H. seine Verbrechen nur fortsetzen konnte, weil das Klinikpersonal gravierende Verdachtsmomente ignorierte.

So geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass drei Morde und zwei Mordversuche im Frühjahr 2005 in Delmenhorst hätten verhindert werden können. Die jetzt angeklagten Ärzte und Pfleger, so der Vorwurf, hätten Taten von Niels H. billigend in Kauf genommen, weil sie Angst um die Reputation der Klinik hatten. Auch hätten sie sich nicht dem Vorwurf der falschen Verdächtigung aussetzen wollen. Das Landgericht muss noch über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden. Den Männern und Frauen im Alter von 47 bis 67 Jahren drohen fünf bis 15 Jahre Haft.

Die Staatsanwaltschaft glaubt inzwischen, „Todespfleger“ Niels H. weitere 31 Taten allein in seiner Zeit am Klinikum Delmenhorst von Ende 2002 bis Mitte 2005 nachweisen zu können. Die Ergebnisse von vier Exhumierungen stehen noch aus. Sechs weitere Tötungen kommen aus der Zeit hinzu, die er anschließend am Krankenhaus in Oldenburg verbrachte – dort dürfte die Zahl der Fälle noch zunehmen. Mehr als 100 Ermittlungsverfahren wurden in Oldenburg eingeleitet. Weitere Exhumierungen sind angeordnet.

Die Opferanwältin Gaby Lübben nannte die Anklage der Verantwortlichen am Klinikum in Delmenhorst „mehr als gerechtfertigt“. Vorgesetzte Pfleger und die beiden Oberärzte hätten die Pflicht gehabt, ihre Patienten zu schützen, sagte sie der HAZ. „Das haben sie nicht getan, weil ihnen der Ruf des Krankenhauses wichtiger war.“ Neu ist, dass Niels H. selbst am letzten Tag seiner Beschäftigung in Delmenhorst, am 24. Juni 2005, beinahe noch eine Patientin getötet hätte. Er durfte arbeiten, obwohl er erst am Tag zuvor auf frischer Tat ertappt worden war. Inzwischen habe Niels H. gestanden, der Frau an dem Tag den Betablocker Sotalol verabreicht zu haben, sagte Rüppell. Da dieses Medikament bislang bei den Ermittlungen keine Rolle spielte, werden diese jetzt ausgeweitet.

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